Elf der unten gelisteten Direktvermarkter mit einem Portfolio von mindestens einem Gigawatt vergößerten im Vergleich zum Juli 2023 ihr Portfolio. Bei zehn wurde das Portfolio kleiner. Zwei Direktvermarkter meldeten gleichbleibende Portfolios.

Elf der unten gelisteten Direktvermarkter mit einem Portfolio von mindestens einem Gigawatt vergößerten im Vergleich zum Juli 2023 ihr Portfolio. Bei zehn wurde das Portfolio kleiner. Zwei Direktvermarkter meldeten gleichbleibende Portfolios.

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Es ist ganz eng geworden. Doch am Ende hat der baden-württembergische Energiekonzern EnBW im neuen ZfK-Direktvermarktungsranking (Gigawatt-Liste, ganz unten einsehbar) Platz eins mit 57 Megawatt (MW) Vorsprung knapp verteidigt. Dahinter sortierte sich Deutschlands größter Windkraftvermarkter Quadra Energy ein, der im Herbst vom französischen Ölriesen Total erworben wurde.

Dabei zeigten die Trends der beiden Branchenführer zuletzt in gegensätzliche Richtungen. Der EnBW-Konzern, der sein Portfolio im Energiekrisenjahr 2022 um beeindruckende 3000 MW vergrößerte und im Sommer 2023 noch einmal hinzugewann, büßte seitdem wieder 14 Prozent ein und kam bei insgesamt 9557 MW zum Stehen.

Quadra setzt Aufwärtstrend fort

"Wir sehen trotz der gefallenen Marktpreise weiterhin nicht unerhebliche Risiken in der Direktvermarktung und haben diese wie jedes Jahr in unserem Pricing berücksichtigt", kommentierte eine Sprecherin des EnBW-Handelsteams die Zahlen.

"Dass wir trotz des Portfolio-Rückgangs weiterhin de facto mit der größte Direktvermarkter geblieben sind, unterstreicht das Vertrauen unserer Kunden in uns."

Quadra weiter im Aufwind

Der Düsseldorfer Händler Quadra hingegen setzte seinen Aufwärtstrend unbeirrt fort. Von 8200 MW Anfang 2022 ging es ein Jahr später hinauf auf 8650 MW. Jetzt sind es 9500 MW.

Anders als bislang, wollte die ZfK diesmal in ihrer Umfrage wissen, wie das rein erneuerbare Direktvermarktungs-Portfolio der Unternehmen aussieht. Erdgasbasierte Kraft-Wärme-Kopplung sollte nicht mitgezählt werden.

Enercity-Portfolio bei mehr als 1200 MW

In der Folge rutschte der kommunale Direktvermarkter Sachsenenergie wieder deutlich unter die 1000-MW-Marke. Konkret fielen insbesondere die direkt vermarkteten Mengen aus den KWK-Anlagen Nossener Brücke und Reick weg. Das Portfolio betrug 603 MW.

Demgegenüber legte der kommunale Mitbewerber Enercity weiter zu. Nach eigenen Angaben wurden zu Beginn des neuen Jahres 1219 MW an erneuerbaren Energien direkt vermarktet – ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem 1. Juli vergangenen Jahres.

MVV-Portfolio bei 5700 MW

Der stärkste Schub unter den mehrheitlich kommunalen Direktvermarktern gelang aber der Mannheimer MVV. Die Handelstochter MVV Trading wuchs um satte 1300 MW auf nun insgesamt 5700 MW. Damit verkleinerte das Unternehmen den Abstand zu jedem der sechs höherplatzierten Mitbewerber. Man sei "sehr aktiv" gewesen, "mit einer guten Vertriebsmannschaft und optimierten Prozessen", hieß es auf ZfK-Nachfrage.

Prozentual gesehen, machten zwei Marktteilnehmer unter den großen Direktvermarktern die größten Sprünge, die weder kommunalen Hintergrund haben noch einem deutschen Großkonzern angehören. Der Düsseldorfer Händler Pureenergy steigerte sein Portfolio um 58 Prozent. (Mehr zur Pureenergy-Strategie lesen Sie hier.) Bei Inpower waren es sogar satte 104 Prozent.

Inpower noch 2021 insolvent

Der Mainzer Händler Inpower hatte noch im Jahr 2021 Insolvenz angemeldet und sich auf die Suche nach neuen Investoren begeben. Zeitweise galten danach auch Stadtwerke als Interessenten. Am Ende machte aber der Prager Händler Second Foundation das Rennen, der wiederum Teil der tschechischen Erneuerbaren-Investorengruppe BHM Group ist. (Die ZfK berichtete.)

Inpower verzichtete darauf, im Rahmen der ZfK-Umfrage die Hintergründe seiner Portfolio-Entwicklung zu erklären.

Statkraft gibt 1500 MW ab

Eine bemerkenswerte Veränderung gab es im Rennen um den dritten Platz. Hier schob sich der Kölner Händler Next Kraftwerke, der 2021 vom Ölkonzern Shell gekauft worden war, vor den in Düsseldorf sitzenden Mitbewerber Statkraft Markets. Nach eigenen Angaben lag das Next-Kraftwerke-Portfolio inklusive Power-to-Gas-Anlagen und Batterien bei 7904 MW. Im Juli hatte der Vermarkter noch ein Gesamt-Portfolio von 8017 MW angegeben.

Statkraft gab im Vergleich zum Juli 2023 noch einmal 1500 MW ab und begann dieses Jahr mit einem Portfolio von 7000 MW. Die Verluste stünden in Verbindung mit gestiegenen Vermarktungskosten, gab das Unternehmen an. (aba)

Mit diesem Artikel beginnt die ZfK eine kleine Winterserie zum Thema Direktvermarktung. In den nächsten Tagen erscheinen auf unseren Seiten eine aktualisierte, ausführliche Direktvermarktungsübersicht mit mehr als 40 Teilnehmern sowie detaillierte Analysen und Interviews mit ausgewählten Marktteilnehmern. Zudem sind Listen führender Direktvermarkter in Einzeltechnologien geplant.

Hinweis: Sie sind Direktvermarkter, sind nicht von der ZfK angeschrieben worden, wollen aber in die neue Liste aufgenommen werden? Dann wenden Sie sich gern an den ZfK-Redakteur Andreas Baumer (a-baumer(at)zfk(dot)de).

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