Ab 1. Januar 2026 sind die Stadtwerke im mittelfränkischen Feuchtwangen (40 Mitarbeiter, fünf Azubis, 22 Millionen Euro Umsatz) kein städtischer Eigenbetrieb mehr, sondern ein eigenständiges Kommunalunternehmen. Personelle Veränderungen gibt es deswegen keine. Die beiden bisherigen Werkleiter Thomas Stöhr (Kaufmännische Leitung) und Lothar Beckler (Technische Leitung) tragen künftig die Bezeichnung Vorstände. Und den bisherigen Werksausschuss ersetzt ein Verwaltungsrat.
Finanziell entkoppelt
Feuchtwangen soll im Bereich Strom bis 2030 dekarbonisiert sein, im Bereich Wärme bis 2035. Geht es bei der Neuaufstellung also darum, die Energie- und Wärmewende schneller voranzubringen? "Schon als städtischer Eigenbetrieb waren wir recht schnell in unseren Entscheidungen", antwortet Lothar Beckler. Der Photovoltaik-Zubau zum Beispiel sei bereits abgeschlossen.
Vielleicht lasse sich das Tempo als Kommunalunternehmen noch etwas mehr anziehen, vor allem aber spielen haushalterische Motive eine Rolle. "Wir haben stetig wachsende Investments. Im Bereich Erzeugungsanlagen erneuerbare Energien belaufen sie sich auf 30 Millionen Euro – für PV, Wind, Batterispeicher und Wasserstoff. Das sind wohlgemerkt nur die aktuellen Investitionen.
Bis 2035 plant man nur im Bereich Wärme Investitionen von weiteren gut zwölf Millionen Euro. Im Bereich Erzeugungsanlagen erneuerbare Energien sind es bisher in Summe schon 30 Millionen Euro gewesen – für PV, Wind, Batterispeicher und Wasserstoff. Im Bereich Wärme planen die Stadtwerke bis 2035 Investitionen von weiteren gut zwölf Millionen Euro. "Die finanzielle Entkoppelung von der Stadt ist bei diesen Rahmenbedingungen wirtschaftlich einfach der bessere Weg. Wir können so im Bereich Investments flexibler agieren."
Gemeinsame Biogasmethanisierung
Zuständig für den Bereich erneuerbare Energien und Speicherung ist die 100-prozentige Stadtwerke-Tochter Nahkraft. Sie hat bereits 24 Megawatt PV-Anlagen ans Netz angeschlossen, mehr ist nicht geplant. Im Bereich Windkraft befinden sich die 21 Windenergieanlagen an den drei Standorten Dengert, Untere Haid und Feuchtwangen-Nord in der Genehmigung. Kostenpunkt: 160 Millionen Euro mit unterschiedlichen Beteiligungen und neuen Gesellschaften.
Der im Sommer in Betrieb gegangene Batteriespeicher soll erweitert werden. Die Dekarbonisierung des Strombereichs ist schon weit vorangeschritten, im Bereich Wärme liegt noch viel mehr Wegstrecke vor Nahkraft und den Stadtwerken. Nach derzeitiger Planung wird es kein neues Nahwärmenetz geben, stattdessen behält Feuchtwangen das alte, 55 Kilometer lange Gasnetz, durch welches in Zukunft nicht mehr fossiles Erdgas, sondern grünes Gas transportiert wird.

Für ein Wärmenetz wäre die Abnahmedichte einfach zu gering gewesen. Das Gasnetz ist in Verbindung mit grünem Gas die kostengünstigste Lösung.
Lothar Beckler
Technischer Leiter und ab Januar einer von zwei Vorständen bei den Stadtwerken Feuchtwangen.
"Das Gasnetz ist mit die beste Infrastruktur der Stadtwerke und aus heutiger Sicht in Verbindung mit grünem Gas die kostengünstigste Lösung für die Dekarbonisierung in Feuchtwangen", erklärt Beckler. "Wir sind die größte Flächenkommune im Landkreis Ansbach und haben insgesamt 89 Ortsteile. Für ein Wärmenetz wäre die Abnahmedichte einfach zu gering gewesen. Wir hätten viele Kilometer Leitungen für viel Geld gebaut. Und hätten am Ende dann ja auch noch dekarbonisieren müssen."
Im Zuge der Grüngas-Pläne führen die Stadtwerke gerade Gespräche mit den Biogasanlagenbetreibern und Landwirten vor Ort. Es geht um die Bündelung aller bestehenden und künftigen Biogasanlagen und den Bau einer großen Gemeinschaftsanlage zur Biogasmethanisierung, die für das Einspeisen ins Gasnetz nötig ist.
Die Landwirte könnten im Rahmen einer Genossenschaft beteiligt werden und Substrat liefern. Sie schauen sich momentan sowieso nach künftigen Ertragsmodellen um und sind interessiert einzusteigen, so Beckler zum Stand der Gespräche. Die Biogasanlagenbetreiber können sich mit dem Biomethan-Konzept auch anfreunden. "Die Förderungen laufen aus, Biogas rentiert sich stromgeführt nicht mehr, auch mit Überbauungen nicht. Das Gas muss ins Netz. Dieser gesicherte lokale Absatz ist besser."
Geschäftsmodell Schwerlastmobilität
Wasserstoff bezeichnet Beckler als "Risikoinvest", das Thema wurde noch einmal separat ausgelagert in die Gesellschaft H2 Hub Nahkraft. Gerade ist ein Elektrolyseur im Genehmigungsprozess, der ab 2027 Wasserstoff produzieren soll. Die Stadtwerke starten mit gesichertem Absatz, allerdings erst einmal über Trailer. Zukünftig setzen sie auf das Geschäftsmodell Schwerlastmobilität mit kurzen Lieferstrecken und ohne Trailer.
"Unser künftiger Abnehmer ist ganz in der Nähe, am Autobahnkreuz A6/A7. Die Leitung dorthin ist weitgehend fertig, die Abnahme des Wasserstoffs garantiert." Das bestehende Hackschnitzel-Heizkraftwerk wird auch Teil der Feuchtwangener Wärmewende; weiterhin als Insellösung. "Hier müssen wir darauf achten, wie viel Nachwuchs wir in den Wäldern der Region haben und wie sich die Preise weiterentwickeln. Hackschnitzel sind sehr teuer geworden."


