Blick auf das inzwischen stillgelegte Uniper-Kohlekraftwerk Heyden. (Archivbild)

Blick auf das inzwischen stillgelegte Uniper-Kohlekraftwerk Heyden. (Archivbild)

Bild: © Friso Gentsch/dpa

Deutschlands Kraftwerkspark befindet sich mitten im Umbruch. Die letzten Kernkraftwerke sind bereits abgeschaltet. Bis 2038 sollen auch die letzten Kohlekraftwerke aus dem Markt gehen. Wo genau welche neuen steuerbaren Kraftwerke zur Absicherung der Stromversorgung kommen, steht dagegen weiterhin in den Sternen. Die Eckpunkte zum Kraftwerkssicherheitsgesetz befinden sich noch bis zur nächsten Woche in der Konsultationsphase.

Besonders viel steht für Nordrhein-Westfalen auf dem Spiel, wie eine neue Analyse der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zeigt. Demnach sind dort zurzeit noch fast zwölf Gigawatt (GW) Kohlekraft am Netz.

Größter Gaskraftwerkspark in NRW

Fallen sie weg, schrumpft der flexible Kraftwerkspark – unter der Annahme, dass keine neue regelbare Leistung zugebaut wird – in den nächsten Jahren um 45 Prozent. Das mag auch erklären, warum die Landesregierung in Düsseldorf auf einen schnellen geförderten Kraftwerkszubau drängt und anders als das Bundeswirtschaftsministerium einen zentralen Kapazitätsmarkt einem Hybridmodell vorzieht. Einer der Vorteile des zentralen Marktes ist es, Kraftwerksbetreibern eine langfristige Refinanzierungsperspektive zu bieten.

Mit knapp 10 GW hat Nordrhein-Westfalen auch den größten Erdgaskraftwerkspark der Republik. Insgesamt stehen dem Land aktuell rund 26 GW an regelbaren Kraftwerken zur Verfügung. Damit liegt das Bundesland mit Abstand auf Platz eins – vor Bayern (13 GW) und Baden-Württemberg (10 GW).

Steinkohle in Baden-Württemberg noch zentral

Anders als in Bayern spielt in Baden-Württemberg Steinkohle noch eine herausragende Rolle. Steinkohlekraftwerke stellen mehr als die Hälfte der regelbaren Kraftwerksleistung im Südwesten. Dazu kommen knapp 2 GW an Erdgaskraftwerken.

Auch Baden-Württemberg drängt auf einen schnellen Kraftwerkszubau und neigt zu einem zentralen Kapazitätsmarkt. (Die ZfK berichtete.)

Braunkohlehochburgen im Osten

Die traditionellen Braunkohlehochburgen liegen abgesehen vom Rheinischen Revier in Ostdeutschland. In Sachsen stellen Braunkohlekraftwerke 71 Prozent der regelbaren Kraftwerksleistung bereit. In Brandenburg sind es 61 Prozent. In Sachsen-Anhalt machen Braun- und Steinkohlekraftwerke zusammen 70 Prozent der regelbaren Kraftwerksleistung aus.

In allen drei Regionen wird sich der Kraftwerksmix in den kommenden Jahren tiefgreifendend verändern. Selbes gilt für das Saarland, dessen regelbare Kraftwerke zu 75 Prozent auf Steinkohle basieren. Schon jetzt komplett kohlefrei sind dagegen neben dem Stadtstaat Bremen die Flächenländer Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Bayern bei Wasserkraft ganz vorn

Interessante Zahlen liefert die AEE auch zu Kraftwerken, die schon jetzt Grünstrom erzeugen. Bei Biomasse liegt Niedersachsen (1862 Megawatt, MW) hauchdünn vor Bayern (1851 MW). Bemerkenswert: Im kleinen Flächenland Saarland gibt es weniger Biomasseleistung (12 MW) als in den Stadtstaaten Bremen (13 MW), Berlin (38 MW) und Hamburg (47 MW).

Bei Wasserkraft ist traditionell das größte Flächenland der Republik, Bayern, ganz vorn. Mehr als die Hälfte der Wasserkraftleistung in Deutschland ist im Freistaat installiert (2761 MW). Die Plätze zwei und drei belegen Baden-Württemberg (861 MW) und Niedersachsen (273 MW).

NRW führt bei großen Batteriespeichern

Deutlich wachsen dürfte in den kommenden Jahren die Zahl der Stromspeicher, insbesondere das Segment der Batteriespeicher. Ganz vorn liegt hier dank seiner großen Pumpspeicherleistung Baden-Württemberg (1898 MW). Der größte Einzel-Pumpspeicher ist dagegen in Thüringen zu finden – genauer in Goldisthal (1060 MW). Er wird vom schwedischen Konzern Vattenfall betrieben.

Bei den großen Batteriespeichern führt derzeit Nordrhein-Westfalen (181 MW). Dahinter reihen sich Sachsen (130 MW) und Bayern (121 MW) ein. (aba)

Hinweis: Als Zahlengrundlage diente ein frisch veröffentlichtes Grundlagenpapier der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) . Das Papier ist hier abrufbar.

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