Die nächste Heizperiode naht und wie ist die Stimmung in der Kommunalbranche? Dem geht die ZfK in der neuen Printausgabe, die ab diesem Montag, 11. September, hier zu finden ist, sowie in einer Mini-Serie online nach. Für den zweiten Teil hat die ZfK bei mehreren Stadtwerken und Versorgern, die sich im vergangenen Jahren mit Energiesparaktionen besonders hervorgetan haben, nachgefragt. Außerdem im Beitrag: Einschätzungen der Bundesnetzagentur und des Branchenverbands BDEW.
Es war ein hektisches Auf und Ab an den europäischen Gasbörsen in den vergangenen Wochen. Das galt insbesondere auch für Gas, das im kommenden Winter geliefert werden soll.
Am Freitag ging es nach Meldungen, dass Gespräche zur Verhinderung eines Streiks an zwei australischen LNG-Terminals gescheitert seien, wieder nach oben. Am frühen Nachmittag notierte der Preis für das Produkt Winter 23 am Handelsplatz TTF bei 48 Euro pro MWh.
BNetzA-Chef Müller: Zu früh für Entwarnung
Die Stimmung in der Energiebranche scheint da besonnener zu sein. Geht es nach Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller, kann Deutschland "optimistisch" sein für den nächsten Winter. "Wir sind deutlich besser vorbereitet als als im letzten Jahr."
Für eine Entwarnung sei es aber zu früh, antwortete der Behördenchef auf ZfK-Anfrage. "Es verbleiben Risiken."
Bieberbach: Lage weiterhin "angespannt"
Ähnlich äußerte sich Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Energiebranchenverband BDEW. Man könne zwar "relativ optimistisch" auf den kommenden Winter blicken, teilte sie mit. "Wir sind aber noch nicht über den Berg."
Für noch immer "angespannt" hält Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München, die Lage. "Wenn der nächste Winter kalt wird, besteht weiterhin das Risiko einer Gasknappheit."
Deutlich weniger Gasverbrauch
Derzeit jedenfalls scheint in Deutschland genügend vorhanden zu sein. Die Speicher pendelten zuletzt um die 94-Prozent-Marke. Ausnahmslos alle Speicher waren Stand 7. September zu mindestens 81 Prozent gefüllt.
Auch im August lag der Gasverbrauch in Deutschland mit 17 Prozent deutlich unter dem durchschnittlichen Verbrauch der Vergleichszeiträume 2018 bis 2021. Industriekunden verbrauchten 16 Prozent und Haushalte sowie Gewerbe sogar 20 Prozent weniger, wie von der Bundesnetzagentur aufbereitete Zahlen zeigen.
BDEW-Chefin: "Energiesparen bleibt wichtig"
Dabei lässt letzterer Wert nur bedingt Rückschlüsse über das Verbrauchsverhalten im kommenden Winter zu, wenn die absoluten Verbräuche temperaturbedingt deutlich steigen. Volle Speicher allein seien jedenfalls keine Garantie, dass Deutschland gut durch den Winter komme, warnt BDEW-Chefin Andreae.
"Es bleibt daher wichtig, Energie zu sparen", teilt sie mit. Hierbei könne und müsse jeder mithelfen – "vom Industriebetrieb bis zum einzelnen Haushalt".
"Winter is Coming" und Zugluftstopper-Challenge
Inmitten wegbrechender russischer Gasmengen riefen Energieversorger vergangenes Jahr landauf, landab zum Energiesparen auf. Die Stadtwerke Kiel ließen Plakate mit dem Leitspruch "Winter is Coming – Energie sparen jetzt" drucken.
Der Kommunalversorger BEW startete eine Zugluftstopper-Bastel-Challenge, um seine Kunden zum Energiesparen zu animieren. Einige Stadtwerke senkten die Wassertemperaturen in ihren Schwimmbädern. (Die ZfK berichtete.)
Kurzfristigere Kommunikationsplanung
Großangelegte Energiesparkampagnen wurden diesen Sommer bislang nach ZfK-Kenntnis nicht angekündigt. Auch die Elektrizitätswerke Schönau, die im vergangenen Jahr die Aktion "Gas sparen gegen den Krieg" aufgesetzt hatten, planen derzeit keine Neuauflage.
"Im Moment ist nicht absehbar, wie die Lage in der Heizperiode sein wird", teilte eine Sprecherin mit. "Wir werden in diesem Jahr die Kommunikationsmaßnahmen zu diesem Thema kurzfristiger planen und umsetzen."
Norddeutsche Perspektive
Die in Norddeutschland ansässigen Stadtwerke Neustadt in Holstein antworteten ebenfalls, dass es eine so umfangreiche Aufklärungskampagne wie im vergangenen Jahr diesmal nicht geben werde. Die Kampagnenseite "Wir sparen gemeinsam" und Videotipps seien aber weiterhin online, schrieb Vertriebsleiter Dirk Heckmann. Auch würden Checklisten mit einfachen Tipps auf Veranstaltungen verteilt.
Denn der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen sei dem Unternehmen ein wesentliches Anliegen. "Wir werden unsere Kundinnen und Kunden für das Thema Energiesparen weiterhin sensibilisieren."
EnBW-Energiesparseiten: Zugriffe im fünfstelligen Bereich
Weiterhin haben etliche Versorger Energiespartipps auf ihren Internetseiten prominent platziert. Der Karlsruher Energiekonzern EnBW etwa stellt Informationen und Tipps zum Energiesparen auf einer eigenen Seite zur Verfügung.
In diesem Jahr verzeichnete er bislang nach eigenen Angaben Zugriffe im mittleren fünfstelligen Bereich. "Wir sehen, dass dieses Informationsangebot sehr gut angenommen wird", teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Vergleichszahlen zum Vorjahr wurden nicht genannt.
"Preisthemen dominieren wieder"
Auch die Stadtwerke München geben beispielsweise auf ihrer Informationsseite zur Energieversorgung Spartipps. Die Klickzahlen in diesem Jahr und im Vorjahr seien nicht vergleichbar, weil sich die externen Geschehnisse genauso änderten wie die Inhalte der Seite, teilt eine Sprecherin mit.
Grundsätzlich lasse sich aber sagen, dass das Interesse an den energiepolitischen Versorgungsfragen einen Höhepunkt in den letzten Monaten des vergangenen Jahres gehabt hätten. "Spätestens seit Frühjahr dieses Jahres dominieren wieder die Preisthemen sowie die Inhalte rund um die Abwicklung der Preisbremse."
Duisburger Energieberater stark nachgefragt
Die Stadtwerke Duisburg antworteten auf ZfK-Anfrage, dass sie ganz grundsätzlich an vielen Stellen darauf setzten, die Menschen in ihrer Stadt für einen sparsamen Umgang mit Energie zu sensibilisieren. "Die Angebote unserer Energieberater sind stark nachgefragt, da sich immer mehr Menschen für eine eigene Photovoltaik-Anlage oder die Umrüstung auf eine Wärmepumpe interessieren."
Im vergangenen Jahr hatten die Duisburger eine Gasspar-Aktion mit Gutschriften von bis zu 300 Euro pro Kunde ins Leben gerufen. Rund 2000 Kunden beteiligten sich und mehr als 1600 von ihnen sicherten sich eine Prämie. Insgesamt zahlten die Stadtwerke nach eigenen Angaben 430.000 Euro aus. Auf ZfK-Nachfrage, ob es eine Neuauflage gebe, teilte ein Sprecher mit, dass derzeit noch geprüft werde, ob und welche Aktionen sich für den kommenden Winter anböten. "Sicher ist aber, dass wir auch in der kommenden Heizperiode wieder Tipps zum effizienten Umgang mit Energie geben werden." (aba)
Die Mini-Serie zum Thema "Der Winter kommt: Und was denkt die Kommunalbranche?" hier im Überblick:
Teil 2: "Es bleiben Risiken": Gemischte Gefühle in Energiebranche vor nächstem Winter
Teil 3: "Wir dürfen uns bei Sparappellen nicht zu sehr auf das Thema Versorgungssicherheit fixieren"



