Auf dem Panel waren (v.l.): Marika Püspök, (Wiener Stadtwerke), Sonja Witte (BSR), Klaus Hinkel (ZfK), Tilo Hacke (DKB) und Ulrike Franzke (Stadtentwässerungsbetriebe Köln).

Auf dem Panel waren (v.l.): Marika Püspök, (Wiener Stadtwerke), Sonja Witte (BSR), Klaus Hinkel (ZfK), Tilo Hacke (DKB) und Ulrike Franzke (Stadtentwässerungsbetriebe Köln).

Bild: © Jannis Hutt/ZfK

ESG stellt die Unternehmen auf den Kopf – mit der CSRD-Berichterstattung kommt auf viele eine neue umfangreiche Aufgabe zu. Auf der ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz berichteten drei kommunale Unternehmen aus Wien, Berlin und Köln sowie die DKB, wie sich diese Entwicklung auf ihr Geschäft auswirkt.

„ESG ist Organisationsentwicklung pur“, erklärt Marika Püspök, die seit Anfang des Jahres die neu geschaffene Position Chief Climate Officer bei den Wiener Stadtwerken innehält. Aktuell entwickle sich das Unternehmen daher von einer strategischen Management Holding hin zu einer operativen Management Holding.

Marika Püspök, Chief Climate Officer bei den Wiener Stadtwerken, bei ihrer Keynote.

Bild: © Jannis Hutt/ZfK

ESG betreffe alle Bereiche des Unternehmens und müsse daher überall integriert werden. Zwischen dem Finanzbereich und ihrem Zuständigkeitsbereich gäbe es dazu etwa ein gemeinsames Programm. Die Wiener haben zudem eine hauseigene Beratung, die Führungskräfte beim Changemanagement unterstützt. „Ich kann das nur empfehlen, gerade beim ESG-Thema“, sagt Püspök.

Als Climate Officer ist Püspok auch von ihrem Assetmanagement gefordert, das stände „fast jeden Tag“ an der Bürotür und würde nach Kennzahlen für die Finanzierung fragen.

Regulierung geht laut Bänker in die richtige Richtung

Die Bedeutung der Finanzierung in der Energiewende unterstreicht auch noch einmal der DKB-Vorstand Tilo Hacke: „Diese Transformation ist nun mal kapitalintensiv.“ Ein großer Teil davon werde durch klassische Finanzierung etabliert werden „Und das ist natürlich genau der Ansatz, den auch die EU-Kommission verfolgt“. Der Grundgedanke sei, über Regulatorik für die Banken in die Realwirtschaft einzugreifen, um diese nachhaltiger im Sinne des Green Deals zu gestalten. „Es ist richtig, dass wir jetzt zu mehr datengestützten Managemententscheidungen kommen.“

Allerdings sei ein Teil der Regulatorik bezüglich der GAR (Green Asset Ratio) fehlleitend, kritisiert der Bänker. So könnte diese dazu führen, dass eine Investition in französische AKWs für ein Kreditinstitut attraktiver sei als die Anlage in deutsche Windparks.

Viele Daten wurden bisher nicht erhoben

„Als Wasserunternehmen machen wir seit Jahren Nachhaltigkeitsberichterstattung und erheben viele Daten“, erklärt Ulrike Franzke, Vorständin der Stadtentwässerungsbetriebe Köln. „Als wir uns die CSRD-Richtlinien das erste Mal angeschaut haben, waren wir aber verblüfft: Wir haben von den dort geforderten Datenpunkten nicht mal ein Zehntel erhoben.“

Dafür sei die CSRD nun ein Treiber dafür, die Datenerfassung zu digitalisieren, auf mehr Datenkonsistenz zu achten und vor allen Dingen auch dafür zu sorgen, dass die Daten nicht nur für einen Bericht erhoben werden, sondern dass diese auch zur Steuerung im Unternehmen eingesetzt würden.

Eine Chance für die Unternehmenslenkung

„Ich sehe hier auch eine Chance, um über Allokationen zu sprechen“, sagt Sonja Witte, Leiterin des Stabsbereich Strategie und Unternehmensentwicklung der Berliner Stadtreinigungsbetriebe. „Wenn sie eine Wesentlichkeitsanalyse gemacht haben und dort zeigt sich, in welchen Bereichen sie noch Bedarfe haben, dann muss das aus meiner Sicht auch einen Einfluss darauf haben, wo finanzielle und andere Ressourcen allokiert werden.“

Die Stimmung in der Branche ist hier eindeutig: Die CSRD-Berichterstattung bedeutet einen großen Aufwand. „Ich kann aber auch kleine Unternehmen, die vielleicht nicht sofort berichtspflichtig sind, nur aufrufen, sich trotzdem ganz klar mit diesem Thema zu beschäftigen“, sagt Hacke. „ESG wird nicht mehr weggehen.“ Wer nicht direkt selbst berichten müsse, könnte über Scope Drei Finanzierung auf jeden Fall miteinbezogen werden oder bei der Fremdfinanzierung. Im schlimmsten Falle käme ein Unternehmen irgendwann gar nicht mehr als Geschäftspartner in Frage, weil es keine Daten liefern kann.

„Ich merke auch eine gewisse Müdigkeit zum Thema Nachhaltigkeit, weil wir im Moment halt diese sehr mühsame Etappe haben“, sagt Hacke. Das Engagement dafür sei im Ende allerdings ohne Alternative.

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(pfa)

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