Nachdem ein einfacher Brandanschlag die Stromversorgung in mehreren Berliner Stadtteilen lahmlegte, reißt die Diskussion über Deutschlands Krisenfestigkeit nicht ab. Der Stadtwerkeverband VKU hat dazu einen Drei-Punkte-Plan für mehr Resilienz veröffentlicht.
Ulf Kämpfer, Präsident des VKU und Kieler Oberbürgermeister (SPD), betonte, dass die Errichtung einer provisorischen Stromversorgung nicht länger als 24 Stunden in Anspruch nehmen dürfte. Um dies zu ermöglichen, fordert der VKU zusammen mit den Netzbetreibern den Aufbau einer "Nationalen Reserve Blackout und Krisenintervention".
Reserve in anderen Dimensionen denken
Zwar halten schon heute das Technische Hilfswerk oder die Bundeswehr Generatoren vor. Die vom VKU vorgeschlagene Reserve hätte aber eine ganz andere, viel größere Dimension. Darin sollen Anlagen zur mobilen Stromerzeugung im Umfang von mehreren Hundert Megawatt Leistung enthalten sein. Diese sollen dezentral in Deutschland gelagert werden und von betroffenen Netzbetreibern "mit nur einem Anruf" abgerufen werden können. Neben klassischen Dieselgeneratoren sollen die Reserve auch große fahrbare Erzeugungsanlagen enthalten, die mit verschiedenen Brennstoffen betrieben werden können.
Der Verband betont: "Im Krisenfall dürfen Kompetenzfragen ebenso wenig wie Haftungs-, Genehmigungs-, Kosten-, arbeitsrechtliche oder versicherungsrechtliche Aspekte die Wiederherstellung der Versorgung verzögern. Bestehende Regelungen müssen vor dem Hintergrund der Berliner Ereignisse und einer veränderten Bedrohungslage unverzüglich auf ihre Krisentauglichkeit überprüft werden." Erst vor kurzem verhinderten Zuständigkeitsfragen das Eingreifen bei Drohnenüberflügen auf deutschen Flughäfen.
Neue Dimension gezielter Angriffe
Den Umgang des Berliner Stromnetzbetreibers mit der Krise sowie die Unterstützung aus anderen Landesteilen lobte Kämpfer. Er mahnte aber auch: "Angesichts der geänderten Bedrohungslage und einer neuen Intensität von Anschlägen, die auch in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann, stehen wir vor einer neuen nationalen Aufgabe." Es gehe um gezielte Angriffe, die eine neue Dimension darstellten. VKU-Chef Ingbert Liebing warnte im vergangenen Jahr bereits: "Wir befinden uns in einem hybriden Krieg."
Notfall-Kapazitäten wären bundesweit verteilt
Rechtliche Vorgaben und Kompetenzfragen dürften die schnelle Wiederherstellung der Versorgung dabei nicht verzögern, betonte der VKU. So müssten die normalerweise langwierigen Genehmigungsverfahren für Schwertransporte im Krisenfall deutlich verkürzt werden. Außerdem müsse der rechtliche Rahmen für Stromerzeuger, die im Notfall punktuell einspringen, geklärt werden, da Netzbetreiber nur für den Betrieb des Stromnetzes zuständig sind, nicht aber für die Belieferung von Endkunden – diese Verantwortung liegt bei den Versorgern.
Darüber hinaus sei es wichtig, die dezentrale Stromerzeugung zu stärken – mit erneuerbaren Energien, Speichern und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Bei KWK-Anlagen wird die Abwärme aus der Stromerzeugung ebenfalls genutzt. Solche Anlagen müssten weiterhin gefördert werden.
Netze müssen aus VKU-Sicht widerstandsfähiger gemacht werden gegen Ausfälle, indem mehr Parallelleitungen (Redundanzen) geschaffen werden und die Leitungen untereinander stärker vernetzt sind. (mit dpa)



