Die nächste Heizperiode naht und wie ist die Stimmung in der Kommunalbranche? Dem geht die ZfK in der neuen Printausgabe, die hier zu finden ist, sowie in einer Mini-Serie online nach.
Heute der dritte und letzte Teil: Der Kommunalversorger BEW, beheimatet in Wipperfürth, Nordrhein-Westfalen, gehörte im vergangenen Jahr zu den Kommunalversorgern, die besonders kreativ wurden, um ihre Kunden zum Energiesparen zu animieren. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Jens Langner über neue Sparappelle, neue Mitmach-Aktionen und neue Vertriebschancen beim Thema Energieeffizienz – über den nächsten Winter hinaus.
Herr Langner, noch ist es Sommer, aber die Heizsaison naht. Ist das Thema Energiesparen bei Ihren Kunden noch präsent?
In der öffentlichen Wahrnehmung spielt das Thema nicht mehr eine ganz so große Rolle wie vor einem Jahr, als die Energiekrise für große Unsicherheit gesorgt hat. Meines Erachtens sind wir aber noch nicht komplett über den Berg und daher halte ich es für wichtig, das Thema Energiesparen mit Blick auf den Winter wieder mehr in den Fokus zu rücken.
Weshalb ist Energiesparen so wichtig?
Es geht um drei wesentliche Aspekte. Beginnen wir mit der Versorgungssicherheit. Wir sind diesmal deutlich besser vorbereitet als im Vorjahr. Die Gasspeicher sind voll und die Gasflüsse stabil. Wir haben im August aber auch gesehen, wie schon kleinste negative Nachrichten über mögliche Angebotsverknappungen zu hohen Preisausschlägen führen können.
Sollte es zum Beispiel zu mehreren Kältewellen oder zu größeren Ausfällen in unserer Gasinfrastruktur kommen, könnten wir wieder in eine schwierige Versorgungslage geraten. Insgesamt bin ich optimistisch, dass wir gut durch den Winter kommen. Aber zu behaupten, dass wir komplett durch sind, wäre auch nicht richtig.
Der zweite Aspekt?
Wer sparsam mit Energie umgeht, schont seinen Geldbeutel. Zwar sind die Preise zuletzt wieder gefallen. Auch wir haben beispielsweise unsere Grundversorgungspreise zum 1. Juli gesenkt und bieten Strom- und Gasverträge unter der Preisbremse an.
Im Vergleich zur Vorkrisenzeit befinden wir uns in Deutschland aber noch immer auf einem hohen Preisniveau. Da lohnt sich Energiesparen auch finanziell umso mehr.
Fehlt die dritte Botschaft.
Energie- und Klimawende werden nur funktionieren, wenn wir Energie sparen. Jede gesparte Kilowattstunde hilft dabei, die Umwelt zu schonen und die gesteckten Klimaziele erreichbar zu machen.
Mit welchem dieser Appelle holen Sie Ihre Kunden diesmal am ehesten ab?
Wir dürfen uns nicht zu sehr auf das Thema Versorgungssicherheit fixieren. Dies kann sicherlich mit Blick auf den kommenden Winter noch wichtig werden. Insgesamt wäre mir das aber zu kurz gegriffen, weil Energiesparen und der effiziente Umgang mit Energie langfristig wichtig bleiben. Im Vergleich zum letzten Jahr werden daher die beiden anderen Aspekte stärker im Fokus stehen.
Im vergangenen Winter hat Ihr Unternehmen BEW nicht nur umfangreiche Energiespartipps gegeben, sondern auch Mitmach-Aktionen durchgeführt. Was war Ihre erfolgreichste Aktion?
Wir haben gemeinsam mit den Kommunen zum Basteln von Zugluftstoppern aufgerufen, damit die Wärme im Winter nicht durch den Türspalt nach draußen entweicht. Daraus haben wir eine Challenge gemacht. Wer die schönsten Zugluftstopper der Kommune bastelte, bekam regionale Einkaufsgutscheine.
Und das kam an?
Ja, das ist sehr gut angekommen. Es war toll zu sehen, mit welchem Engagement sich unsere Kunden beteiligt haben. Da gab es ganze Schulklassen, eine Flüchtlingsinitiative oder auch eine Familie, die von Oma bis Schulkind mitgebastelt hat. Das war eine wirklich schöne Aktion, die das Thema Energiesparen ein Stück weit anfassbarer gemacht hat.
Dann sind diesen Winter sicherlich neue Wettbewerbe dieser Art geplant.
Wir haben entschieden, bald wieder Mitmach-Aktionen anzubieten. Die Klimaschutzmanager und Kommunikationsexperten haben schon angefangen, neue Ideen zu entwickeln.
Wie wichtig ist es eigentlich für Kommunalunternehmen, beim Thema Energieeffizienz Flagge zu zeigen?
Wer im Wesentlichen regional unterwegs ist, der muss sich dort positionieren und dem Kunden in einer Welt, in der wir uns von fossilen Energieträgern verabschieden, Lösungen für sein Zuhause oder auch sein Unternehmen anbieten. Das ist auch betriebswirtschaftlich sinnvoll.
Denn die Absatzmärkte für fossiles Gas werden kleiner werden – und sie müssen kleiner werden, damit wir überhaupt die Chance haben, die Energiewende hinzubekommen. Das heißt auch: Wir müssen stärker über die Effekte von Haussanierungen und Umstellungsmöglichkeiten von Heizsystemen aufklären und auch im Vertrieb die Themen Energieeffizienz und Energielösungen noch mehr in den Vordergrund rücken.
Wie könnte das aussehen?
Ein Aspekt ist dabei sicherlich der Ausbau des eigenen Produkt- und Dienstleistungsportfolios. Es geht aber auch darum, die Aufmerksamkeit mehr auf die Energieeffizienz und den Klimaschutz zu lenken. Unter anderem deshalb sind wir eines der Gründungsmitglieder der Stadtwerke-Initiative Klimaschutz. Inzwischen haben wir unsere eigene Treibhausgasbilanz aufgestellt, die Klimaziele bis 2040 und die relevanten Handlungsfelder definiert. Jetzt geht es darum, immer konkreter zu werden und diesen Weg konsequent zu beschreiten.
Das heißt?
Beispielsweise steht bei unserem Treueprogramm Klik neben der Kundenbindung auch der Klimaschutz im Mittelpunkt. Wer besonders effizient beim Stromverbrauch ist, nimmt an der Klimaverlosung teil und kann attraktive Preise gewinnen. Und wer am Gas-Treueprogramm teilnimmt, unterstützt Nachhaltigkeitsprojekte wie unser unternehmenseigenes Wald- und Aufforstungsprojekt.
Das Interview führte Andreas Baumer
Die Mini-Serie zum Thema "Der Winter kommt: Und was denkt die Kommunalbranche?" hier im Überblick:
Teil 2: "Es bleiben Risiken": Gemischte Gefühle in Energiebranche vor nächstem Winter
Teil 3: "Wir dürfen uns bei Sparappellen nicht zu sehr auf das Thema Versorgungssicherheit fixieren"



