Zahlreiche Initiativen wollen Stadtwerke dabei unterstützen, mit Geldern privater Investoren für eine befristete Zeit ihr Eigenkapital zu stärken, um den Finanzierungs- und Investitionsbuckel durch die Energiewende vor Ort in den nächsten 15 bis 20 Jahren zu überbrücken. Teilweise müssen kommunale Unternehmen das Drei- bis Vierfache der üblichen jährlichen Investitionssummen aufbringen, nennenswerte Rückflüsse aus den Investments sind aber erst in zehn Jahren oder später zu erwarten.
Kapitalgeber ist ein namhafter Versicherer
Während etwa die Plattform "eKommunity" Stadtwerken und anderen kommunalen Unternehmen vor allem echtes Eigenkapital zur Verfügung stellen will, setzen andere Initiativen vor allem auf eigenkapitalersetzendes Mezzaninekapital (eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital). So auch der "Energiewende-Pro-Fonds", den die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) auf den Markt gebracht hat.
Kapitalgeber beim Nord/LB-Fonds ist laut ZFK-Informationen ein namhafter deutscher Versicherer. "Der Fonds wird so ausgestaltet sein, dass bis zu 25 Millionen Euro von Stadtwerken als Tranchen gezogen werden können", sagt Tim Junghans, Leiter Firmenkunden Energiewirtschaft bei der Nord/LB, der eng in die Entwicklung miteingebunden war und ist.
Finanzierungsinstrument für kleinere Stadtwerke
Die Struktur des neuen Nord/LB-Fonds sei unmittelbar aus den Forderungen zu einem Energiewendefonds abgeleitet, so Junghans. Hier gehe es insbesondere darum, auch kleineren Versorgern einen Zugang zu nachrangigen Investorengeldern zu bieten, die üblicherweise keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben.
Die erste Tranche betrage 150 Millionen Euro. Geplant sind in Abhängigkeit von der Nachfrage mehrere, rollierende Tranchen, es gebe bereits eine kleine Warteliste. Die Ausgestaltung sei sehr flexibel und ermögliche sowohl Finanzierungen auf Ebene des Stadtwerkekonzerns als auch auf Ebene von Tochter- oder Objektgesellschaften, die für eine Vorhabensfinanzierung genutzt werden. Reine Projektfinanzierungen sind jedoch ausgeschlossen, sagt Junghans. Vertrieben wird das Angebot von der Nord/LB.
Die Laufzeit soll bei 15 Jahren liegen, je nach Bedarf aber auch kürzer oder höher liegen können. "Fondsbedingt wird es eine einheitliche Endfälligkeit nach 15 Jahren geben. Sodass die tatsächliche Laufzeit von der Bereitstellung der Mittel abhängig ist", präzisiert Junghans.
Wie bei fast allen der ZFK bekannten Modellen zur Eigenkapitalstärkung via private Investoren stehen auch bei der Nord/LB Nachrangkapital oder sogenannte Nachrangdarlehen im Mittelpunkt. Diese werden im Falle einer Insolvenz erst nachrangig nach gewissen anderen Gläubigern bedient und beinhalten für den Kapitalgeber ein höheres Risiko als beispielsweise Fremdkapital in Form eines gewöhnlichen Darlehens. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau und viele in der Branche sehen Nachrangdarlehen, aber auch Genussrechte als sehr effektive Instrumente zur Eigenkapitalfinanzierung von Stadtwerken.
"Nachrangkapital ist eine Zwischenstufe zwischen Eigen- und Fremdkapital, mit der viele Stadtwerke noch nicht so vertraut sind", erklärt Junghans. Es handle sich im handelsrechtlichen Sinne nicht um Eigenkapital. Wenn bestimmte Kriterien erfüllt seien, werde Nachrangkapital aber von Banken und Versicherungen als wirtschaftliches Eigenkapital eingestuft.
Die Renditeerwartungen liegen laut Junghans je nach Asset und Projekt in einem für Stadtwerke tragbaren Bereich, als Hausnummer nennt er eine Bandbreite von fünf bis 7,5 Prozent. Die tatsächlichen Konditionen hängen dabei auch von der Bewertung der Bonität ab. Themen wie Governance und Mitwirkung/Mitsprache des Investors seien auf die Andienungsphase begrenzt.
"Nicht in Konkurrenz zu anderen Initiativen"
"Aus der Zurverfügungstellung von Kapital aus dem Fonds entstehen keine Mitwirkungs- und Kontrollrechte an kommunalen Gremien durch den Investor oder die Fondsgesellschaft", stellt Junghans klar.
Die Nord/LB-Initiative sieht er dabei nicht als Konkurrenz zu anderen Finanzierungsvorhaben in der Branche, etwa von LBBW, "eKommunity" oder Finance Connect. "Die Finanzierungsherausforderung der Kommunalwirtschaft ist so groß, dass es eine Vielzahl solcher Angebote braucht, die sich ergänzen", sagt Junghans. Hier sehe sich die Finanzwirtschaft verpflichtet, einen entsprechenden Beitrag mit passgenauen Finanzierungsinstrumentenzu leisten.
"Aber auch die Stadtwerke müssen sich bewegen. Um den Herausforderungen bei der Finanzierung der Energiewende zu begegnen, braucht es eine angepasste, langfristig ausgerichtete Finanzierungsplanung sowie einen höheren Fokus auf die Strukturierung unter Nutzung auch neuer Finanzierungslösungen", konstatiert Junghans.



