Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Bild: © Annette Riedl/dpa

Der Bau von dezentralen erneuerbaren Energieanlagen wird aus Robert Habecks Sicht immer mehr zu einer "Frage nationaler Energiesicherheit". Dies führte der Bundeswirtschaftsminister beim "Global Solutions Forum" am Montag aus.

Der Grünen-Spitzenpolitiker bezog sich auf seine Dienstreise ins Kriegsland Ukraine vor wenigen Wochen. Es sei deutlich leichter, ein großes Kraftwerk zu bombardieren als 30 Windkraftanlagen, sagte er auf Englisch. Noch schwieriger sei es, 20.000 Häuser mit Photovoltaikdächern in einer Attacke zu treffen.

Windräder für Ukraine

Die Ukraine habe Deutschland darum gebeten, beim Bau neuer Windräder zu helfen, "um das [ukrainische] Energiesystem zu stabilisieren". Das größte Flächenland Europas erzeugte im letzten Vorkriegsjahr 2021 rund 60 Prozent des Stroms aus Kernkraft.

Kohlekraftwerke steuerten fast 30 Prozent bei und Windenergie 3 Prozent. Das von Russland besetzte größte Kernkraftwerk Saporischja speist jedoch seit Monaten keinen Strom mehr ins ukrainische Netz ein. Zudem haben massive russische Angriffe gegen die ukrainische Infrastruktur etliche Heizkraft- und Umspannwerke beschädigt oder komplett zerstört.

Importabhängigkeit sinkt mit Energiewende

Im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine geriet auch deutsche Energieinfrastruktur ins Visier. Im September 2022 wurden drei der vier Nord-Stream-Gasleitungen beschädigt.

Habeck lobte die Fortschritte der Bundesregierung bei der Energiewende im eigenen Land ausdrücklich. Noch sei Deutschland bei Energie zu 70 Prozent von Importen aus dem Ausland abhängig. Im Zuge der Energiewende werde dieser Anteil auf 30 Prozent sinken, versprach er.

Tempo bei Stromnetzausbau

Der Ausbau der Solarenergie gehe "buchstäblich durch die Decke", sagte Habeck. Auch die Zahl der Windenergie-Genehmigungen sei im ersten Quartal dieses Jahres im Plan gewesen.

Am bemerkenswertesten finde er allerdings den Ausbau der Stromnetze. "Wir werden dieses Jahr 1500 Kilometer bauen und 2400 Kilometer genehmigen", erläuterte der Minister. Allein auf Übertragungsnetzebene rechnet die Bundesnetzagentur dieses Jahr mit fast 1900 genehmigten Kilometern. (Die ZfK berichtete.)

Sommerurlaub und Energiewende

Das sei auch möglich, weil ein alter, in seinem Ministerium zirkulierender Spruch so nicht mehr gelte: "Der Sommerurlaub ist die schlechteste Jahreszeit für die Energiewende."

Früher hätten Politiker zu dieser Zeit in ihren Wahlkreisen den Unmut ihrer Wähler zu spüren bekommen, wenn eine Stromleitung durch ihr Gebiet gelegt werden sollte, und wichtige Ausbauprojekte zurück im politischen Berlin gestoppt. Das sei nicht mehr wahr. "Das Land ist bereit für den Wandel." (aba)

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