Die Biomethananlage in Brandis bei Leipzig

Die Biomethananlage in Brandis bei Leipzig

Bild: © Baywa.r.e

Vor fast genau einem Jahr, am 1. Juni 2023, hat der Biomethanhändler BMP Greengas Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Der Karlsruher Energiekonzern EnBW rettete seine Enkeltochter mit einer Finanzspritze und integrierte das Unternehmen anschließend in das Portfolio der Leipziger VNG AG. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung der BMP Greengas wurde durch das Amtsgericht Karlsruhe mit Wirkung zum 14. März 2024 aufgehoben. Damit ist das Unternehmen wieder "voll geschäftsfähig".

Der Branchenverband VKU rechnet mit einem finanziellen Schaden für die Kunden von BMP Greengas in dreistelliger Millionenhöhe. "Auch, wenn die Schadenssumme nicht genau beziffert werden kann, gehen wir am Ende von einem Schaden in dreistelliger Millionenhöhe aus", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Finanzieller Schaden für über 50 Unternehmen

"Mehr als 50 kommunale Unternehmen haben aufgrund von nicht eingehaltenen Lieferzusagen einen finanziellen Schaden erlitten." Einige Ansprüche der Gläubiger seien immer noch nicht ausgezahlt worden.

Nach dem Insolvenzprozess bleibt nicht nur ein finanzieller, sondern auch ein Imageschaden für die gesamte Biogasbranche zurück. Aus dem Branchenumfeld erfuhr ZfK von einem Vertrauensverlust in den Biomethanhandel. Die Insolvenz hat die Marktetablierung dieses Rohstoffs um Jahre zurückgeworfen. Mit Biomethan verbindet der neue Besitzer des Unternehmens, VNG AG, trotzdem große strategischen Ziele.

Bei dem Transformationsprozess sei Biogas "ein wichtiger Baustein des dezentralen Energiesystems der Zukunft und erhöhe schon heute den Anteil grüner Gase im Netz", teilte VNG auf ZfK-Anfrage mit. Als regional erzeugter und grundlastfähiger Energieträger leiste Biogas somit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Kritik an EnBW

Auch Sicht des VKU-Hauptgeschäftsführers hat das "Leitbild des ehrbaren Kaufmanns bei der BMP-Greengas-Insolvenz offensichtlich keinerlei Rolle gespielt". Für Stadtwerke und kommunale Unternehmen sei es schwierig, die Wärmewende umzusetzen, wenn selbst auf staatliche Unternehmen kein Verlass ist, sagte er.

Die Rede ist von EnBW, an dem das Land Baden-Württemberg wesentliche Anteile hält. Die Zurückhaltung dieses Konzerns sei bei den kommunalen Anlagenbetreibern auf eine "große Verärgerung gestoßen". Denn: "Betroffene Stadtwerke müssen ein Desaster ausbaden, das sie nicht zu verantworten haben, und dies wahrscheinlich zulasten notwendiger Investitionen zum Erreichen der Klimaziele", so Liebing weiter.

Rückschlag für die ganze Branche

Als einen schweren Schlag für die Stadtwerke bezeichnete die Insolvenz auch Kara Hoffmann, Gruppenleiterin Ökoenergie-Produkte der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew). Wenn geschlossene Verträge nicht erfüllt werden, habe das "deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der unterschiedlichen Anlagen". Die fehlenden Biomethanmengen mussten teilweise zu höheren Preisen nachbeschafft werden, "aber teilweise wurden BHKW auch stillgelegt", so Hoffmann.

In welchem Umfeld BMP Greengas nun künftig agiert, hängt von der Nationalen Biomassestrategie ab, auf die die gesamte Energiebranche noch warte. "Biomethan wird weiterhin eine Rolle im deutschen Energiemix spielen. Welche genau und wie groß diese sein wird, bleibt abzuwarten", fügte Hoffmann hinzu.

"Zielkonflikt der Bereiche Verkehr, Wärme und Strom"

Die Signale der Bundesregierung dazu bezeichnete sie als ambivalent: Einerseits gebe es nach wie vor einen klar zu benennenden Zielkonflikt der Bereiche Verkehr, Wärme und Strom. Andererseits verpflichte aber das Gebäudeenergiegesetz bereits jetzt sehr konkret dazu, Erdgas ab Anfang 2029 mindestens 15 Prozent, ab Anfang 2035 30 Prozent und ab 2040 60 Prozent grüne Gase beizumischen.

Diese Quote sei eine Bedingung, um überhaupt noch ein neues, gasbetriebenes Heizungssystem einbauen zu dürfen. "Das könnte dem Biomethanmarkt einen gewissen Schub geben. Wie groß dieser sein wird, ist im Moment aber noch nicht absehbar", sagte Hoffmann weiter. (am)

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