Andreas Stern leitet das E-Werk Stern in der vierten Generation. Das Bild zeigt ihn mit Carolin Buchauer und ihrem Vater Rupert Buchauer.

Andreas Stern leitet das E-Werk Stern in der vierten Generation. Das Bild zeigt ihn mit Carolin Buchauer und ihrem Vater Rupert Buchauer.

Bild: © Sternstrom

800 bis 900 Verteilnetzbetreiber gibt es in Deutschland, aber es werden immer weniger. Viele sehr kleine Unternehmen gaben in den letzten Jahren auf. Oft ist es dann so, dass ihr Netzgebiet von einem größeren Nachbarn übernommen wird, so wie zuletzt in Thüringen. Zum 31. Dezember 2025 war das Strom- und Gasnetz der Energiewerke Zeulenroda an die Teag-Tochter Thüringer Energienetze gegangen. Manchmal wachsen aber auch zwei kleine Netzgebiete zusammen, so ist es jetzt in Oberbayern geschehen.

Seit 1904 hatte das E-Werk Buchauer aus Frasdorf Strom geliefert. Nach 121 Jahren war Schluss: Zum 1. Januar 2026 übernahm das Elektrizitätswerk Stern im nahegelegenen Bad Endorf den Frasdorfer Netzbetrieb. Auch Stern ist ein traditionsreiches Familienunternehmen: Johann Stern hatte in Bad Endorf 1910 ein Sägewerk mit Wasserkraft gekauft und ein Elektrizitätswerk gegründet. Seit 1997 lenkt sein Urenkel Andreas Stern die Geschicke des Unternehmens mit heute einem guten Dutzend Mitarbeitern in 4. Generation.

Aufwendiges Prozedere

Die Übergabe am Jahresbeginn verlief nahezu reibungslos, so Stern. Auch weil Carolin Buchauer vom E-Werk Buchauer nun bei Stern im Bereich Netz & Vertrieb arbeitet. "Mit ihrem Wissen hat sie die ganze organisatorische Integration der Frasdorfer Kunden maßgeblich unterstützt." Bei den ganzen administratorischen und regulatorischen Tätigkeiten im Hintergrund – Marktkommunikation mit anderen Stromhändlern, Bilanzierung der Strommengen, Übergabe der Messungen an den Trafostationen – sei viel Vorbereitung, Prüfung und manuelle Ergänzung notwendig gewesen. Sorgfalt brauchte auch die Übertragung der Kundendaten samt Informationen zu Zählern, Lastgängen, Verbrauchsdaten, Messschemen, Lastprofilen. "Es möchte ja kein Kunde den Stromverbrauch des Nachbarn zahlen, weil irgendwo eine Verknüpfung nicht richtig übernommen wurde."

Sterns Netzgebiet – bislang 78 Trafostationen mit rund 5500 Zählpunkten und rund 5000 Kunden – ist nun um 550 Zähler und gut 800 Kunden angewachsen. Ganz vollendet ist die Fusion noch nicht. Das Frasdorfer Netz, geografisch getrennt vom Bad Endorfer, ist als reines Niederspannungsnetz betrieben worden. Die vier Trafostationen in Frasdorf gehören Bayernwerk. "Wir planen, sie von Bayernwerk zu kaufen und langfristig durch eine neue eigene 20-kV-Ringleitung zusammenzuschließen." Das müsse aber noch abgestimmt werden.

Kontinuierlich investieren

Grundsätzlich sieht sich Stern für den "von der zunehmenden Solareinspeisung an sonnenreichen Tagen getriebenen" Netzausbau gut aufgestellt. Das ehemals fast reine Freileitungsnetz ist in seiner Amtszeit in ein reines Erdkabelnetz umgebaut und dadurch leistungsmäßig verstärkt worden, sodass aktuell nur ganz wenige und sehr kleine Gebiete nahe an der Kapazitätsgrenze sind. Und die werden auch zügig ausgebaut. "Den ganzen Umbau in den letzten 27 Jahren haben wir zu 100 Prozent mit unserer eigenen Kabel- und Tiefbautruppe erledigt", betont Stern. Kontinuierlich investieren – darin sieht er das beste Mittel gegen Versorgungsengpässe.

Ein limitierender Faktor sei die Zuleitung zum Stern-Netz seitens vorgelagerter Netzbetreiber. "Laut Bayernwerk können wir zwar bis zu 10 Megawatt beziehen, aber nur 3,5 Megawatt ausspeisen." Hier zeichne sich aber eine stabile Lösung ab. Richtung Höslwang, nördlich von Bad Endorf, soll ein neues 110/20-kV-Umspannwerk errichtet werden. "So wie es jetzt aussieht, können wir mit unserem bestehenden Netz und der dann neuen Anbindung eine Verdreifachung der Leistung gut bewältigen –was die Zunahme bei E-Mobilität und Wärmepumpen angeht, aber auch bei der Ausspeisung."

Skaleneffekte begrenzt

Die neuen Frasdorfer Kunden sind froh, auch weiterhin bei einem "sehr kleinen und persönlichen Versorger" zu sein, betont Stern. "Wir sind sehr nah und vor allem persönlich am Kunden, der schnell und unkompliziert sein Anliegen vorbringen kann. Unsere Monteure sind am Ort und haben im Störungsfall sehr kurze Einsatzwege und -zeiten." Durch kleine Verteilnetzbetreiber entstünden auch Arbeitsplätze vor Ort und Gewerbesteuern würden vor Ort bezahlt. Der Draht zu öffentlichen Entscheidungsträgern sei direkt. Auch in der 5. Generation soll der Betrieb in Familienhand bleiben, dennoch blickt Stern nicht ohne Sorge in die Zukunft. Die wirtschaftliche Position des Unternehmens verbessere sich durch die Vergrößerung des Netzgebietes "nicht maßgeblich". Knapp zehn Prozent mehr Kunden in Netz und Vertrieb senken die Durchschnittskosten leicht und erhöhen die Roherträge etwas. Die Skaleneffekte sind begrenzt.

Ein Grundproblem sieht Stern in den immer neuen, "oft sinnlosen", bürokratischen Vorgaben, die kleinere Betriebe finanziell stärker belasten als größere. Letztlich habe die Regulierung das E-Werk Buchauer zum Aufgeben gebracht. Stern sieht im 24-Stunden-Lieferantenwechsel ein Paradebeispiel dafür, was schief läuft. Vor Kurzem wollte ein Kunde aus der Grundversorgung zu ihm wechseln, aber der Grundversorger sagte: Nein, dieser Kunde hat noch vier Wochen Vertragslaufzeit – vorher kann er nicht wechseln! 

Kostenexplosion

Die Regulierungswut müsse gebremst werden, zumal sie auch die Softwarekosten explodieren lasse. "Diese sind bei uns in den letzten vier Jahren um sage und schreibe 2500 Prozent gestiegen, also Faktor 25." So etwas werde über die Netzentgelte an die Kunden weitergegeben. Denen nutzt die Regulierung also auch nichts, im Gegenteil. Stern hat keine eigene Rechtsabteilung, die sich um die ständig wechselnde Gesetzeslage kümmert. Und Lobbyarbeit können kleine Netzbetreiber auch kaum leisten. "Auf der politischen Ebene sind wir sehr leise."

Stern fragt sich, wie kleine Verteilnetzbetreiber auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben sollen. "Die Regulierung ist der Hauptknackpunkt für unser Weiterbestehen." Zwar ist sein Unternehmen in der Einkaufsgemeinschaft Energieversorgungsunternehmen, aber eine Handvoll Betriebe innerhalb der Gemeinschaft hätten schon aufgegeben. Auch solche Kooperationen seien kein Garant, bei der überbordenden Regulatorik wirtschaftlich zu überleben. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es uns in zehn Jahren noch gibt."

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