Die Berliner Gasag investiert kräftig in die Wärmewende in der Landeshauptstadt.

Die Berliner Gasag investiert kräftig in die Wärmewende in der Landeshauptstadt.

Bild: © Gasag

Im kommenden Monat wird in Berlin die kommunale Wärmeplanung veröffentlicht. Bis zu 25 Prozent der Flächen werden wohl als Prüfgebiete mit teils hohem Wärmebedarf ausgewiesen. Dort ist noch nicht klar, welche Wärmelösung künftig zum Einsatz kommen wird. Die Gasag sieht nicht nur hier Vertriebschancen für ihr wachsendes Geschäft mit Energiedienstleistungen (EDL) und Quartierslösungen. Dieses ist in den vergangenen Jahren signifikant gewachsen.

Hunderte Wärmepumpen werden pro Jahr verkauft, das Akquisitionsvolumen im Jahr 2025 lag bei über zehn Millionen Euro. Im laufenden Jahr sollen rund 1000 Anlagen in diesem Geschäftsfeld verkauft werden, darunter vor allem Wärmepumpen. 2025 machten diese rund 60 Prozent der verkauften Anlagen im Bereich EDL aus, so Vertriebsvorstand Matthias Trunk bei der Bilanzpressekonferenz gegenüber der ZFK.

"Moderate Auslegung von Kanu 2.0"

Auch wenn laut Gasag-Vorstandsvorsitzendem Georg Friedrichs "fast jeder Ball, der regulatorisch und gesetzgeberisch für uns relevant ist, sich aktuell in der Luft befindet, sehen wir keinen Anlass, uns fundamentale Sorgen zu machen", kommentierte er. Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), Grüngasquote, Biotreppe – Friedrichs sieht erste positive Signale für den Einsatz grüner Gase im Wärmemarkt. Es handle sich hier nicht um gänzlich neue Regelungen, auch das Gebäudeenergiegesetz der rot-grünen Koalition habe eine Regelung für Grüngasbeimischungen in die Gasthermen enthalten.

Zudem habe nicht allein das Gebäudemodernisierungsgesetz eine wichtige Steuerungswirkung, sondern ebenso das Förderregime. Hier zeichneten sich keine Änderungen ab. Teile der Branche erhoffen sich vom GMG auch eine Zukunftsperspektive für größere Teile ihrer Gasnetzinfrastruktur, gleichzeitig haben viele die vorzeitigen Abschreibungsmöglichkeiten durch die Richtlinie Kanu 2.0 bereits intensiv genutzt. "Da der künftige, energiewirtschaftliche Rahmen aktuell im Land noch austariert wird, haben wir uns für eine moderate Anwendung für 2.0 entschieden", versicherte Finanzvorstand Stefan Hadré. Dies lasse die nötige Flexibilität auch mit Blick auf noch viele offene regulatorische Fragen.

Kapitalintensive Projekte im Bereich Wärmenetze

Vorgezogene Abschreibungen im Rahmen der Richtlinie Kanu 2.0 haben der Gasag im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 25 Prozent bei den Netznutzungsentgelten beschert. Dies und die Zuwächse im EDL-Geschäft sowie beim Strom- und Gasbasatz sowie Kundengewinne im Vertrieb sorgten im Geschäftsjahr 2025 für einen deutlichen Anstieg des operativen Ergebnisses (Ebit) auf 144 Millionen Euro (2024: 91 Millionen Euro), der Jahresüberschuss legte auf 102 Millionen Euro (2024: 58 Millionen Euro) zu.

Die Investitionen bewegten sich mit 184 Millionen Euro auf Rekordniveau, die nächsten Jahre dürfte das Investitionsniveau regelmäßig die 200-Millionen-Euro-Marke übersteigen. Das Wachstum im Bereich EDL und größerer Quartierslösungen zieht Investitionen in sehr kapitalintensive Projekte mit sich, bei größeren Wärmenetzen könnten diese auch schon mal im dreistelligen Bereich liegen. "Das ist für die Gasag Neuland", so der Gasag-Vorstandsvorsitzende Friedrichs. Er wertete das Ergebnis und die umgesetzten Investitionen in 2025 als Signal, dass man die anstehenden Investitionsherausforderungen in den nächsten Jahren aus eigener Kraft stemmen könne.

"Vertriebsgeschäft ist hervorragend gelaufen"

Die Finanzstärke der Gasag hängt auch mit der Besonderheit des nach wie vor großen Gasnetzes zusammen, das für signifikante, planbare Einnahmen sorgt. Ganz besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Energieversorger durch die Verlängerung der Gasnetzkonzession bis 2034 im vergangenen Jahr entsprechende Planungssicherheit hat.

Das Vertriebsgeschäft ist laut dem zuständigen Vorstand Matthias Trunk im vergangenen Jahr "hervorragend gelaufen". Die Gasag versorgt aktuell rund 700.000 Haushalte mit Strom und Gas, rund ein Drittel davon sind Stromkunden. Die Kundenzahl soll in den nächsten Jahren auf 750.000 gesteigert werden.

Interesse an Dekarbonisierung im Wohnungsbau ungebrochen

"Wir haben aus der Energiekrise 2022/23 viel gelernt und sind aufmerksamer, schlauer und professioneller geworden und haben dafür im letzten Jahr die Ernte eingefahren", so Trunk. Auch Investitionen in Digitalisierung und künstliche Intelligenz hätten dazu beigetragen. Am meisten Freude macht dem Vertriebsvorstand aber die Entwicklung im Bereich EDL und Quartiersprojekte, dort habe die Gasag in Berlin Marktanteile hinzugewinnen können.

Auch wenn aufgrund vieler regulatorischer Unklarheiten und Unsicherheiten viele Haushalte und Gewerbebetriebe weiterhin mit ihren Investitionen zuwarteten, hält es Trunk nicht für ausgemacht, dass das Gebäudemodernisierungsgesetz in Summe erst einmal die Unsicherheiten weiter erhöhe und zu weniger Wärmeprojekten führen werde. Das Gros der Wohnungen in Berlin gehöre Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften. Diese wollten grundsätzlich weiter in die Dekarbonisierung investieren. Durch die angedachte Aufteilung gewisser Kosten zwischen Vermietern und Mietern sieht Trunk weiterhin entsprechende Anreize, um in die Umstellung von Heizungssystemen zu investieren.

Preiserhöhungen im Gasbereich perspektivisch möglich

Die jüngsten Verwerfungen an den Energiemärkten im Zuge des Iran-Kriegs sieht man bei der Gasag einigermaßen gelassen, zumal die Großhandelspreise für Erdgas sowohl im Spot- als auch im Terminmarkt mittlerweile wieder deutlich gesunken sind. Nach zwei Preissenkungen im laufenden Jahr werde man die Preise bis Ende des Jahres stabil halten können, so Trunk. Aufgrund der Preissprünge in den vergangenen zwei Monaten könne er speziell im Gasbereich aber Preiserhöhungen im kommenden Jahr nicht ausschließen. "Wir werden aber sicher nicht die ersten im Markt sein, die erhöhen", so Trunk.

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