Stefan Powolny ist seit 2017 Geschäftsführer der Stadtwerke Ellwangen, einer 24.000-Einwohner-Kommune im Osten Baden-Württembergs.

Stefan Powolny ist seit 2017 Geschäftsführer der Stadtwerke Ellwangen, einer 24.000-Einwohner-Kommune im Osten Baden-Württembergs.

Bild: © Stadtwerke Ellwangen

Die nächste Heizperiode naht und wie ist die Stimmung in der Kommunalbranche? Dem geht die ZfK in der nächsten Printausgabe, die von Montag, 11. September, an hier zu finden ist, sowie in einer Mini-Serie online nach.

Teil eins: Die Stadtwerke in der baden-württembergischen Kleinstadt Ellwangen gehörten im vergangenen Jahr zu den Kommunalversorgern, die ihren Kunden auch finanzielle Anreize boten, um Gas zu sparen. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Stefan Powolny zu neuen Energiesparappellen, die richtige Kommunikationsstrategie und die Sinnhaftigkeit neuer Gassparprämien für den kommenden Winter.

Herr Powolny, wie präsent ist das Thema Gassparen noch bei Ihren Kunden?

Wir merken, dass das Thema im Vergleich zum vergangenen Herbst etwas verblasst ist. Die Preise sind wieder in den Vordergrund gerückt.

Dabei haben die Ellwanger beim Gassparen ja kräftig vorgelegt.

Tatsächlich ist der Gasabsatz 2022 im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent gesunken. Der warme Winter hat natürlich geholfen. Wir haben zudem unser Wellenbad abgekühlt und unsere Heizzentrale auf Öl umgestellt. Aber auch unsere Kunden haben kräftig gespart. Manche haben vergangenes Jahr so wenig für Gas gezahlt wie noch nie.

Jetzt naht der nächste Winter. Und erneut könnte die Lage kritisch werden, wenn die Temperaturen stark nach unten gehen. Wäre jetzt nicht die Zeit, um erneut auf Energieeinsparbemühungen einzustimmen?

Ich glaube, dass man die breite Bevölkerung nicht weiter alarmieren muss. Grundsätzlich sollten wir schon erwähnen, dass wir nicht über den Berg sind. Aber eine Alarmstimmung wie im vergangenen Jahr können wir nicht dauerhaft durchhalten. Ansonsten würden wir alle verrückt werden. Wenn man außerdem Szenarien ankündigt, die dann nicht eintreten, verliert man auch an Glaubwürdigkeit.

Was ist Ihre Strategie?

Wir wollen vorsichtig und achtsam bleiben. Wir werden in den nächsten Wochen über die Lokalpresse und soziale Medien noch einmal an die Wichtigkeit von Energieeinsparungen erinnern. Und kündigt sich tatsächlich ein Gasmangel an, dann können wir auch wieder in den Alarmmodus schalten. Das Gute ist ja, dass wir vorbereitet sind. Wir wissen, dass die Klinik und die Altenheime in unserer Stadt Heizöl als Reserve haben. Auch wir Stadtwerke können unseren Gasverbrauch etwa durch einen Brennstoffwechsel in unseren Heizkraftwerken rasch reduzieren. Unser Öltank ist voll.

Im vergangenen Jahr arbeiteten Sie nicht nur mit Appellen, sondern auch mit finanziellen Anreizen. Wer seinen Gasverbrauch im Vergleich zur vorherigen Heizperiode um zehn Prozent drückte, erhielt einen Sparbonus in Höhe von 100 Euro. Gilt das für den kommenden Winter wieder?

Das haben wir noch nicht entschieden. Die Besonderheit im vergangenen Jahr war ja, dass Gaseinsparungen auch für uns wirtschaftlich attraktiv waren. Wir hatten Gas frühzeitig zu günstigen Konditionen beschafft und konnten nicht genutzte Mengen zu deutlich höheren Preisen auf den Großhandelsmärkten weiterverkaufen. Einen Teil dieser Gewinne wollten wir an unsere Kunden zurückgeben.

Und das ist dieses Jahr anders?

Ja. Der Unterschied zwischen Ein- und Verkaufspreis ist nicht mehr so hoch, weshalb der wirtschaftliche Anreiz für uns als Unternehmen nicht mehr so stark ist. Deshalb ist auch der Spielraum für Kundenboni entsprechend kleiner.

Zum Jahreswechsel hat die Bundesregierung eine Preisbremse eingeführt, die so konzipiert wurde, dass sie ebenfalls Anreize zum Energiesparen setzt. Auch das dürfte helfen, oder?

Insgesamt muss man ja sagen, dass die Gaspreise im Vergleich zur Vorkrisenzeit deutlich gestiegen sind. Auch die Preise unserer Kunden haben sich teils verdoppelt, weil wir in Ellwangen von einem sehr niedrigen Niveau kamen. Es ist also für alle spürbar teurer geworden. Allein schon deswegen dürfte für unsere Kunden der Anreiz groß sein, diesen Winter Gas einzusparen.

Das Interview führte Andreas Baumer

Die Mini-Serie zum Thema "Der Winter kommt: Und was denkt die Kommunalbranche?" hier im Überblick:

Teil 1: Ellwanger Stadtwerkechef: "Eine Alarmstimmung wie letztes Jahr können wir nicht dauerhaft durchhalten"

Teil 2: "Es bleiben Risiken": Gemischte Gefühle in Energiebranche vor nächstem Winter

Teil 3: "Wir dürfen uns bei Sparappellen nicht zu sehr auf das Thema Versorgungssicherheit fixieren"

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