Technikvorständin der Rheinenergie, Susanne Fabry, erwartet von der Umstrukturierung der Netzgesellschaft deutliche Effizienzeffekte.

Technikvorständin der Rheinenergie, Susanne Fabry, erwartet von der Umstrukturierung der Netzgesellschaft deutliche Effizienzeffekte.

Bild: © Rheinenergie

In einer neuen großen Gesellschaft bündelt die Kölner Rheinenergie ihre Netzaktivitäten. Über 1000 Beschäftigte aus den technischen Bereichen der Rheinenergie wechselten zum Jahresbeginn zu Rheinnetz. Damit verschlanke der Versorger die Prozesse und stelle seine Netzaktivitäten insgesamt effizienter auf, sagt Technikvorständin Susanne Fabry im Interview mit der ZfK.

Die Neuorganisation der Netzgesellschaft war ein strategisch notwendiger Schritt, der zuletzt aus historischen Gründen nicht möglich war. Zugleich sei dies eine konsequente Reaktion auf die Herausforderungen der Energiewende, die es in Köln in sich haben.
 

Frau Fabry, wie hilft die neue Struktur bei den aktuellen Herausforderungen?

Im Vergleich zu der bisherigen Netzgesellschaft Rheinische Netzgesellschaft (RNG) ändert sich einiges. Wir sind jetzt nach sogenannten "End-to-end"-Prozessen aufgestellt. Insbesondere im neuen Bereich Planen und Bauen führt das zu einer in weiten Teilen agilen Organisation: Es gibt Fachverantwortliche, die beispielsweise für bestimmte Themen in den Strom- oder Gasnetzen zuständig sind. Dazu kommt die neue Rolle des "Product Owners", der cross-funktional, beispielsweise, für den Bau von Fernwärmeleitungen, Mittelspannungsleitungen oder Mittelspannungsanlagen verantwortlich ist. Ihm sind die Projektleiter unterstellt, die die Projekte ganzheitlich abarbeiten. Dabei werden große Projekte zum Beispiel auch zwischen den einzelnen agilen Teams gepitcht. Alle Prozesse, Projekte, die langfristigen strategischen Assets, Regulierung und das Management landen künftig gebündelt unter der neuen Marke. Aus historischen Gründen war das bislang nicht der Fall.

Könnten Sie das erläutern?

Die RNG hatte die Netze mehrerer kleinerer Netzeigentümer zu einem größeren Netzbetreiber auf Basis von Pachtmodellen gebündelt und so Regulierung, Abrechnung und Asset Management für alle abgewickelt. Die Netzeigentümer haben ihre operativen, betrieblichen Themen im Unternehmen belassen. Dies wurde auch bei der Rheinenergie so gelöst. Es gab eine kleine Netzgesellschaft, die sich im Pachtmodell um die Regulierungsanforderungen und die Netzstrategie gekümmert hat. Viele operative Themen blieben im Auftragsverhältnis bei der Rheinenergie.

Für uns ist es nun ein großer Schritt, so viele Kolleginnen und Kollegen in die neue Netzgesellschaft zu überführen. Regulatorisch ist das der bessere und zukunftsträchtige Weg, um die Netzgesellschaft als zentralen Akteur aufzustellen. Für die Netzkunden bedeutet das auch: Die neue Netzgesellschaft wird sichtbarer, da sie jetzt auch operative Aufgaben übernimmt. Deswegen ändert sich Anfang 2025 auch der Name: Aus der RNG wird dann die Rheinnetz GmbH, mit dem Zusatz "Ein Unternehmen der Rheinenergie".

Wie findet die Bundesnetzagentur diese Umstrukturierung?

Einerseits entsprechen wir den regulatorischen Vorgaben der Bundesnetzagentur, indem wir einen "großen" Netzbetreiber gegründet haben. Andererseits vereinfachen wir unsere Dienstleistungsverhältnisse und straffen die Vertragsstrukturen. Doch das ist nicht der ausschlaggebende Grund. Die zugrundeliegende Umorganisation der Prozesse und Strukturen ist das Kernstück der größeren Netzgesellschaft. Damit verschlanken wir die Prozesse, vereinfachen die technischen Ausführungen und stellen die Netzgesellschaft insgesamt effizienter auf – immer im Sinne der Energiewende: mit derselben Anzahl Menschen einfach mehr Meter machen. Das sehen wir natürlich auch im Sinne der Regulierungsbehörde, die die Energiewende ja mit den Netzbetreibern vorantreibt. Vor allem ist es im Sinn unserer Kunden, die von uns zu Recht einen schnellen, professionellen und unbürokratischen Service erwarten – etwa bei Netzanschlüssen oder Einspeiser-Anfragen.

Wenn man das Ganze übergeordnet betrachtet, liegt die ursprüngliche Frage in der Effizienz. Wir müssen künftig viel mehr an Leitungen bauen – die Infrastruktur ist die absolute Grundlage für alles, was im Rahmen der Energie- und Klimawende umgesetzt werden wird.



Wie sieht das in Zahlen aus?

Nun, momentan liegt unser Investitionsplan für die Energiewende bei einer Gesamtsumme von knapp 3,8 Milliarden Euro bis 2035. Unsere Investitionen steigen seit dem Beginn der Energiekrise von Jahr zu Jahr deutlich. Nach 53 Millionen Euro investieren wir ein Jahr darauf 63 Millionen und im Jahr 2023 dann 87 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr werden wir voraussichtlich die Marke von 100 Millionen Euro knacken. Davon entfällt fast die Hälfte auf Netzinfrastrukturen. Das ist das Vielfache dessen, was wir 2024 in Netzinfrastrukturen investiert haben. Beispiel Strom: Aktuell liegt die durchschnittliche Netzlast in Köln bei etwas über 800 MW. Im Winter erreicht sie bis zu 1200 MW. Laut Prognosen wird der Bedarf auf etwa 1600 bis über 2000 MW ansteigen, unter Umständen auch bis 2500 MW, je nachdem, wie viel noch elektrifiziert werden wird.

Dabei haben wir dafür nicht deutlich mehr Personal angestellt. Auch die allgemeine Teuerungsrate ist nicht allein ausschlaggebend. Wir haben einfach wirklich mehr Leitungen verlegt. Für eine erfolgreiche Energiewende werden wir künftig noch mehr Strecke machen und das Niveau in den nächsten Jahren sogar noch weiter erhöhen. Das ist eine echte Herausforderung – für die Organisation und auch für die Stadt Köln.

Wie läuft die Kommunikation mit den Endkunden im neuen Format?

In der neuen Struktur informiert Rheinnetz ihre Kunden direkt. Das sorgt für mehr Transparenz. Darüber hinaus liegt jetzt die komplette Prozessverantwortung innerhalb der Netzgesellschaft. Bisher war es so, dass die RNG hauptsächlich die Regulierungsthemen sowie die strategischen Asset-Management-Themen im High-Level-Bereich abgedeckt hat.

Jetzt übernehmen wir die operativen Aufgaben für die Netze Strom und Gas im regulierten Bereich und dienstleistend auch für Wasser und Fernwärmenetze in Köln. Wir werden Netzeigentümer für Strom und Gas. Das Netz für Fernwärme und Wasser bleibt im Eigentum der Rheinenergie, wir übernehmen die Betriebsführung, um Synergien und Prozesse in der Netzgesellschaft zu erhalten. Auch die Netzabrechnung und der Kundenservice sind jetzt eigene Bereiche innerhalb der Netzgesellschaft. Im Lauf des Januars schalten wir ein neues Kundenportal frei, über das künftig alle Netzanschlussanträge eingereicht werden. Ein neues Einspeiser-Portal folgt im Laufe des Jahres.

"Rheinnetz übernimmt unter ihrer Marke künftig den Technischen Netzservice."

Das Netzgebiet bleibt zwar gleich. Neu ist aber, dass die Rheinnetz unter ihrer Marke künftig den Technischen Netzservice übernimmt. Bisher hat das Betriebspersonal der Rheinenergie diesen Service übernommen. Künftig wird die Netzgesellschaft diesen Service direkt leisten. Das betrifft die Regionen Bergisch Gladbach und Köln. Unsere Fahrzeuge und Baustellenschilder werden entsprechend umgestellt, damit die Bürger erkennen, dass es die Rheinnetz als eigenständiges Unternehmen vor Ort aktiv ist.

Das Interview führte Artjom Maksimenko

Das ganze Interview in voller Länge lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der ZfK.

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