Die Stadtwerke Bad Belzig (SWBB) befinden sich derzeit in einem Insolvenzverfahren. Darin wird die Zukunft des kommunalen Versorgers geklärt. (Symbolbild)

Die Stadtwerke Bad Belzig (SWBB) befinden sich derzeit in einem Insolvenzverfahren. Darin wird die Zukunft des kommunalen Versorgers geklärt. (Symbolbild)

Bild: © Coloures-Pic/AdobeStock

Die Folgen der Insolvenz von Landwärme des Biomethanlieferanten sind noch unklar. Nach eigenen Angaben beliefert das Unternehmen "Hunderte Energieversorger und Stadtwerke mit Biomethan". Allerdings kündigte Landwärme an, "sowohl die Beendigung als auch die Modifizierung von nachteiligen Verträgen" prüfen zu wollen.

Prüfung sei ein Prozess

Auf Nachfrage erklärte eine Sprecherin gegenüber der ZfK, das sich das Unternehmen in Eigenverwaltung sanieren möchte, die Prüfung der Verträge sei "ein Prozess, an dessen Anfang wir erst stehen". Deshalb könne sich Landwärme zu dieser Frage nicht äußern. 2023 stellte bereits der Mitbewerber BMP Greengas einen Antrag auf Insolvenz. Dieser hatte Biomethan langfristig verkauft, die entsprechenden Mengen jedoch nicht ausreichend abgesichert.

Daraufhin passte BMP Greengas viele Lieferverträge an. Den entstandenen Schaden bei den Stadtwerke-Kunden schätzte der VKU damals auf "mindestens 150 Millionen Euro".

Buhmann Umweltministerium

Landwärme bietet auch den Quotenhandel mit Treibhausgas (THG) als Dienstleistung an und begründet den Insolvenzantrag mit "dem seit Anfang 2023 andauernden Preisverfall" in dem Bereich. Ausgelöst "durch falsch deklarierten Biodiesel und zahlreiche andere  mutmaßliche Betrugsfälle bei Upstream-Emission-Reduction-Projekten".

Die Schuld gibt das Unternehmen der Politik und den zuständigen Behörden, die diese Fälle nicht konsequent genug verfolgt und bekämpft hätten. Auch Horst Seidel, Präsident des Fachverbands Biogas, sieht das so. Die Probleme wären vermeidbar gewesen, "wenn der Gesetzgeber, allen voran das Bundesumweltministerium, sich beherzt der andauernden Marktmanipulation im Kraftstoffsektor entgegengestellt hätte", heißt es in einer Mitteilung. Betroffen seien neben Landwärme "auch viele weitere Unternehmen im Kraftstoffsektor", so Seidel. Betrugshinweise habe es seit 2022 gegeben.

ASEW erwartet "Kostennachteile"

Das Stadtwerke-Netzwerk ASEW rechnet mit "Kostennachteilen" für Kunden, die von Landwärme mit Biomethan beliefert werden. Das sei absehbar, erklärte Kara Hoffmann, Gruppenleiterin Ökoenergie-Produkte, auf ZfK-Anfrage. "Viele Stadtwerke könnten betroffen sein."

Sie warnt zudem vor möglichen Auswirkungen auf den Markt für Biomethan im Wärmesektor. Zwar sei es noch zu früh, dies endgültig zu beurteilen. "In jedem Fall aber ist das Potenzial da, die Wärmewende auszubremsen", meint Hoffmann.

Verivox: Markt "überflutet"

Tatsächlich sind die Preise für THG-Quoten laut dem Vergleichsportal Verivox in diesem Jahr "deutlich" eingebrochen. Waren es 2023 noch 200 bis 300 Euro, ließen sich aktuell nur noch durchschnittlich etwa 100 Euro erzielen. Verivox führt das unter anderem darauf zurück, dass der Markt mit Quoten "überflutet" werde. Aufgrund der wachsenden Zahl von E-Autos, Änderungen im Strommix und externe Einflüsse "wie falsch deklarierte Biokraftstoffe aus dem Ausland", schreibt die Plattform.

Landwärme selbst unterstreicht, dass sich alle weiteren Geschäftsfelder hingegen positiv entwickelten. "Dazu zählen das EEG-, GEG- und LNG-Geschäft für die Schifffahrt, die unabhängig vom kränkelnden THG-Quotenmarkt" sind. (dz)

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