Von Andreas Baumer
Donald Trump war eines der Hauptthemen am ersten Tag des Handelsblatt-Energiegipfels. Schließlich hatte der neue US-Präsident tags zuvor nicht nur den erneuten Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen formell eingeleitet, sondern auch den Bau neuer Offshore-Windparks per Dekret verboten – zwei Schritte, die in weiten Teilen des Energiewendelands Deutschland nicht gut ankamen.
Allerdings waren nicht nur negative Töne zu hören. Michael Lewis, Chef des größten deutschen Gasimporteurs Uniper, begrüßte beispielsweise, dass der neue Mann im Weißen Haus mehr Erdgas fördern will. "Das bedeutet mehr Entlastung auf dem Weltmarkt", sagte er. "Wir stehen bereit, weiteres Gas aus den USA zu kaufen." Das werde die Gaspreise reduzieren.
US-Gasexporte nach Deutschland
Tatsächlich unterzeichnete Trump am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit ein Dekret, das den Export von Flüssigerdgas aus den USA ankurbeln soll. Das Vorhaben ist Teil der sogenannten Drill-Baby-Drill-Energiepolitik des Republikaners, die auf verstärkte Produktion von Öl und Gas zielt.
Offen ist, wie stark dadurch die US-amerikanischen Gas- und Ölmengen steigen. Schon jetzt fördern die USA historisch viel Öl und Erdgas. 2023 wurden sogar neue Rekorde aufgestellt. Sinken die Preise zu stark, könnten US-Förderprojekte früher unwirtschaftlich werden als die der arabischen Konkurrenz.
Die US-Gasexporte nach Europa waren vor allem infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine gestiegen. Beispiel Deutschland: Die Bundesrepublik bezog noch vor dem Kriegsausbruch rund die Hälfte seines Erdgases aus Russland. Inzwischen kommt ein großer Teil des importierten Gases über LNG-Schiffe aus den USA.
Laut Auswertung der Deutschen Umwelthilfe stammten im vergangenen Jahr 86 Prozent der LNG-Importe, die in deutschen Terminals anlandeten, aus den Vereinigten Staaten. Nach Angaben des Analysehauses Ganexo waren die USA im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 41 Prozent an allen LNG-Lieferungen auch größter Flüssigerdgaslieferant Europas.
Weit vor Trumps Wiederwahl sicherten sich bereits große deutsche Gasimporteure über Langfristverträge Flüssigerdgas aus den USA. Zu nennen sind neben Uniper auch EnBW, Sefe und RWE.
Unumstritten ist die wachsende Bedeutung der USA auf Deutschlands Gasmarkt nicht. Kritik kommt zum einen von Umweltschützern. US-Gas sei "ganz überwiegend Fracking-Gas und damit besonders klima- und umweltschädlich", monierte die Deutsche Umwelthilfe.
Zum anderen sehen Marktbeobachter geopolitische Risiken. Dieses Argument führte am Dienstag auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) an. Deutschland sei bei Gas zu 96 Prozent von Importen abhängig, sagte er. "Das ist eine politische Abhängigkeit." In einer freundlich gesinnten Welt sei das kein Thema. "Aber in einer Welt, in der wir damit rechnen müssen, dass Lieferketten, Energieabhängigkeiten oder Handelsbeziehungen machtpolitisch ausgenutzt werden, ist eine einseitige Abhängigkeit immer ein Problem."
Gasspeicher leeren sich
Am Dienstag zeigten sich Gashändler von den ersten Handlungen des US-Präsidenten übrigens recht unbeeindruckt. Im Gegenteil legten die Gaspreise am wichtigsten europäischen Handelspunkt, dem TTF, im Vergleich zum Vortag sogar zu. Schlossen sie am Montagabend bei knapp unter 48 Euro pro Megawattstunde (MWh), lagen sie am späten Dienstagnachmittag bei fast 50 Euro. Betrachtet wurde der Liefermonat Februar.
Der Branchendienst Montel begründete dies unter anderem mit einem knapperen Angebot auf dem Markt. Das macht sich immer mehr auch in Deutschlands Gasspeichern bemerkbar. Acht Tage hintereinander wurde netto mehr als ein Prozentpunkt ausgespeichert. Zuletzt waren die Speicher im Durchschnitt noch zu 63 Prozent gefüllt.
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