Die Gasspeicher in Deutschland sind aktuell (30. Januar) im Schnitt noch zu knapp 34 Prozent gefüllt (Symbolbild).

Die Gasspeicher in Deutschland sind aktuell (30. Januar) im Schnitt noch zu knapp 34 Prozent gefüllt (Symbolbild).

Bild: © Peter Kneffel/dpa

In der Debatte um eine Absicherung der Gasversorgung in Deutschland hat sich der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, für eine strategische Gasreserve ausgesprochen. In Deutschland sorgten Händler und Gasversorger für eine ausreichende Versorgung von Industrie und Haushalten, sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auch weiterhin sollte eine Verantwortung in privater Hand bleiben. "Aber es kann eben externe Schocks geben."

Um darauf schnell genug reagieren zu können, brauche es eine Absicherung. "Bisher sind das die Füllstandsvorgaben." Sie hätten sich aber als ein eher sperriges Instrument erwiesen, was den Markt verzerre. Eine strategische Reserve könnte daher eine mögliche Antwort sein. 

Auch EWE-Chef Dohler für Gasreserve 

Vor drei Wochen hatte auch der Chef des Oldenburger Energieversorgers EWE, Stefan Dohler, die Einrichtung einer nationalen Gasreserve vorgeschlagen. Es sei an der Zeit, darüber zu sprechen, welche Instrumente auch in einem Krisenfall für ausreichende Versorgungssicherheit sorgen könnten, hatte Dohler der dpa gesagt. "Der Staat könnte beispielsweise überlegen, eine strategische Gasreserve für Deutschland anzulegen, die gleichzeitig die Marktintegrität aufrechterhält", schlug er vor. "Es gibt andere Länder wie Österreich, Frankreich und Polen, die das aus gutem Grund tun."

Wie werden sich die Füllstände weiter entwickeln?

Die deutschen Gasspeicher sind aktuell (29. Januar) im Schnitt zu knapp 34 Prozent gefüllt. Wie sich die Speicherfüllstände in Deutschland im Februar und März entwickeln werden, hängt von den Temperaturen an. Der Branchenverband Ines (Initiative Energien Speichern) geht davon aus, dass bei normalen Temperaturen die Füllstände um weitere rund 20 Prozentpunkte zurückgehen. "Sollten wir bei unter 14 Prozent Speicherfüllstand Ende März stehen, könnte das der niedrigste Speicherfüllstand sein, der jemals für Deutschland aufgezeichnet worden ist", sagt Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.

Zwar reichten die aktuellen Speichermengen bei normalen Temperaturen zusammen mit den anderen Quellen zur Gasversorgung aus. "Es sollte uns aber nachdenklich machen, dass wir trotz eines vergleichsweise normalen Winters und ohne technische Ausfälle von Gasinfrastrukturen am Ende mit derart leeren Gasspeichern dastehen. Die Versorgung ist auf Kante genäht, und das ist eigentlich zu wenig", sagt Heinermann.

Uniper fordert grundsätzliche Reform der Anreizsysteme

Deutschlands größter Speicherbetreiber Uniper hält indes wenig von einer strategischen Gasreserve nach dem Vorbild der bestehenden Ölreserven. Solche staatlichen Vorgaben würden die Anforderungen an Versorgungssicherheit und Effizienz nur begrenzt erfüllen. Notwendig sei ein regulatorischer Rahmen mit marktlichen Anreizen, der Versorgungssicherheit durch Gasspeicher sowohl langfristig als auch wirtschaftlich gewährleiste. 

"Der Staat soll nicht als Akteur im Speichermarkt auftreten, sondern nur Leitplanken setzen", betont Uniper. Grundsätzlich müssten Marktmechanismen Anreize für eine Speicherbefüllung schaffen und nicht politisch festgelegte Vorgaben.

Das Unternehmen wünscht sich deshalb andere Regeln. Das bestehende Regime sei nicht mehr zeitgemäß und sollte weiterentwickelt werden, sagte eine Sprecherin. "Verlässliche Rahmenbedingungen und marktbasierte Anreize sind entscheidend, um Versorgungssicherheit langfristig herzustellen und Gasspeicher vor Beginn der Wintersaison wirtschaftlich und auskömmlich zu befüllen.» Das erhöhe die Effizienz, senke die Kosten und sorge für Versorgungssicherheit.

Regierung will Füllvorstandsvorgaben anpassen

Eine Ende März 2027 auslaufende Verordnung schreibt in Deutschland vor, dass die meisten Speicher am 1. November zu mindestens 80 Prozent und am 1. Februar zu mindestens 30 Prozent gefüllt sein müssen. Dies wird voraussichtlich erreicht. Laut Bundeswirtschaftsministerium sollen die bestehenden Füllstandsvorgaben weiterentwickelt werden. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es zu dem Thema: "Wir werden geeignete Instrumente auf den Weg bringen, um eine versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherzustellen."

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