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Enwag mit weniger Gewinn und mehr Umsatz

Die Energiekrise hat sich im hessischen Wetzlar auch 2023 bemerkbar gemacht und auf das Ergebnis gedrückt. Harsche Kritik übt der kommunale Versorger auch an dem politischen Schlingerkurs bei den Energiepreisbremsen.
25.06.2024

Hohe Einkaufspreise hätte 2023 noch auf die Bilanz durchgeschlagen, so die Enwag.

Die hessische Energie- und Wassergesellschaft (Enwag) hat 2023 weniger Gewinn erzielt. Die Umsatzerlöse stiegen im abgelaufenen Geschäftsjahr allerdings. Das geht aus dem jüngsten Geschäftsbericht des mehrheitlich kommunalen Versorgers aus Wetzlar hervor.

Der Gewinn nach Steuern belief sich zum 31. Dezember 2023 demnach auf rund 4,2 Millionen (Mio.) Euro. Im Jahr 2022 waren es nach zwölf Monaten noch 4,9 Mio. Euro. Zulegen konnte die Enwag beim Umsatz, der von rund 72 Mio. Euro auf jetzt 107 Mio. Euro stieg.

Politik in der Kritik

Das Unternehmen habe unter schwierigen Bedingungen gut gewirtschaftet, so das Fazit der Enwag selbst. Geschäftsführer Berndt Hartmann kritisiert insbesondere die kurzfristige Einführung der Preisbremsen sowie die "ständig wechselnden Angaben zu Fristen und Gültigkeiten".

Dadurch habe die Enwag "einen unfassbar hohen Verwaltungsaufwand bei gleichzeitigem Fachkräftemangel", so Hartmann. Ärgerlich sei, "dass wir Energieversorger bei diesen politischen Entscheidungen nicht ausreichend konsultiert werden, aber für die Umsetzung zuständig sind".

Energiekrise belastet weiter

Als zweiten Einflussfaktor auf das Ergebnis nennt er die Energiekrise. 2022 habe die Enwag "große Mengen an Strom und Gas zu exorbitant hohen Preisen" eingekauft. "Das ist in die Portfolio-Durchschnittspreise für das Berichtsjahr 2023 eingeflossen", erläutert Geschäftsführer Hartmann.

Ein Grund dafür dürften auch diejenigen Kundinnen und Kunden gewesen sein, die nach Kündigung oder Pleite ihres Energiediscounters Ende 2021 in die Grundversorgung fielen. Viele Grundversorger mussten daraufhin zusätzliche Mengen zu hohen Preisen einkaufen.

An ihrer risikoarmen, da langfristigen Beschaffungsstrategie über mehrere Jahre wolle die Enwag vor dem Hintergrund der Versorgungssicherheit aber festhalten, kündigte sie an. Erfreulich sei zudem, dass viele dieser Kundinnen und Kunden geblieben seien und "nach ihren Erfahrungen mit den Discountern nun auf den soliden Versorger vor Ort" setzen.

Investitionen bleiben hoch

Die Investitionen sind darüber hinaus mit rund 8,3 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres geblieben. Das Geld floss sowohl in neue Erzeugungsanlagen als auch in die Instandhaltung und den Ausbau der Netze. Der Versorger rechnet damit, dass der Investitionsbedarf in Zukunft steigen wird – etwa aufgrund des Erneuerbarenzubaus.

"Sorgen" bereite der Enwag allerdings der Weiterbetrieb des öffentlichen Ladenetzes im nächsten Jahr. Ab dem 1. Januar 2025 dürfen integrierte Versorger nicht auch noch das lokale Ladenetz betreiben. In Wetzlar und der Region betreibt das Unternehmen aktuell mehr als 50 öffentliche Ladepunkte.

Die Enwag vertreibt Strom, Erdgas sowie Wärme und betreibt sowohl das Strom-, Erdgas- und Wassernetz in Wetzlar als auch die Erdgasnetze in Aßlar, Leun und Solms. (dz)