Nach dem Wegfall des Bundeszuschusses für die Netzentgelte zum Jahreswechsel in Milliardenhöhe sieht Eon von der Weitergabe dieser Mehrbelastung an seine Grundversorgungskunden ab. "Eon wird in den nächsten Monaten keine Anpassungen für die Grundversorgungskunden vornehmen", sagte Eon-Finanzvorstand Marc Spieker bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Essen auf ZfK-Nachfrage.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023 hat Eon ein Rekordergebnis eingefahren.
Ewig werde das allerdings so nicht bleiben, sagte Spieker auf die Nachfrage der ZfK. Generell wolle der Konzern regelmäßig die Entwicklung der Großhandelspreise prüfen und gegebenenfalls Haushalten Preissenkungen zugutekommen lassen. Zum 1. Juni übernimmt Spieker als Vertriebsvorstand den Geschäftsbereich Kundenlösungen bei Eon. Als seine CFO-Nachfolgerin rückt Nadia Jakobi auf.
Reguläre Mehrwertsteuer kehrt zurück
Sicher kommt hingegen die Weitergabe der Mehrwertsteuer an die Endkunden, die zum 1. April ihr normales Niveau erreicht, hieß es weiter aus Essen. Insgesamt zählt Eon 14 Millionen Strom- und Gasendkunden, davon beziehen laut Eon "mehrere Millionen Kunden" Energie zu Grundversorgungstarifen.
Nicht alle größeren Grundversorger können sich einen Verzicht auf die Weitergabe der Netzentgelterhöhung leisten. So hatte beispielsweise der Oldenburger Versorger EWE im Februar angekündigt, die Grundversorgungstarife aufgrund gestiegener Netzentgelte und einer gestiegenen Industrieumlage zum 1. April anzuheben. Auch EnBW-Kunden müssen sich ab April auf höhere Strom-Grundversorgungstarife gefasst machen. Das kündigte der Karlsruher Konzern im Februar dieses Jahres an.
Keine Entlastung, sondern Verlagerung
"Wir sehen zwar bei den Privatkunden eine deutliche Entlastung, weil wir mit der EEG-Umlage einen Teil der Stromrechnung in das Steuersäckel verlagert haben", sagte Eon-CEO, Leonhard Birnbaum. Auf der anderen Seite sei das durch die steigenden Infrastrukturkosten, sprich Netzentgelte, kompensiert worden. Auf den ersten Blick sehe es nach einer Entlastung aus, nur zahlen sie einen Teil jetzt als Steuerzahler, so Birnbaum.
Auf die ZfK-Frage, ob sich der Konzern nach der ausgestandenen Beschaffungskrise wieder einen höheren Gasabsatz wünscht, betonte Spieker, dass ihm für eine nachhaltige Ausrichtung ein "starker Wirtschaftsstandort" wichtiger ist. Entwickle sich die Wirtschaft in Deutschland gut, steige auch der Energieabsatz, sagte der künftige Vertriebschef Spieker.
Preissteigerung senkt Akzeptanz
Trotz des Preisverfalls an den Großhandelsmärkten sei die Krise noch nicht ausgestanden, die Preise hätten das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht, sagte Birnbaum weiter. Der Druck bei den Industriekunden ist noch da. Vor allem aufgrund der steigenden Kosten sehe er einen Rückgang der Akzeptanz für die Energiewende und den Klimaschutz.
Er verwies auf die aktuellen Umfrageergebnisse, die diese Entwicklung vor allem in den ländlichen Gegenden Deutschlands feststellte. "Wir müssen um die Wiedergewinnung der Akzeptanz für die Energiewende kämpfen", sagt der CEO weiter. Ein Instrument dafür wäre aus seiner Sicht ein offener Umgang mit dem Thema Bezahlbarkeit. (am)



