Ralf Höper ist seit 2017 Geschäftsführer des Direktvermarkters ANE Energy.

Ralf Höper ist seit 2017 Geschäftsführer des Direktvermarkters ANE Energy.

Bild: © Verena Reinke

2017 als Tochtergesellschaft des Erneuerbaren-Bündlers Arge Netz gegründet hat der norddeutsche Grünstromhändler ANE Energy ein rasantes Wachstum hingelegt. Jetzt werden die Hamburger Energiewerke mit einem Anteil von 50,1 Prozent Mehrheitsanteilseigner. Ein Gespräch mit Ralf Höper, Geschäftsführer der ANE Energy, über neue Möglichkeiten auf einem wieder anziehenden PPA-Markt und neue Trends in der Direktvermarktung.

Herr Höper, ANE Energy hat nach eigenen Angaben das mit Abstand erfolgreichste Geschäftsjahr hinter sich. Zugleich hat sich Ihr Unternehmen nun mit den Hamburger Energiewerken auch aus finanziellen Gründen einen neuen Mehrheitseigentümer geholt. Wie passt das zusammen?

Tatsächlich haben wir unseren Umsatz im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr auf 570 Millionen Euro mehr als verdoppelt und ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von rund elf Millionen Euro erzielt. Dabei hat auch unser PPA-Geschäft regelrecht geboomt, doch angesichts hoher und schwankender Terminmarkpreise sind dafür erhebliche Sicherheitsleistungen nötig. Da sind wir mit unserem Eigenkapital an Grenzen gestoßen und konnten manches interessante Geschäft nicht abschließen.

Und das ändert sich jetzt?

Mit dem Einstieg der Hamburger Energiewerke haben wir jedenfalls eine deutlich robustere Kapitalausstattung, sodass wir unser PPA-Geschäft weiter ausbauen können.

Wie stellt sich aktuell die Situation auf dem PPA-Markt dar?

Wir haben bewegte Zeiten hinter uns. Als die Strompreise im Sommer vergangenen Jahres auf bis zu 1000 Euro pro Megawattstunde schossen, ging zuerst die Nachfrage zurück. Als die Bundesregierung wenig später die Erlösabschöpfung ankündigte, wurde der Markt für Betreiber unattraktiv. Das war auch für uns eine Saure-Gurken-Zeit. Da konnten wir kaum Verträge abschließen. Aber mittlerweile zieht das Geschäft wieder an, auch weil wir uns wieder auf halbwegs nachvollziehbaren und akzeptablen Preisniveaus befinden.

Wie entwickelt sich der PPA-Markt aus Ihrer Sicht weiter?

Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach PPAs mittel- und langfristig das Angebot deutlich übersteigt, Direktvermarkter wie wir also in einer guten Position sind. Bislang haben wir PPAs mit Laufzeiten von wenigen Monaten bis hin zu fünf Jahren angeboten. Bei längerfristigen Verträgen hatten wir dagegen in der Vergangenheit aufgrund der begrenzten Kapitalausstattung keine reelle Chance, bei der Bank durch die Tür zu kommen. Dabei waren Anfragen dazu durchaus vorhanden. Hier haben wir mit dem Einstieg der Hamburger Energiewerke nun ganz andere Möglichkeiten.

Im Herbst werden traditionell die meisten Verträge zwischen Direktvermarktern und Erneuerbaren-Anlagenbetreibern geschlossen. In der Energiekrise stellten Direktvermarkter im großen Stil auf variable Vermarktungsentgelte um. Welche Trends sehen Sie diesmal?

Die Marktpreise haben sich im Vergleich zum Vorjahr wieder beruhigt. Deshalb wünschen sich viele Anlagenbetreiber wieder die Rückkehr zu festen Vermarktungsentgelten mit der Referenz zum Monatsmarktwert. Für uns ist das eine Herausforderung, weil die Risiken stark schwankender und steigender Preise weiterhin bestehen. Das führt bei uns zu erhöhten Kosten im Vermarktungsprozess.

Aber wenn der Kunde Festpreise wünscht und der Wettbewerb diese Produkte anbietet, können wir hier nicht Nein sagen. Wir haben aber aus der Vergangenheit gelernt. Wir können uns auch bei festen Vermarktungsentgelten gegen steigende Strompreise absichern, indem wir unsere eigene Hedgingstrategie entsprechend dynamisch auslegen.

Das Interview führte Andreas Baumer

Hinweis:  In einem Folgeartikel erklären ANE-Energy-Geschäftsführer Ralf Höper und Hamburger-Energiewerke-Chef Christian Heine, wo sich durch die Partnerschaft der beiden Unternehmen auch beim Zukunftsthema Sektorkopplung – Stichwort Wasserstoff – neue Kooperationsmöglichkeiten auftun. Das Interview erscheint am Mittwoch im Morning Briefing der ZfK.

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