Russlands Präsident Wladimir Putin selbst ist in Europa seit Kriegsbeginn nicht mehr gern gesehen. Etwas anders sieht es beim Exportschlager Flüssigerdgas aus.

Russlands Präsident Wladimir Putin selbst ist in Europa seit Kriegsbeginn nicht mehr gern gesehen. Etwas anders sieht es beim Exportschlager Flüssigerdgas aus.

Bild: © Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP

Länder in der Europäischen Union haben in den ersten sieben Monaten dieses Jahres nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation Global Witness deutlich mehr Flüssigerdgas, kurz LNG, von Russland gekauft als vor Kriegsbeginn. Als Vergleichszeitraum wurden die ersten sieben Monate 2021 herangezogen. Die Zahlen beruhen auf Schiffsdaten des Dienstleisters Kpler.

Demnach gingen 22 Millionen Kubikmeter LNG ins Unionsgebiet. Das waren 40 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum, als 15 Millionen Kubikmeter nach Europa verschifft wurden. Nach Global-Witness-Schätzungen dürften 2023 5,3 Milliarden Euro nach Russland geflossen sein.

Russen-Flüssiggas: Spanien und Belgien Zweiter und Dritter

Bemerkenswert ist dabei auch, in welchen Ländern besonders viel russisches Flüssigerdgas gekauft wurde. Global Witness gab der ZfK auf Nachfrage Einblick in die Zahlen.

Unter den fünf größten Abnehmerländern befinden sich drei Europäer. Auf Platz zwei landet Spanien mit einem Anteil am weltweiten russischen LNG-Volumen von 18 Prozent. Auf Rang drei folgt Belgien (17 Prozent). Fünfter ist Frankreich (elf Prozent).

Frankreichs Importe rückläufig

Brisant dabei: In Spanien verdoppelten sich die gekauften russischen Flüssigerdgasmengen im Vergleich zu 2021. In Belgien gingen sie sogar um 158 Prozent nach oben.

Frankreich gehörte dagegen schon vor Kriegsbeginn zu den Hauptabnehmern russischen Flüssigerdgases. Hier sanken die Mengen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021 um 13 Prozent.

China Spitzenreiter

Das meiste russische LNG nahm in den ersten sieben Monaten dieses Jahres China ab. Die Volksrepublik steigerte ihre Importe um 71 Prozent.

Auf Rang vier rutschte dagegen Japan ab, das in den ersten sieben Monaten 2021 noch die Liste angeführt hatte. Die eingeführten LNG-Mengen gingen hier seitdem um fast ein Viertel zurück.

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Russen-LNG: Türkei wird Großabnehmer

Den stärksten prozentualen Satz nach oben machte der Stadtstaat Singapur, dessen Importe um 163 Prozent nach oben kletterten. Kräftig legten auch Griechenland und die Türkei zu. 2021 tauchte keines der beiden Länder in der Top-19-Abnehmerliste auf. Zwei Jahre später belegte Griechenland Platz neun. Die Türkei schaffte es sogar auf Rang sieben.

Deutlich brachen die russischen LNG-Exporte nach Schweden (minus 59 Prozent), in die Niederlande (minus 66 Prozent) und nach Taiwan (minus 76 Prozent) ein. Im Vergleich zu den ersten sieben Monaten tauchen Großbritannien und Litauen gar nicht mehr auf.

Großbritannien verbietet Russen-LNG

Litauen hatte bereits im Frühjahr 2022 bekanntgegeben, sich komplett von russischem Erdgas zu lösen. In Großbritannien ist seit 5. Dezember 2022 die Einfuhr russischer Gasmengen verboten.

Deutschland wird übrigens in der 2023er-Liste nicht geführt. Nach Angaben der Unternehmensberatung Ganexo wurden Anfang des Jahres insgesamt zwei LNG-Lieferungen aus Russland an deutschen Terminals registriert. Vor zwei Jahren wiederum hatte die Bundesrepublik keine eigenen LNG-Terminals. (aba)

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