Die Dekarbonisierung der Fernwärme in vielen Städten erfordert erhebliche Investitionen, gleichzeitig verändert sich dadurch der Erzeugungsmix in der Wärmeversorgung. Das wird sich künftig auch vielerorts in einer anderen Systematik bei der Wärmepreiserstellung widerspiegeln. "In den nächsten Jahren werden fast alle Preisklauseln umgestellt werden, weil der Wechsel von traditionellen Heizkraftwerken zu Erneuerbaren/Abwärme die ja nach § 24 Abs. 4 AVBFernwärmeV maßgebliche Kostenstruktur völlig umkrempelt“, sagt die auf Energierecht spezialisierte Rechtsanwältin Miriam Vollmer aus Berlin.
Bisher habe der Brennstoff im Mittelpunkt gestanden, also der Arbeitspreis. „Künftig machen diese laufenden Kosten anteilig nicht mehr so viel aus. Statt dessen wird die Infrastruktur wichtiger. Wir erleben also einen Shift vom Arbeitspreis zum Grundpreis“, erklärt Vollmer auf Anfrage der ZfK.
Alle Bestandskunden-Verträge müssen gekündigt werden
Die Mainova hat in den vergangenen Tagen eine entsprechende Anpassung angekündigt, hat die Änderungen aber noch nicht näher spezifiziert. Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) haben gestern eine neue Preisregelung für Neukunden ab Oktober in Aussicht gestellt. Für die Fernwärme-Bestandskunden wird die neue Preisregelung erst ab August 2025 gelten. Weil sich die Vertragsbedindungen ändern, müssen zuerst die aktuellen Versorgungverträge gekündigt und dann ein neuer Vertrag geschlossen werden. Ein immenser Aufwand, der regulatorische Gründe hat. Unterm Strich werden die Fernwärmepreise deutlich steigen, je nach Verbrauch sind laut Angaben des Unternehmens Preisanstiege von 10 bis 14 Prozent möglich.
„Mit der neuen Fernwärmepreisregelung schafft TWL eine gerechtere Kostenstruktur und eine klare Trennung zwischen den verbrauchsabhängigen Kosten, abgebildet im Verbrauchspreis, und den verbrauchsunabhängigen Kosten, abgebildet im Grundpreis“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Grundpreis decke die Fixkosten der TWL als Wärmelieferant ab, zum Beispiel für Investitionen in Anlagen zur Wärmeerzeugung sowie Kosten für das Personal und für den Aufbau und die Erhaltung des Leitungsnetzes.
Höherer Grundpreis, niedrigerer Verbrauchspreis
„Die Preisstufen im Grundpreis der Fernwärme fallen künftig weg und die Kunden werden mit ihrem exakten Leistungsbedarf (Preis pro kW) abgerechnet“, heißt es weiter. Für Kunden mit eigenem Anschluss bedeute die neue Preisregelung einen höheren Grundpreis für ihre Anschlussleistung, gleichzeitig reduziere sich der Verbrauchspreis deutlich. Für Kunden der „wohnungsweisen Versorgung“ werde die derzeitige Grundpreisregelung durch eine einheitliche Grundpreispauschale ersetzt, gleichzeitig steige hier der Verbrauchspreis.
Mit den neuen Versorgungsverträgen passt TWL zudem die Anschlussleistung an und reduziert diese nach eigenen Angaben um 30 Prozent. Die Absenkung der Netztemperaturen sei ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung der Einbindung von regenerativen Erzeugungsquellen und zur Anpassung an die klimatischen Veränderungen der letzten Jahre. Dies habe keinen Einfluss auf den Wärmekomfort der Kunden.
Investitionen erfordern Neukalkulation der Preise
„In den letzten Jahren hat sich die Kostenstruktur in der Fernwärmeversorgung erheblich verändert“, schreibt die TWL. Aufgrund der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung werde diese Entwicklung weiter anhalten. Der Fernwärmeanteil in Ludwigshafen liegt aktuell bei rund 27 Prozent und soll bis 2040 auf über 50 Prozent gesteigert werden. Man arbeite kontinuierlich daran, den Anteil der Fernwärmeerzeugung aus regenerativer Energie und Abwärme zu erhöhen, bestehende Anlagen zu erneuern, das Bestandsnetz instand zu halten und an neue Technologien anzupassen sowie das Netz weiter auszubauen.
"Um die dafür notwendigen Investitionen stemmen zu können, mussten wir unsere Preise neu kalkulieren“, erklärte der kaufmännische Vorstand von TWL, Dieter Feid. Die derzeitigen Fernwärmetarife der TWL lägen aktuell bei rund 20 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt. „Das war und ist nicht mehr kostendeckend. Auch ohne einen weiteren Ausbau der Fernwärme wäre eine Preisanpassung unvermeidbar gewesen“, betont Feid. Die gesamte Berechnung der Kostenbasis und das Vorgehen bei der Kalkulation der neuen Preise wurden durch einen externen Prüfer überprüft und bestätigt.
TWL erhofften sich langfristig mehr Preisstabilität
Durch die neue Gewichtung von Grund- und Verbrauchspreis und die damit verbundene Verlagerung der Erlöse würden die Preise zukünftig nicht mehr so stark schwanken. „Gerade vor dem Hintergrund der zu erwartenden, steigenden Energiekosten ist diese angestrebte langfristige Preisstabilität für unsere Kunden ein Vorteil“, ist Dieter Feid überzeugt. Die notwendigen Investitionen in die Wärmewende würden künftig zu einer effizienteren Wärmeerzeugung führen. Davon würden letztlich auch die Kunden durch sinkende Verbrauchspreise profitieren. (hoe)



