Dirk Thole übernahm die Geschäftsführung der Stadtwerke Flensburg im März 2023.

Dirk Thole übernahm die Geschäftsführung der Stadtwerke Flensburg im März 2023.

Bild: © Andreas Grosse

Die Stadtwerke Flensburg legen mit ihrem Ergebnis für 2023 einen Quantensprung zurück, die Hintergründe sind für das kommunale Unternehmen aber nicht unbedingt erfreulich.

Für 2021 steckten die Schleswig-Holsteiner noch einen Ergebnisrückgang von 18 auf knapp zwei Mio. Euro ein. In 2022 lag der Gewinn schließlich 40 Mio. Euro, doch das aktuelle Geschäftsergebnis 107,9 Mio. Euro nach Steuern wird laut Geschäftsführer Dirk Thole ein einmaliger Ausreißer bleiben.

Für Dirk Thole ist es der erste Jahresabschluss als Geschäftsführer in Flensburg. Er übernahm die Geschäftsführung der Stadtwerke kurzfristig im März 2023, nachdem sein Vorgänger Dirk Wernicke von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung entlassen wurde. Tholes Vertrag wurde mittlerweile bis Juni 2026 verlängert.

Überschüssige Mengen am Markt verkauft

Das Ergebnis erklärt sich mit dem Gas und Stromvertrieb. Überschüssige Mengen konnten die Stadtwerke gewinnbringend verkaufen.

"Das war eine ganz bittere Aktion, aber diente zur Selbsterhaltung."

Beim Erdgas ging der Absatz zurück, nachdem sich die Stadtwerke Flensburg aus dem bundesweiten Erdgas-Vertrieb an Produktkunden zurückgezogen hatten. Angesichts von Beschaffungsschwierigkeiten entschied der Versorger, den regionalen Markt, also die eigene Fernwärme in Flensburg und Erdgaskunden in Schleswig-Holstein, zu priorisieren. Bundesweit kündigte der Versorger daraufhin mehreren tausend Kunden. Zudem wurde die Fernwärmeversorgung krisenbedingt auf Kohle umgestellt. Die überschüssige Menge wurde verkauft. "Das war eine ganz bittere Aktion, aber diente zur Selbsterhaltung."

Stromkunden waren 2023 wechselfreudig

Beim Strom verließen bundesweit Kunden freiwillig das Stadtwerk. "Viele sind zu ihrem Grundversorger gegangen und haben dort auf Sicherheit und die damals niedrigeren Preise gesetzt", erläutert der Geschäftsführer. "Wir haben in den letzten zwei Jahren deutschlandweit etwa über 50.000 Stromkunden verloren." So kam es hier wiederum zu Strommengen, welche die Flensburger verkauften.

Mit den Kundenverlusten gibt sich Dirk Thole nicht zufrieden. "Diesen Kundenverlust wollen wir in den nächsten drei Jahren ausgleichen." Aktuell hätten die Stadtwerke etwa 180.000 Stromkunden, davon knapp 60.000 in Flensburg. "In 2024 haben wir gut 10.000 gewonnen und wenn es gut läuft, werden wir noch weitere 10.000 gewinnen."

Bundesweiter Erdgasvertrieb

Auch beim Erdgas sind die Flensburger wieder im bundesweiten Vertrieb unterwegs. Ende des Jahres, hatten die Stadtwerke in ihrem Bundesland etwa 4.000 Kunden. "Wir liegen jetzt schon nach den ersten fünf Monaten etwa bei 11.000 Kunden." Diese sind deutschlandweit gestreut.

Der Stromabsatz ging von auf 2.737 Gigawattstunden (GWh) auf 2510 GWh in einem schwierigen Markt zurück. Insgesamt machten die Stadtwerke Flensburg 71 Prozent ihres Umsatzes im Stromsegment.

Investitionen werden vorbereitet

Den größten Teil werden die Stadtwerke Flensburg zur Erhöhung ihrer Eigenkapitalquote einsetzen, die von 32,9 auf 42,2 Prozent steigt, und damit ihre Finanzkraft stärken. Thorsten Kjaersgaard, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Flensburg, sagt warum: "Das ist auch notwendig. Die Stadtwerke benötigen dieses Kapital, um ihre Investitionen in die Klimaneutralität und die Zukunft der gesamten Region zu finanzieren." Vier Projekte mit einem Finanzierungsbedarf von rund einer halben Milliarde Euro sollen bis 2035 die Zukunft des Unternehmens und der Region sichern, müssen aber auch finanziert werden.

Die Transformation des Energiesystems zur Klimaneutralität bis 2035, die Umstellung des Busbetriebes auf E-Busse, der flächendeckende Ausbau des Glasfasernetzes, der Bau einer neuen Stromanbindung an das deutsche Stromnetz sowie die Digitalisierung sollen rund eine halbe Milliarde Euro kosten. "Auch wenn ein Teil dieser Investitionen staatlich gefördert wird, bleibt doch ein großer Teil, den die Stadtwerke Flensburg selbst stemmen müssen", sagt Kjaersgaard.

Auch wenn ein hoher Anteil des Ergebnisses in das Eigenkapital der Stadtwerke Flensburg einfließt, profitieren auch die Stadt Flensburg und die Kunden von den Zahlen: So wird die Gewinnabführung an die Stadt von 4 auf 18 Mio. Euro erhöht.

Fernwärmekunden wurden entlastet

Die Fernwärmekunden der Stadtwerke Flensburg haben rückwirkend ein Entlastungspaket von insgesamt 16 Mio. Euro erhalten. Mit einer Zahlung von rund 400 Euro pro Haushalt haben die Stadtwerke Flensburg die überraschend bereits zum 31. Dezember 2022 ausgelaufene Preisbremse der Bundesregierung für ihre Kunden nahezu komplett ausgeglichen.

Bereits heute sehen die Stadtwerke Flensburg eine Senkung der Fernwärmepreise um rund 20 Prozent zum Beginn des nächsten Jahres. (pfa)

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