"Ein großer Kraftakt für alle Beteiligten" – So will Eon Netzausbau effizienter machen

Lisbeth Buschkühl: "Das Beschaffungsvolumen ist sicherlich ein bedeutender Faktor."
Bild: @ E.ON SE
Der Netzausbau kostet Milliarden. Für den größten Verteilnetzbetreiber Deutschlands, Eon, geht um entsprechend hohe Investitionen in die Komponenten der Verteilnetze. Für die Kostenoptimierung und die langfristige Planungssicherheit hat der Essener Energiekonzern Eon hat eine umfangreiche Beschaffungsinitiative gestartet. Dafür wurden langfristige Verträge mit deutschen und europäischen Herstellern über Kernkomponenten für den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur geschlossen. Im Gespräch mit der ZfK erläutert Lisbeth Buschkühl, Senior Vice President Supply Chain and Chief Procurement Officer bei Eon, die Details und Ziele des Plans.
Frau Buschkühl, welche strategische Bedeutung hat die neue Beschaffungsinitiative für Eon?
Eon hat ein klares Ziel: Wir investieren in die Zukunft Europas. Denn ohne starke Netze gibt es keine Energiewende. Mit dieser umfangreichen Beschaffungsinitiative konzentrieren wir uns daher auf langfristige Verträge mit deutschen und europäischen Herstellern über Kernkomponenten für den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur. In Summe deckt sie ein Investitionsvolumen von mehr als sechs Milliarden Euro allein für das deutsche Netz ab. Aus strategischer Sicht ist unsere langfristige Beschaffungsstrategie zudem ein wichtiger Baustein, um unserem Anspruch als Playmaker der Energiewende gerecht zu werden. Gemeinsam mit vielen Eon-Kollegen und unseren Partnern haben wir an Komponentenstandardisierung, effizienteren Prozessen, besserer Planbarkeit und langfristiger Resilienz gearbeitet. Ein großer Kraftakt für alle Beteiligten, der die Grundlage für weitere Innovation und einen nachhaltigen und effizienten Ausbau unserer Netze legt.
Wie lassen sich die Vorteile der langfristigen Beschaffung in Euro und Tagen messen?
Natürlich kann ich mich zu konkreten Zahlen nicht äußern. Aber wie Sie auch den Mitteilungen beteiligter Partner entnehmen können, konnten wir durch Standardisierung, effiziente Prozesse und die Nutzung digitaler Tools zur Planung und Bestellabwicklung wichtige Grundlagen für Komplexitätsreduktion legen. Ein konkretes Beispiel: Bei den Hochspannungs-Transformatoren, also denen, die in Umspannwerken eingesetzt werden, haben wir eine Variantenreduktion von rund zwei Dritteln erreicht.
Wie beeinflusst das große Beschaffungsvolumen die Kapazitätsplanung und Produktionsprozesse der beteiligten Hersteller?
Das Beschaffungsvolumen ist sicherlich ein bedeutender Faktor – immerhin geht es um mehr als 100.000 Kilometer Kabel, mehrere 10.000 digitale Ortsnetzstationen, mehr als 500 Schaltanlagen sowie rund 29.000 Transformatoren. Dadurch können Hersteller besser planen und ihre Produktionsprozesse optimieren, was wiederum zu einer höheren Effizienz führt. Gleichzeitig schaffen die Verträge Sicherheit bei der Planung von Investitionen, beispielsweise in neue Werke oder Fertigungslinien.
"Kostensteigerungen und sinkende Kosten für unsere Lieferanten werden an uns weitergegeben"
Welche Rolle spielen langfristige Lieferverträge bei der Preisstabilität der Kernkomponenten?
Insgesamt spiegelt das erreichte Preisniveau selbstverständlich die Attraktivität des Gesamtvolumens wider, das wir hier an den Markt gebracht haben. Den Verträgen liegen größtenteils Preisgleitklauseln zugrunde. Dies bedeutet, dass Kostensteigerungen und sinkende Kosten für unsere Lieferanten an uns weitergegeben werden. Im Gegenzug entfällt gerade bei der Langfristigkeit der Verträge ein Risikoaufschlag unserer Lieferanten für solche Kostenänderungen. Wir freuen uns besonders, dass der Großteil der Komponenten in Deutschland und im europäischen Ausland produziert wird, womit zusätzlich Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie gesichert und neu geschaffen werden.
Einige Komponenten, beispielsweise Transformatoren, haben bereits jetzt eine Lieferzeit von über einem Jahr oder länger. Sorgt der Langfristvertrag von Eon nicht zu noch größeren Engpässen bei den anderen Netzbetreibern?
Durch die Beschaffungsinitiative setzen wir Wachstumsimpulse und schaffen Investitionssicherheit für die Hersteller. Mit unseren umfangreichen Maßnahmen zur Standardisierung und Reduzierung technischer Varianten nehmen wir eine Vorreiterrolle ein. Unser Ziel ist dabei, den Weg für Industriestandards zu ebnen, an denen sich die gesamte Branche orientieren kann. Maßgeblich wird sein, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen unseren Beitrag für die Branche reflektieren.
Das Interview führte Artjom Maksimenko

