Die förderfreie Direktvermarktungswelt ist wieder ein ganzes Stück größer geworden. Wie Zahlen der deutschen Übertragungsnetzbetreiber zeigen, befanden sich zu Jahresbeginn Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 21,1 Gigawatt (GW) in diesem Segment. Das ist ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Auch mit Blick auf die gesamte Direktvermarktungsmenge ist der förderfreie Anteil gestiegen. Nicht geförderte Kapazitäten machten ein Fünftel des Gesamtportfolios aus. Im Vorjahreszeitraum lag der Anteil bei 16 Prozent.
Interesse an Kurzfrist-PPAs rückläufig
Generell handelt es sich bei förderfreien Kapazitäten um Anlagen, die entweder nach 20 Jahren aus dem EEG-Förderzeitraum gefallen sind oder marktgetrieben die förderfreie Vermarktung gewählt haben. Hohe Marktpreise und regulatorische Freiheiten hatten dies insbesondere in der Energiekrise attraktiv gemacht.
Marktteilnehmer berichteten jedoch, dass das Interesse an Kurzfrist-PPAs mit fallenden Stromgroßhandelspreisen wieder abgenommen habe. "Wenn der Unterschied zum Spotmarkt nur noch zwei bis drei Euro pro Megawattstunde beträgt, dürften die meisten Betreiber lieber Erlöse aus dem Spotmarkt mitnehmen und auf einen Preissprung an der Börse spekulieren", sagte etwa Statkraft-Direktvermarktungsexperte Marc Kohlenbach im ZfK-Interview. "Aus meiner Sicht ist die große Kurzfrist-PPA-Welle fürs Erste wieder vorbei."
Vor allem Wind an Land in förderfreier Direktvermarktung
Vor allem Windkraftanlagen an Land befinden sich in der sonstigen Direktvermarktung. Mit 13,3 GW machen sie mehr als die Hälfte aus (Vorjahr: 10,2 GW).
Auf Platz zwei bleibt die Solarenergie mit nun 5,9 GW (Vorjahr: 3,9 GW). Kaum Bewegung gab es bei der Biomasse (jeweils 0,6 GW).
Engie vor Quadra und Gewi
Die ZfK fragte in ihrer Direktvermarktungsumfrage erstmals ab, wie hoch die von ihnen vermarkteten Mengen in der sonstigen oder förderfreien Direktvermarktung gewesen seien. 32 Unternehmen meldeten ein Portfolio, das mindestens 8 und in der Spitze 2320 Megawatt (MW) umfasste. Zwei Teilnehmer gaben an, derzeit keine förderfreien Anlagen zu vermarkten. Der Rest – darunter große Player wie Danske Commodities, Trianel oder Energy2Markets – machte keine Angaben.
Den ersten Platz im ZfK-Ranking "Sonstige Direktvermarktung" belegte Engie mit besagten 2320 MW. Dahinter reihten sich der Düsseldorfer Händler Quadra Energy (bis zu 1850 MW abhängig vom Marktpreis) und die Getec-Handelstochter Gewi (1600 MW) ein. Größter Anbieter mit kommunalem Hintergrund war demnach der norddeutsche Direktvermarkter ANE Energy (550 MW), der inzwischen mehrheitlich den Hamburger Energiewerken gehört.
Quantum: Drei Viertel in sonstiger Direktvermarktung
Bemerkenswert auch: Der kommunale Energiehändler Quantum gab an, dass sich mit 106 MW mehr als drei Viertel seines Portfolios in der sonstigen Direktvermarktung befanden. Damit war er einer von lediglich drei Direktvermarktern, der mehr Kapazität in der sonstigen Direktvermarktung aufwies hat als in der klassischen.
Die beiden anderen Unternehmen waren Marktführer Engie und der Stuttgarter Direktvermarkter Evita. Letzterer schrieb, dass es ein hohes Interesse von Anlagenbetreibern mit Neuanlagen und Post-EEG-Anlagen gegeben habe. Der Trend gehe zu kurzfristigen PPAs.
Post-EEG: Quadra ganz vorn
Die ZfK fragte gesondert ab, wie viele Post-EEG-Anlagen die Marktteilnehmer im Portfolio hätten. Die Teilnahme fiel hier deutlich geringer aus. Viele Anbieter antworteten, dass sie dieses Segment nicht extra ausweisen würden. Sie verwiesen auf den Bereich "Sonstige Direktvermarktung".
Unter den Teilnehmern landete Quadra mit einem Portfolio von 1100 MW ganz vorn. Das Unternehmen entwickelte bereits 2019 zusammen mit dem Windanlagenhersteller Enercon ein spezielles Produkt für Post-EEG-Anlagen. Platz zwei belegte Gewi (800 MW). Der Düsseldorfer Händler Pureenergy kam mit 300 GW auf Rang drei. (aba)
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