Von Daniel Zugehör
Im kommenden Jahr wird die Zahl abgeschriebener Gasnetze nach Kanu 2.0 stark steigen. Nutzten 2025 noch ein Drittel der Betreiber die seit Jahresbeginn gültige Regelung, werden 2026 "rund 86 Prozent" davon Gebrauch machen. Das geht aus einer Antwort der Bundesnetzagentur auf eine Anfrage der ZfK-Redaktion hervor. Dies sei ein Zuwachs von circa 53 Prozent.
Zuständig ist die Behörde für insgesamt 147 Gasnetzbetreiber, darunter mehrheitlich die großen Netzbetreiber mit jeweils mindestens 100.000 Kundinnen und Kunden. "Von 132 Verteilnetzbetreibern haben 118 Kanu 2.0 für die Veröffentlichung der (vorläufigen) Entgelte des Jahres 2026 zum 15. Oktober 2025 angewandt", heißt es weiter aus Bonn. Erstmals würden 2026 auch neun von 15 Fernleitungsnetzbetreibern die Regelung anwenden.
Prüfung "höherer Entgeltsprünge" angekündigt
Eigentlich soll die Regelung Kanu 2.0 (Kalkulatorische Nutzungsdauer 2.0) einerseits Betreiber bei Stilllegungen und Umrüstungen finanziell entlasten – diese können ihre Investitionen mit bis zu zwölf Prozent jährlich bis spätestens 2045 abschreiben. Andererseits soll sie verhindern, dass die verbleibenden Nutzerinnen und Nutzer zu hohe Netzentgelte zahlen müssen.
Allerdings greift das Instrument bei einigen Netzbetreibern offenbar zu kurz. Die Bundesnetzagentur kündigt jetzt eine "vertiefte Prüfung" in "rund 35 Fällen mit auffälligeren Entgeltentwicklungen" an. Hier seien "höhere Entgeltsprünge zu verzeichnen". Daher würden hier nun die Abschreibungssätze und insbesondere die Begründungen durch die jeweiligen Netzbetreiber geprüft.
Kräftige Teuerung schon 2025
Kanu 2.0 sei kein "Freibrief" für übermäßige Preiserhöhungen, wie Netzagentur-Präsident Klaus Müller erst kürzlich betonte. Seine Behörde "wird immer darauf achten, dass es keine Exzesse gibt".
Dennoch stiegen die Gasnetzentgelte infolge von Kanu 2.0 bereits. In diesem Jahr hatte rund ein Drittel der Netzbetreiber (44) bei der Netzentgeltberechnung die neue Möglichkeit genutzt. Dadurch sind die Entgelte durchschnittlich zwischen 20 und 25 Prozent gestiegen, hatte die Bonner Behörde mitgeteilt.



