Von Artjom Maksimenko
Das Jahresergebnis der DSW21 AG belief sich auf 192,7 Millionen Euro nach 75,1 Millionen im Jahr 2023. Dieser Sprung geht vor allem auf das positive Beteiligungsergebnis in Höhe von 319,3 Millionen Euro nach 116,5 Millionen (2023) zurück.
"Bei allen Beteiligungen wurden die vereinbarten Ziele entweder erreicht oder sogar übertroffen“, so Jörg Jacoby, Vorstandsvorsitzender von DSW21, im Gespräch mit Journalisten in Dortmund. Einen maßgeblichen Beitrag zum positiven Ergebnis habe allerdings der Verkauf der 36-Prozent-Beteiligung an der Essener Steag geleistet. 2024 schlug dieser Verkauf mit rund 250 Millionen Euro in der DSW21-Bilanz positiv zu Buche.
Ein Jahr der Extreme
Die Eigenkapitalquote haben die Dortmunder Stadtwerke auf 50 Prozent gesteigert, die Verbindlichkeiten um rund 100 Millionen Euro reduziert und 65 Millionen Euro in die Entwicklung der Unternehmensgruppe investiert. "Würden wir nur auf die Zahlen schauen, sollten wir hier mit einem breiten Grinsen sitzen", so Jacoby. Doch auf das beste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte entfielen auch zwei handfeste Krisen historischen Ausmaßes.
Gleich zwei Dortmunder Themen haben bundesweit für negative Schlagzeilen gesorgt. "Im Grunde genommen ist das die größte Krise in der Geschichte der Dortmunder Stadtwerke", sagte der Vorstandsvorsitzende der DSW21 vor Journalisten. Jedes dieser zwei Themen hätte für sich allein schon für eine handfeste Krise gereicht. Beide haben sich bei der Energietochter DEW21 ereignet, an denen DSW21 mit 60,1 Prozent mehrheitlich beteiligt ist; Westenergie hält die restlichen 39,9 Prozent.
Fall Stadtenergie
Zum einen war es der Abrechnungsbetrug bei der bundesweiten DEW21-Vertriebstochter "Stadtenergie". Bei der Aufarbeitung des Falls wurden Unternehmensangaben zufolge alle Abrechnungen von 124.750 ehemaligen und aktiven Gas- und Stromkunden der Vertriebsmarke geprüft. Bei 71.505 Verträgen wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt. Die Rückzahlungen belaufen sich auf 24,6 Millionen Euro. Inzwischen gilt der Fall als aufgearbeitet, potenzielle Klagen gegen die damalige Führung von Stadtenergie stehen aber noch an. Stadtenergie wurde inzwischen abgewickelt. "Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass für die Stadtenergie-Kunden bei all dem Ärger kein finanzieller Schaden entstanden ist", ergänzte Jacoby.
Folgen der Beschaffungskrise
Das andere Thema waren die "höheren Bezugskosten bei Strom und Gas" während der Energiekrise. Strategische Fehlentscheidungen bei der Beschaffungskrise haben zu einem hohen finanziellen Schaden geführt, von dem sich der Energieversorger immer noch nicht vollständig erholt hat. Auch in diesem Jahr hat die teure Beschaffung noch Einfluss auf den Vertrieb von DEW21.
Während der herrschenden Gasknappheit auf dem Markt hatte DEW21 große Mengen an Strom und Gas zu hohen Preisen für einen langen Zeitraum beschafft. Dabei ist das Unternehmen ein hohes Risiko eingegangen. Die Märkte beruhigten sich wieder und der Versorger blieb auf großen Mengen teurer Energie sitzen.
Das hatte auch für die Vorstandsvorsitzende der DSW21, Heike Heim, persönliche Konsequenzen. Sie war während der Beschaffungskrise noch an der Spitze von DEW21. Inzwischen ist Heim als Geschäftsführerin bei der Remondis Energy + Services GmbH im westfälischen Lünen tätig. Gegen die Kündigung ihres ehemaligen Arbeitgebers hatte sie geklagt. Die Verhandlung findet im Mai statt. Dort, so die Erwartungen in der Branche, werde sich DSW21 konkret zum finanziellen Ausmaß der Fehlentscheidungen bei der Beschaffung äußern. Aus dem Umfeld des Unternehmens hieß es, dass der Betrag sich in einer Größenordnung um die 100 Millionen Euro bewegen könnte.
In beiden Fällen habe sich die Führung von DSW21 und DEW21 um maximale Transparenz bemüht, betonte Jacoby. Das Ziel sei, beide Themen zügig aufzuarbeiten. Zum zweiten Jahr in Folge werde es damit auch 2024 keine Ergebnisübernahme geben. Für das Gesamtkonstrukt in Dortmund ein "hartes und schmerzhaftes Thema". Das lasse sich nicht schönreden, das Geld fehle in der Kasse, stellte Jacoby fest.
Diese zwei Krisen hätten die DSW21 und die Stadt Dortmund bei den Investitionsplanungen mit dem Geld aus dem Steag-Verkauf zwar zurückgeworfen, "das wirft uns aber nicht um", so Jacoby.
Wann kommt DEW21 zurück?
Der Gesamtschaden aus den zwei genannten Sachverhalten für die Konzernmutter belaufe sich auf 78 Millionen Euro. Die Zahlung der Garantiesumme an Westenergie habe DEW21selbst übernommen. "Erst für das laufende Geschäftsjahr erwarten die Gesellschafter eine Ergebnisabführung in Höhe von rund 30 Millionen Euro", sagte Jacoby auf ZfK-Anfrage, wobei 25,5 Millionen davon den Stadtwerken zugutekommen sollen. Diese Erwartung sei in der Transformationsvereinbarung verankert, sagte Jacoby. Diese sieht deutliche Einsparungen bei DEW21 in den kommenden Jahren vor, die sich auf insgesamt 25 Millionen Euro belaufen sollen. Im Betrag seien in etwa gleicher Höhe die Einsparungen an Sach- sowie Personalkosten enthalten. Bis September 2025 wurde bei DEW21 ein Einstellungsstopp ausgerufen. Diese "Pausentaste" brauche die DEW21-Geschäftsführung, um die Gesamtsituation in Ruhe zu bewerten.
Gleichzeitig haben DSW21 und Westenergie dem Energieversorger ihre Unterstützung zugesichert. "Wir werden auch in die DEW21 investieren. Mit Eigenkapitalverstärkung gemeinsam mit Westenergie bekomme das Unternehmen 100 Millionen Euro für die Investitionen in die Energiewende", kündigte Jacoby an. Bis 2030 sollen die Ergebnisse von DEW21 dann kontinuierlich auf 80 Millionen Euro steigen.
"Unter dem Strich war das Jahr extrem herausfordernd und bitte sehen Sie es uns nach, wenn wir nicht jede Frage im Detail beantworten können", so Jacoby weiter. Er sei aber stolz, dass die Transformationsvereinbarung nun stehe und damit eine Grundlage geschaffen ist, dass die DEW21 wieder zu alter Stärke kommen werde.
Verluste im Verkehr nehmen zu
Erwartungsgemäß rutschte die Verkehrssparte 2024 tiefer in die roten Zahlen. Nach einem Verlust von 81,3 Millionen Euro im Vorjahr lag das Ergebnis bei 90,1 Millionen Euro. Damit blieb der Wert zwar unter den befürchteten minus 103 Millionen. Der ÖPNV bleibe aber eine der größten Herausforderungen des Stadtwerkekonzerns. "Zwischen der berechtigten Erwartungshaltung von Bürger*innen und Kommunalpolitik an einen leistungsstarken Nahverkehr einerseits und dessen finanzieller Ausstattung durch Bund und Land andererseits besteht eine deutliche Diskrepanz", hieß es. Zwar habe DSW21 im vergangenen Jahr 32,8 Millionen Euro als Ausgleich für durch das "Deutschlandticket" (197.000 wurden verkauft) verursachten Mindererlöse erhalten. Stand heute sei aber weder die Finanzierung des D-Tickets über das Jahresende 2025 hinaus geklärt, noch wurde die gestoppte E-Bus-Förderung wieder in Gang gesetzt. Verbindliche Zusagen, in welcher Größenordnung der ÖPNV vom "Sondervermögen Infrastruktur" partizipieren werde, erwarte DSW21 erst nach der Regierungsbildung.
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