Für den Ausbau und die Dekarbonisierung der Fernwärme braucht es klare kommunale Strategien.

Für den Ausbau und die Dekarbonisierung der Fernwärme braucht es klare kommunale Strategien.

Bild: © Marijan Murat/dpa

Das Bundesamt für Justiz hat die Sammelklage der Verbraucherzentrale gegen den Eon-Fernwärmeversorger Eon Energy Solutions im Klageregister veröffentlicht. «Verbraucherinnen und Verbraucher sowie kleine Unternehmen können jetzt ihre Ansprüche oder Rechtsverhältnisse zu dieser Klage zur Eintragung in das Register anmelden», teilte die Behörde am Montag in Bonn mit.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte die Verbandsklage im November beim Oberlandesgericht Hamm eingereicht. Nach Darstellung des vzbv hat Eon Energy Solutions «in den letzten Jahren seine Preise enorm erhöht». Diese Preiserhöhungen seien nicht gerechtfertigt. «Die Klage soll dafür sorgen, dass Eon seine Abrechnungen rückwirkend anpasst und Kund:innen das sich daraus ergebende Guthaben erstattet», berichtete der Verband am Montag.

Eon weist Vorwürfe zurück 

Ein Eon-Sprecher hatte die Vorwürfe seinerzeit zurückgewiesen und erklärt: «Unsere Fernwärmepreise folgen den gesetzlichen Vorgaben und passen sich den Kosten- und Marktentwicklungen an.» Die Preisgestaltung richte sich nach Preiskomponenten, die auf jederzeit einsehbaren Grundlagendaten des Statistischen Bundesamtes beruhten. Man sei sich der Belastungen der Kunden bewusst. «Die historisch hohen Energiepreise der letzten beiden Jahre lagen aber außerhalb unserer Verantwortung. Unsere Preise waren und sind fair, transparent und entsprechen allen gesetzlichen Vorgaben», so der Sprecher weiter.

Die Verbraucherschützer hatten im November als Beispiel Eon-Preise im Versorgungsgebiet Erkrath-Hochdahl in Nordrhein-Westfalen genannt. Dort hatte Eon laut vzbv den Brutto-Arbeitspreis von 6,18 Cent je kWh im Jahr 2020 auf 23,24 Cent je kWh 2022 erhöht. 

Fernwärme-Tarifdschungel wird heiß diskutiert

Die Fernwärmepreise und deren teilweise intransparente Gestaltung sind in jüngster Vergangenheit vielerorts Grund zur Aufregung. Energieversorger und auch Branchenverbände wollen darauf mit einer Tansparenz-Plattform reagieren. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing machte jüngst in der Neuen "Osnabrücker Zeitung" (NOZ) Hoffnung auf bald sinkene Fernwärmepreise: Die in den vergangenen Monaten klar rückläufigen Beschaffungskosten würden sich auch bei Fernwärmekund:innen in den Preisen in der Breite widerspiegeln, selbst wenn Gas wieder teurer werde, sagte der Verbandschef und ergänzte: "Eine Zusage für jeden Kunden kann ich natürlich nicht abgeben, denn jedes Unternehmen hat individuelle Kostenbestandteile." 

Auf die Vorwürfe von Politik und Verbraucherschütern, Fernwärme-Anbieter würden die undurchsichtigen Regeln für überhöhte Preise ausnutzen, wies Liebing entschieden zurück: "Wer die Fernwärme mit falschen Abzocke-Vorwürfen diskreditiert, gefährdet die Wärmewende insgesamt. Wir brauchen mehr Fernwärme, um CO2-frei zu heizen und das Klima zu schützen", betonte der VKU-Chef. Die Stadtwerke hätten ein starkes Eigeninteresse an wettbewerbsfähiger Fernwärme. "Wir wollen vielerorts die Wärmenetze ausbauen, weil es für die Kunden in vielen Gebieten und für das Klima das technisch und wirtschaftlich Beste ist. Und deswegen kann ich nur davor warnen, die Fernwärme jetzt schlecht zu reden."

Drei Mrd. Euro reichen nicht für die Wärmewende bis Ende der Dekade 

Liebing warnte auch eindringlich vor neuen Auflagen: "Die Diskussion über staatliche Eingriffe bis hin zu Erlösobergrenzen für die Anbieter sind Gift und drohen den Fernwärme-Ausbau abzuwürgen", sagte er in dem Interview mit der NOZ. Zudem müsse der Bund deutlich mehr Geld in die kommunale Wärmewende stecken. (dpa/NOZ/lm)

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