Entscheidend für eine Karriere sind zwei Faktoren, sagt Julia Antoni: "Man muss es selbst wollen, und man muss die Chance bekommen, es unter Beweis zu stellen."

Entscheidend für eine Karriere sind zwei Faktoren, sagt Julia Antoni: "Man muss es selbst wollen, und man muss die Chance bekommen, es unter Beweis zu stellen."

Bild: © Stadtwerke Oberursel

Für Julia Antoni war der Berufseinstieg bei einer Behörde naheliegend, schon ihre Eltern waren Beamte. Nach dem Jurastudium führt sie ihr Weg also "ganz klassisch" zur Bundesnetzagentur in das rechtliche Grundsatzreferat – doch allzu lange sollte sie dort nicht bleiben. 

An ihren ersten Arbeitstag dort kann sich Antoni noch gut erinnern. "Meine Lieblingsfarbe ist Lila und ich dachte, damit kann ich in meinem Notizbuch schreiben", erzählt sie. Bei der Behörde gibt es allerdings vorgeschriebene Schriftfarben für die verschiedenen Hierarchieebenen und Lila, das ist die Farbe des Präsidenten der Bundesnetzagentur. "Darauf wurde ich dann auch gleich hingewiesen", sagt Antoni.

"Ich dachte nur: Oje, wo bin ich denn hier gelandet?" Die Arbeit bei der Bundesnetzagentur liegt ihr dann doch, sie darf früh an eigenen Verfahren arbeiten und das auf EU-Ebene. Allerdings stellt Antoni fest, dass ihr das technische Know-how für das Thema Energieregulierung fehlt. Daher sucht sie schon nach einem Jahr den Sprung in die Praxis. 

Ein Mentor bei Mainova 

Das führt sie zur Mainova nach Frankfurt, wo sie Referentin des Technischen Vorstands wird. Eigentlich ist die Stelle für einen Wirtschaftsingenieur ausgeschrieben, doch mit ihrer Neugier kann sie den langjährigen Vorstand Joachim Zientek von sich überzeugen. "Ich habe gesagt: Ich kann das, was sie brauchen, und den Rest möchte ich lernen." Die Juristin absolviert fortan "ein kleines Technikum on the Road": "Herr Zientek und ich haben uns jeden Freitag zur Nachhilfe getroffen und ich durfte dann etwa Gaslastflussberechnungen machen." Sie ist bis heute noch im Kontakt mit ihrem Mentor, berichtet die 41-Jährige. Er ist seit einigen Jahren im Ruhestand.  

Die Erfahrung bei der Mainova habe dazu beigetragen, dass sie sich nun selbst für Mentorings einsetzt, etwa bei der Initiative "CEO der Zukunft". Entscheidend für eine Karriere seien zwei Faktoren: "Man muss es selbst wollen, und man muss die Chance bekommen, es unter Beweis zu stellen." So jung und als Frau sei das für sie auch nicht immer selbstverständlich gewesen, gerade im technischen Bereich. "Das Selbstbewusstsein kommt mit der Erfahrung", sagt Antoni. "Man wächst nur, wenn man Verantwortung übernimmt und aus der Komfortzone herausgeht", sagt sie. Man lerne aus den Hürden. 

Die Zeit in Frankfurt prägt sie heute noch: "Ich habe da das Herz für die Technik entdeckt", erzählt Antoni.  

Mit 27 übernimmt sie die erste Geschäftsführung

Nach ihrem Traineeship beim Vorstand wird sie Leiterin des technischen Innovationsmanagements. Es ist ein Bereich, der vor 15 Jahren noch in den Kinderschuhen steckte: "Ich durfte mich mit Themen wie Smart Grids oder Power-to-Gas beschäftigen." Mit einem Team junger Ingenieurinnen und Ingenieure entwickelt sie neue Ansätze für die Energiewelt von morgen und übernimmt mit gerade einmal 27 Jahren ihre erste Geschäftsführung: die der ABG Nova, einer Tochtergesellschaft der Mainova und der ABG Frankfurt. "Das Themenfeld Wohnen habe ich da für mich entdeckt. Das ist unglaublich spannend, weil es eine enge Schnittstelle zur Energie hat – sei es bei Photovoltaik-Mieterstrom, E-Mobilität oder Stellplatzsatzungen." 

2015 wird Antoni dann Leiterin der Abteilung Public Affairs bei der Mainova. "In der Energie ist ja vieles durch Vorgaben und Hemmnisse geprägt, das hatte ich bis dato schon acht Jahre in der Praxis erlebt." 

Im Oktober 2021 Wechsel nach Oberursel

Der nächste Karriereschritt führt sie zum Bauverein in Darmstadt, einer großen kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. Dort übernimmt sie für zwei Jahre die Strategieleitung und widmet sich erneut der Verbindung von Wohnen, Energie und Nachhaltigkeit. "Das zentrale Thema war: Wie bekommen wir ein Portfolio von 40.000 Wohneinheiten klimaneutral und erhöhen dabei auch die Kundenqualität?"

Dann bekommt sie die Anfrage aus Oberursel: die Position der Alleingeschäftsführerin der Stadtwerke. "Das hat sich sofort gut angefühlt", sagt Antoni. "Ich wohne in Frankfurt, Oberursel ist nur zehn Kilometer entfernt, und das Aufgabenfeld vereinte alles, was ich zuvor gemacht hatte: Energie, Wohnen, Mobilität. Nur Bäder und Veranstaltungsstätten waren neu." Ihren heutigen Chefposten trat Antoni im Oktober 2021 an. 

Schwere Finanzentscheidungen 

Die Stadt Oberursel hat rund 47.000 Einwohner. Sie liegt im hessischen Taunus und profitiert vom Boom der Frankfurt-Rhein-Main-Region. Doch auch trotz dieser idealen Rahmenbedingungen gibt es Finanzierungssorgen. Als die Stadtwerke ein kommunales Wasserkonzept aufstellten, das bis 2050 die Investitionen zusammenfasst, wurde für Antoni klar, dass das Geld vorne und hinten nicht reichen würde.

Einsparungspotenzial sah sie beim ÖPNV, bei dem auch zunehmend hohe Investitionen notwendig werden: "Wir hätten im Querverbund eine Finanzierungslücke von bis zu zwei Millionen Euro jährlich." Als Geschäftsführerin der Stadtwerke brachte sie das Thema in die Stadtpolitik ein, und die Stadtverordneten beschlossen, dass die Aufgabe des ÖPNV nun ab 2027 an den Kreis zurückgeht, "wo sie auch rechtlich gesehen hingehört".  

Es ist keine Entscheidung, mit der man sich beliebt macht. Doch wenn etwas logisch sei, dann könne sie es auch verteidigen, meint Antoni: "Man muss das Warum erklären, Transparenz schaffen, Lösungswege aufzeigen und Ängste abbauen."

"Konsequent bei der Kommunikationslinie bleiben"

Sie beschreibt den Prozess als "Marathon, keinen Sprint". Denn Themen tauchen immer wieder auf – in Medien, Ortsbeiräten, Diskussionen vor Ort. "Da heißt es, konsequent bei der Kommunikationslinie zu bleiben, ruhig zu bleiben und die Botschaften immer wieder klar zu wiederholen." 

Diese analytische Klarheit zieht sich durch Antonis gesamten Werdegang. Schon als junge Juristin wollte sie die Dinge nicht einfach hinnehmen, sondern verstehen – ob es nun um Gaslastflussberechnungen, Smart Grids oder politische Entscheidungswege ging. "Ich wollte immer wissen, warum Dinge so sind, wie sie sind", sagt sie. Diese Neugier ist ihr Kompass geblieben. 

----------------

Das Porträt von Julia Antoni ist in der Printausgabe der ZfK im November erschienen. Der Artikel ist in der ZfK-Serie "Neue Perspektiven" erschienen. Darin porträtieren wir junge Führungskräfte, ihre Motivation und ihre Herausforderungen in der Daseinsvorsorge. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper