Die Gaspreise an der THE haben zuletzt ihren Tiefststand seit acht Monaten erreicht, berichtet in seiner Kolumne Joachim Endress, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Seit Winterbeginn gab es einen Rückgang um 35 Prozent. Die Gründe dafür sieht der Experte unter anderem in der milden Witterung. Im laufenden Winter liegt die Gasnachfrage Europas demnach bei bisher rund 1.900 TWh, etwa 17 Prozent weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Weitere Faktoren für die bearishe Preisentwicklung auf dem Strommarkt sei aus seiner Sicht die Entwicklung der anderen Commodities: Kohle und CO2. Die seitdem gesunkenen Preise hätten den sogenannten Kohle-Gas-Switch deutlich nach unten verschoben. Der Strompreis sank von rund 130 Euro/MWh auf 60 Euro/MWh, CO2 von 80 Euro/t auf 55 Euro/t und der Kohlepreis von rund 125 USD/t auf 90 USD/t.
Strom-Terminkontrakte auf Rekordtief
Die Stromterminpreise reagierten auf diese Signale entsprechend deutlich. Der Frontjahreskontrakt Cal25 notierte an der EEX zuletzt bei 72,07 Euro/MWh (14.02.2024). Dieses Niveau gab es zuletzt vor über zweieinhalb Jahren. Der Frontmonat-Kontrakt notierte zuletzt bei 57,67 Euro/MWh.
Welche Preisentwicklungen nun weiter zu erwarten sind, hängt stark von der Gaspreisentwicklung ab. Energieexperte Endress schließt nicht aus, dass der Gaspreis sich wieder erholt. Aus statistischer Sicht liege die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung auf 24 bis 20 Euro/MWh bei lediglich fünf Prozent. Viel wahrscheinlicher sei aus seiner Sicht eine Erholung auf 26 bis 30 Euro/MWh. Das würde auch die Strompreise entsprechend stützen.
Die rückläufigen Marktpreise für Strom und Gas stellen zunehmend die meisten Versorger vor Herausforderungen. Während der Beschaffungskrise hatten sie als Grundversorger zusätzliche Energiemengen für neue Kunden teuer beschafft.
Preise für Endkunden sinken deutlich
Aktuell müssen sie wieder zusehen wie zahlreiche Energiediscounter, die sich während der Krise vom Vertriebsmarkt zurückzogen und ihre Kunden nicht beliefern konnten, wieder auf den Markt zurückkehren. Nur können sie sich zu deutlich günstigeren Tarifen eindecken und diesen Preisvorteil auch an die Endkunden weitergeben.
Eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Check24 ergab, dass die Strompreise von alternativen Anbietern aktuell so niedrig sind, wie lange nicht. Neukunden würden demnach im Februar 2024 fast so wenig zahlen wie zuletzt 2019. (am)



