Mitarbeiter der EnviaM-Gruppe an einem Mitnetz-Mast

Mitarbeiter der EnviaM-Gruppe an einem Mitnetz-Mast

Bild: © EnviaM

Die erneuerbare Erzeugung im Netzgebiet von Mitnetz lag im Jahr 2025 bei 133 Prozent des Letztverbraucherabsatzes. Laut dem CEO der EnviaM-Gruppe, Stephan Lowis, bilden erneuerbare Energien damit das "Rückgrat des Netzes". "Unser Netzgebiet ist Vorreiter bei der Einspeisung erneuerbarer Energien", sagte Lowis beim Jahrespressegespräch am Donnerstag.

Auf der Konferenz gab das Unternehmen die Geschäftszahlen des Jahres 2025 bekannt und stellte sich Fragen. Auf Nachfrage wurde deutlich: Trotz eines Überhangs an erneuerbarer Erzeugung befürwortet EnviaM etwa einen harten Einschnitt beim Anschluss neuer Anlagen in Engpassgebieten.

EnviaM versteht sich selbst als Erneuerbaren-Vorreiter

Mit Blick auf die Zukunft in der Region verstehe man sich als Taktgeber der Transformation. Neben der europäischen digitalen Souveränität spiele die Energiewende eine entscheidende Rolle. Im Jahr 2025 ist der EnviaM ein großer Sprung bei der installierten Leistung gelungen. Allein im Jahr 2025 wurden nach Unternehmensangaben über 12 Gigawatt (GW) erneuerbare Erzeugungsleistung im Netzgebiet angeschlossen.

  • EnviaM ist eine ostdeutsche Regionalenergiegesellschaft, die mehrheitlich zum Eon-Konzern gehört. Der Netzbetreiber Mitnetz gehört der EnviaM-Gruppe an.

Der weitere Ausbau erneuerbarer Erzeugeranlagen sei gerade vor dem Hintergrund globaler Krisen unverzichtbar, so Lowis. Die momentane Preiskrise, die durch die Iran-Krise ausgelöst wurde, hat auf Bestandskunden im Gasbereich bisher keinen Effekt, weil man frühzeitig einkaufe und langfristig plane, sagte der Vorstand. Für Neukunden im Sondertarif würden jedoch Preisanpassungen anstehen – spätestens im nächsten Jahr.

Stephan Lowis: Vorsitzender des Vorstandes und Vorstand Finanzen (CEO) der EnviaM-GruppeBild: © EnviaM

Den Vorstoß aus dem Wirtschaftsministerium, neue Erneuerbare-Energien-Anlagen in sogenannten Engpassgebieten nur noch anzuschließen, wenn sie zehn Jahre lang auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten, befürwortet man bei EnviaM. Engpassgebiete sollen Netzbereiche sein, in denen im Vorjahr mindestens drei Prozent der Stromerzeugung abgeregelt wurden, sogenannter Redispatch.

Energiewirtschaftsverbände, Stadtwerke und Unternehmen hatten die Regelung zuletzt immer wieder stark kritisiert. Vielfach wurden Bedenken laut, dass der Redispatchvorbehalt die "Energiewende abwürgen" könnte. Publik wurde das Vorhaben aus dem Haus von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) durch einen Entwurf des Netzpakets, der durchgestochen wurde.

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Netzgebiet von Mitnetz-StromBild: © vdi.de

Deshalb steht EnviaM hinter Reiches Redispatchvorbehalt

Vorweg: Vor ihrer Ernennung zur Bundesministerin für Wirtschaft und Energie war Katherina Reiche (CDU) Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers Westenergie, der ebenso wie die EnviaM eine Eon-Tochter ist. Ursprünglich soll die Idee eines Redispatch-Vorbehalts von Edis Netz, ebenfalls einer Eon-Tochter, stammen. 2023 schrieb ihn Edis in einem Positionspapier fest. Bis heute zählt das Unternehmen zu den stärksten Verfechtern des Ansatzes.

Obwohl EnviaM ganz offensichtlich einen starken Fokus auf erneuerbare Energien legt, stellt sich das Unternehmen hinter den Redispatchvorbehalt. Auf Nachfrage der ZFK sagte Stephan Lowis: "Das, was Katherina Reiche und das Bundeswirtschaftsministerium vorhaben, ist notwendig aus unserer Sicht."

Es gäbe eben Gebiete, in denen es keinen Sinn ergäbe, weitere erneuerbare Erzeuger aufzustellen, denn man wisse, dass man dort abregeln müsse. "Es kann nicht richtig sein, dass wir diese Kosten akzeptieren, weiterhin sehenden Auges." Lowis verstehe, dass der Redispatchvorbehalt auch Unsicherheiten auf Projektiererseite mit sich bringen würde. Man sei im Bereich der EnviaTherm, ebenfalls Teil der EnviaM-Gruppe, selbst davon betroffen. Netzbetreiber in Deutschland würden derzeit den Erneuerbaren regelrecht "hinterherhecheln", teils ohne den Strom abtransportieren zu können, das müsse aufhören.

Heizungsgesetz: Unsicherheit muss aufgelöst werden

Das Netzpaket ist nicht das einzige Gesetzesvorhaben aus dem Wirtschaftsministerium, das im Kreuzfeuer der Kritik steht. Kritische Blicke liegen auch auf dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), das das Gebäudeenergiegesetz (GEG), besser als Heizungsgesetz bekannt, ablösen soll.

Mit Vorschlägen wie Biotreppe und Grüngasquote könnte sich auch für Mitnetz Gas, Teil der EnviaM-Gruppe, einiges an Herausforderungen ergeben. "Ich verstehe die Intention, dort (im GMG – Anm. d. Red.) jetzt die Wärmewende anzugehen, und auch die aufgeheizte Diskussion, was zukünftig im Heizungskeller steht und was nicht", beschreibt Lowis seinen Blick auf die Heizungsdiskussion. Trotzdem herrsche weiterhin Unsicherheit – trotz des vorliegenden Referentenentwurfs. Gesetze kämen selten so aus dem parlamentarischen Verfahren, wie sie reingegangen sind Am 13. Mai will das Bundeskabinett das GMG beschließen und ans Parlament übergeben. Bis dahin läuft noch die Länder- und Verbändeanhörung (LuV).

Bei EnviaM fragt man sich, wie die Biotreppe am Ende aussehen werde und was das dann für die Lieferverträge bedeute – wie diese in Zukunft ausgestaltet sein müssen. "Da haben wir noch eine große Unsicherheit und ein großes Fragezeichen, was das am Ende des Tages für Kunden, Produkte und auch für das Gasnetz bedeutet", sagte Lowis auf Nachfrage.

Den von der Bundesnetzagentur geplanten Einspeiseentgelten steht man bei EnviaM nicht in Opposition gegenüber. "Netzentgelte sollten nicht nur Verbraucher zahlen, da braucht es eine Änderung." Die Erzeugungsform dürfe dabei jedoch keine Rolle spielen, so Lowis.

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"Plateau" bei Investitionen und Mitarbeitenden erreicht

Über 400 neue Kolleg:innen konnte die EnviaM im Jahr 2025 begrüßen. Sigrid Nagl, Vorständin für Personal und IT bei EnviaM, zeigte sich erfreut über den Zuwachs von rund fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr (4566 Beschäftigte), kündigte jedoch auch an, dass damit auch ein Plateau erreicht wurde. Zuwächse in dieser Größenordnung seien in den kommenden Jahren nicht mehr zu erwarten.

Gleiches gelte laut Lowis auch für die Investitionen. Im Jahr 2025 konnten diese erneut gesteigert werden. Konkret: Mit 576 Millionen Euro um rund ein Drittel im Vergleich zu 434 Millionen Euro im Vorjahr. Im aktuellen Geschäftsjahr seien Investitionen in Höhe von 531 Millionen Euro in das Strom- und 54 Millionen Euro in das Gasnetz geplant. 50 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren zudem in die Dekarbonisierung der Fernwärme fließen.

Mit Blick auf das Jahr 2025 war eine Zahl laut Lowis ein ganz klarer Rekord im Unternehmen. Pro Tag gingen durchschnittlich 100 Anschlussbegehren ein. "Das hat dieses Unternehmen noch nie gesehen."

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