Stadtwerke Garbsen und Enercity kooperieren beim Betrieb von Strom- und Gasnetzen.

Stadtwerke Garbsen und Enercity kooperieren beim Betrieb von Strom- und Gasnetzen.

Bild: @ AdobeStock/Nay_27

Im Herbst 2024 haben die Stadtwerke Garbsen den Ausstieg aus der Netzkooperation Leinenetz mit den Stadtwerken Neustadt am Rübenberge verkündet. Stattdessen ist das Unternehmen eine Kooperation mit der Enercity eingegangen. Zum Jahreswechsel übernimmt Enercity Netz den Stromnetzbetrieb der Stadt Garbsen. Zwei Jahre später wird Enercity Netz dann auch den Gasnetzbetrieb in Garbsen übernehmen, teilten die Kooperationspartner mit.

Im Rahmen der Kooperation übernimmt der Regionalversorger für einen zweistelligen Millionenbetrag unter anderem das Strom- und Gasnetz von den Stadtwerken Garbsen. Die Allianz soll helfen, die Netzinfrastruktur der Kommune nachhaltig aufzustellen, hieß es bei der Verkündung der Kooperation im August 2024. Ihren Investitionsbedarf in die Netzinfrastruktur schätzten die Stadtwerke auf rund 250 Millionen Euro ein.

Netzbeirat kommt

Die zentralen Schritte auf dem Weg zur Netzübernahme waren bislang die Überführung netz- und kundenrelevanter Daten in die Systeme der Enercity Netz. Dadurch werde der nahtlose Übergang des Netzbetriebs ab 2026 ermöglicht. Im Laufe des Jahres 2026 startet dann der flächendeckende Smart-Meter-Rollout. 

"Die Stadtwerke Garbsen bleiben weiterhin integraler Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge", erklärte Marc Hansmann, Vorstand für Finanzen und Infrastruktur bei Enercity. Dabei würden die Stadtwerke Garbsen die notwendige technische und finanzielle Unterstützung erhalten.

Im Zuge der Partnerschaft werde die Stadt Garbsen Gesellschafter der Enercity Netz und einen neu gegründeten Netzbeirat Garbsen weiterhin ein Mitspracherecht bei der Investitionsplanung des Strom- und Gasnetzes haben. Die Ratsfraktionen entsenden zu diesem Zweck Vertreter:innen in den Netzbeirat Garbsen, hieß es weiter.

Garbsens Ausstieg mit juristischem Nachspiel

Die Stadtwerke Neustadt am Rübenberg wehrten sich juristisch gegen den Ausstieg der Stadtwerke Garbsen aus dem gemeinsamen Projekt Leinenetz. Dominic Herbst, Bürgermeister von Neustadt am Rübenberge, zeigte sich damals "äußerst erstaunt" über den Vorgang. Der Energieversorger Avacon, der 24,9 Prozent an den Stadtwerken Garbsen hält, strengte ein einstweiliges Verfügungsverfahren vor dem Landgericht Hannover an.

Nun herrscht auch hier seit dem 11. Dezember Klarheit. "Nach langen Verhandlungen und unter aktiver Unterstützung der Avacon AG" wurde dazu eine außergerichtliche Einigung erzielt. Der Netzübergang sowie Dienstleistungszeiträume der Leinenetz seien für beide Parteien jetzt einvernehmlich und formal festgeschrieben, hieß es dazu aus Neustadt am Rübenberge. "Wir sind auf Neustädter Seite wirtschaftlich zufrieden und froh über die Einigung, da jetzt Prozesse wieder gestaltet werden können und die Mitarbeiter*innen wieder eine Perspektive haben", ordnete Konzernchef Dieter Lindauer die Einigung ein.

Leinenetz lebt

Die Netzgesellschaft Leinenetz bleibt auch nach dem Ausstieg des Partners aus Garbsen bestehen. Nach der außergerichtlichen Einigung könne Leinenetz nun ihren "Erfolgskurs ausbauen", hieß es aus Neustadt am Rübenberge. Von weiteren Projekten im Bereich kalte Nahwärme bis hin zum Smart Meter Rollout sei die Leinenetz bestens aufgestellt, so Lindauer.

Ebenenfalls positiv blickt Lindauer auf die Gesamtentwicklung des Neustädter Konzerns Ideenstadtwerke, der 2024 einen Gewinn in Höhe von sieben Millionen Euro erzielt hatte. Neben dem Ausstieg von Garbsen aus Leinenetz gehörten große IT-Transformationsprojekte, die Verjüngung der Mitarbeiterstruktur auf rund 38 Jahre, Innovationen und der Aufbau neuer Geschäftsfelder zur Schaffung finanzieller Spielräume zu den zentralen Herausforderungen. "Insbesondere in den letzten zwei Jahren haben wir unter einem enormen Kraftakt eine Transformation in nahezu allen Bereichen angestoßen, um das Unternehmen für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen", so Lindauer.

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