Die Europäische Union hat im Jahr 2023 eine Rekordmenge von 16,2 GW an neuer Windenergiekapazität installiert. 79 Prozent davon entfielen auf Onshore-Windkraftanlagen. Und mehr als 1 GW stammte aus dem Repowering von alten Anlagen, wie der europäische Branchenverband Windeurope mitteilt.
Deutschland hat demnach die meisten neuen Kapazitäten installiert, gefolgt von den Niederlanden und Schweden. Dänemark hatte mit 56 Prozent den größten Anteil an Windenergie in seinem Strommix. Sieben weitere Länder bezogen mehr als ein Viertel ihres Stroms aus Windkraft – Deutschland sogar 31 Prozent. Die gesamte Stromerzeugung aus Windkraft in der EU betrug 466 TWh, gegenüber 412 TWh im Jahr 2022.
Anteil von Offshore nimmt zu
WindEurope geht davon aus, dass die EU im Zeitraum 2024-30 durchschnittlich 29 GW Windkraft pro Jahr installieren wird. Damit wird die installierte Kapazität im Jahr 2030 in der EU insgesamt 393 GW betragen. Nötig wären aber 425 GW, um die europäischen Klima- und Energieziele zu erreichen.
Im Zeitraum 2024-2030 werden dabei weiterhin zwei Drittel der neuen Anlagen an Land installiert. Die Offshore-Windkraftanlagen sollen jedoch gegen Ende des Jahrzehnts rasch zunehmen. Im Jahr 2030 sollen fast genau so viele neue Offshore-Anlagen installiert werden wie neue Onshore-Anlagen.
Deutlich mehr Genehmigungen
Die Bedingungen für den Ausbau haben sich teilweise verbessert: So hat Europa im Jahr 2023 deutlich mehr Genehmigungen für neue Onshore-Windparks erteilt als in den Vorjahren. Dies sei größtenteils auf die neuen EU-Vorschriften für die Genehmigung erneuerbarer Energien zurückzuführen, erklärt WindEurope. Gemeint ist die EU-Notfallverordnung, die den Ausbau von Windkraft vereinfacht hat.
Deutschland und Spanien gingen voran und genehmigten 70 Prozent mehr Onshore-Windkraftanlagen als 2022 ‒ in Deutschland waren es sogar 7,5 GW. Frankreich, Griechenland, Belgien und das Vereinigte Königreich verzeichneten ebenfalls höhere Genehmigungszahlen.
6 GW warten auf Anschluss
Der Branchenverband WindEurope warnt aber auch: Um die jährlichen Windkraftanlagen in der EU von 16 GW im letzten Jahr auf durchschnittlich 29 GW pro Jahr bis 2030 zu steigern, müsse Europa dringend den Ausbau neuer und optimierter Stromnetze beschleunigen. Denn Warteschlangen beim Netzanschluss verzögern den rechtzeitigen Anschluss neuer Windparks. So warten derzeit Hunderte von GW an neuen Windparks auf ihren Netzanschluss.
In Deutschland sind laut Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bis zu 6 GW Offshore-Windkapazität von Verzögerungen beim Netzanschluss betroffen. Die genannten Windparks sollen mit einer Verzögerung von bis zu zwei Jahren ans Netz gehen. Daneben könnten auch Häfen und andere Verkehrsinfrastrukturen zum Engpass werden. (jk)
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