Von Lucas Maier
In diesem Jahr zahlen Haushalte in Deutschland dem Energieverband BDEW zufolge durchschnittlich knapp 40 Cent pro Kilowattstunde (kWh). 21 Prozent davon entfallen allein auf Umlagen. Im nächsten Jahr dürfte dieser Anteil wachsen. Eine Übersicht:
Offshore-Netzumlage erhöht sich merklich
Derzeit beträgt die Offshore-Netzumlage 0,861 Cent pro kWh. Im nächsten Jahr wird sie um gut neun Prozent auf 0,941 Cent pro kWh steigen. Die Offshore-Umlage wurde wegen möglicher Entschädigungszahlungen an Betreiber von Offshore-Windparks eingeführt, die für die verspätete Anbindung an das Übertragungsnetz an Land oder wegen lang andauernder Unterbrechungen der Anbindung zu zahlen sind. Seit 2019 sind in der Umlage auch Kosten für die Errichtung und den Betrieb der Anbindungsleitungen enthalten. Es gibt Überlegungen in der Bundesregierung, die Offshore-Umlage ab 2027 zu bezuschussen.
Am stärksten zieht die KWKG-Umlage an – nämlich um 61 Prozent. Im kommenden Jahr werden 0,446 Cent pro kWh fällig.
Im laufenden Jahr sind es 0,277 Cent pro kWh, die für die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung umgelegt werden. Der Betrag blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant.
Im April trat das angepasste Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz in Kraft. Seitdem werden KWK-Anlagen gefördert, wenn sie bis Ende 2026 verbindlich bestellt werden oder eine emissionsschutzrechtliche Genehmigung vorliegt. Bis dahin mussten KWK-Anlagen bis Ende 2026 üblicherweise in Betrieb gehen, um sich eine Förderung zu sichern.
Umlage für besondere Netznutzung noch nicht in trockenen Tüchern
Anders als beim vorherigen Jahreswechsel bleibt der sogenannte Aufschlag für besondere Netznutzung (§ 19 StromNEV) diesmal nahezu konstant. Werden 2025 noch 1,558 Cent pro kWh fällig, sind es im kommenden Jahr 1,559 Cent pro kWh. Von 2024 auf 2025 verdreifachte sich dieser Wert nahezu. 2024 lag er noch bei 0,643 Cent pro kWh.
Der Aufschlag steht allerdings noch unter Vorbehalt. Hintergrund ist laut dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion, dass die in Aussicht gestellten Bundeszuschüsse für Netzentgelte einen "unmittelbaren Einfluss auf die Ermittlung der entgangenen Erlöse nach § 19 StromNEV" haben. Sollte bis zum 5. Dezember keine Rechtssicherheit bestehen, werden nicht nur die Netzentgelte höher ausfallen, sondern auch der Aufschlag für besondere Netznutzung.
Insgesamt ergibt sich im Strombereich eine Umlagenlast von 2,946 Cent pro kWh, wie das Stadtwerke-Netzwerk Asew berechnet hat. Das entspricht einem Anstieg von 18 Prozent im Vergleich zum laufenden Jahr.
Wie wird der Strompreis 2026 ausfallen?
Blicken wir auf weitere Bestandteile des Strompreises: Die gesetzliche Mindest-Konzessionsabgabe bleibt 2026 bei einer Höhe von 0,11 Cent pro kWh. Viele Kommunen legen jedoch höhere Sätze fest, um die tatsächlichen Kosten für die Infrastruktur zu decken – im Schnitt 1,67 Cent pro kWh, wie der BDEW für die Jahre 2024 und 2025 schreibt.
Neben der Mehrwertsteuer fließt noch die Stromsteuer in den Preis mit ein. Diese liegt für Haushalte derzeit bei 2,05 Cent pro kWh.
Eigentlich hatten sich Union und SPD im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die Stromsteuer für alle auf den europäischen Mindestsatz zu senken. Haushalte müssten dann nur noch 0,1 Cent pro kWh zahlen.
Im Zuge der Haushaltsaufstellung für 2026 gaben die Koalitionsspitzen dieses Ziel allerdings auf. Lediglich produzierende Unternehmen sollen im nächsten Jahr weiterhin von einem niedrigen Stromsteuersatz profitieren. Noch scheint das Thema aber nicht ganz vom Tisch zu sein. Aktuell laufen die parlamentarischen Beratungen zur Reichweite der Stromsteuersenkung noch.
Im Jahr 2025 setzt sich der Strompreis zu jeweils rund einem Drittel aus Netzentgelten und Steuern, Abgaben und Umlagen zusammen. Die vorläufigen Netzentgelte sind seit Mitte Oktober bekannt.
Nach Angaben des Datendienstleisters Enet zahlt ein durchschnittlicher Mehr-Personen-Haushalt im nächsten Jahr (4000 kWh Jahresverbrauch) 8,9 Cent pro kWh. Das wäre eine Ersparnis von 1,8 Cent pro kWh gegenüber dem laufenden Jahr.
Die restlichen 40 Prozent entfallen auf Beschaffung und Vertrieb, wie der BDEW schreibt. Wie groß dieser Anteil im nächsten Jahr im Durchschnitt sein wird, wird in den nächsten Wochen klarer. Dann veröffentlichen viele Grundversorger ihre neuen Preise.
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