„Die Coronapandemie hat uns allen einen dramatischen Perspektivwechsel beschert und unser Leben – wie wir es bis dahin kannten – elementar verändert": Heike Heim, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21).

„Die Coronapandemie hat uns allen einen dramatischen Perspektivwechsel beschert und unser Leben – wie wir es bis dahin kannten – elementar verändert": Heike Heim, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21).

Bild: ©DEW21

Heike Heim ist nicht mehr Vorstandsvorsitzende der Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21). Der Aufsichtsrat hat am 10. Juli in außerordentlicher Sitzung mit sofortiger Wirkung ihre Abberufung beschlossen. Der Anstellungsvertrag zwischen der Gesellschaft und Heike Heim wird außerordentlich und fristlos gekündigt. 

Dies gilt ebenfalls für ihre Position als Geschäftsführerin der Stadtwerke Holding GmbH und der Stadtwerke Beteiligungsgesellschaft mbH.

Der Aufsichtsrat von DSW21 hat den Anstellungsvertrag zwischen der Gesellschaft und Heike Heim "außerordentlich und fristlos" gekündigt. Ein solcher Schritt erfolgt beispielsweise bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen, die das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nachhaltig beschädigen.

Ursprünglich kündigte DSW21 an, mit Heim einen Aufhebungsvertrag auszuhandeln. Aus dem politischen Umfeld Dortmunds erfuhr die ZfK, dass Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) diesen Vertrag mit Heim weiterhin verhandelt.

Klare Verhältnisse

Die fristlose Kündigung soll demnach lediglich für klare Verhältnisse sorgen. Denn offiziell leitete Heim bis dahin weiterhin das Unternehmen, ein Umstand den die Aufsichtsräte ändern wollten.

Anfang Juli musste Heike Heim ihren Posten an der Spitze von DSW21 nach nur einem Jahr wieder räumen. Auf Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden und Oberbürgermeisters Thomas Westphal (SPD) hat der Aufsichtsrat der Dortmunder Stadtwerke AG ihn damit beauftragt, Gespräche mit Heim hinsichtlich einer Beendigung der Zusammenarbeit aufzunehmen.

Damit zog der Aufsichtsrat Konsequenzen aus dem Abrechnungsskandal bei Stadtenergie. Die bundesweite Vertriebsmarke sorgte mit einem vermeintlichen Betrugsskandal für negative Schlagzeilen sowie für ein sattes Minus bei ihrer Muttergesellschaft DEW21. Im Rahmen des Jahresabschlusses 2023 wurden im Zeitraum 2022/2023 zahlreiche fehlerhafte Abrechnungen festgestellt.

Der Schaden geht womöglich in die Millionenhöhe, externe Wirtschaftsprüfer analysieren die Lage, das Unternehmen steht im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft in Dortmund. DEW21 hat im Jahresabschluss 2023 vorsorglich Rückstellungen in Höhe von 74 Mio. Euro gebildet.

Schadensersatzansprüche gegen Heim?

Das Fiasko bei Stadtenergie dürfte einer der Gründe für die Entlassung von Heim bei DSW21 sein, denn zuvor hatte sie die Energiesparte DEW21 geleitet, die Muttergesellschaft von Stadtenergie. Der zweite Grund sind brisante Ergebnisse aus einem internen Gutachten von PwC, das der Beschaffungsstrategie von DEW21 während der Energiekrise schlechte Noten gibt. Einem Bericht der Zeitung "Ruhrnachrichten" zufolge hat sich der Versorger in der Hochpreisphase der Krise mit teuren Energiekontingenten eingedeckt, und zwar gleich für drei Jahre. Den Schaden beziffern die Prüfer auf rund 100 Mio. Euro, davon sind 40 Mio. Euro unwiderruflich weg.

Auch Spekulationen über Schadensersatzansprüche gegenüber Heim machen bereits die Runde. Allerdings gibt es dazu noch keine offiziellen Bestätigungen. Ein weiteres Gutachten soll allerdings in einigen Wochen die Zuständigkeiten und die Verantwortlichen für die verlustreiche Einkaufsstrategie benennen. (am)

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