Die Gemeindewerke Sinzheim in Baden-Württemberg stellen sich neu auf: mit einem strategischen Partner, dem Regionalversorger Badenova, und einem neuen Geschäftsführer, Malte Thoma. Mit ihm hat die ZfK kürzlich darüber gesprochen, wo die Gemeindewerke aktuell stehen und was er nun ändern will.
Herr Thoma, Sie arbeiteten bereits für die Stadtwerke München, den Schweizer Übertragungsnetzbetreiber Swissgrid und zuletzt beim Regionalversorger Badenova. Jetzt werden Sie Geschäftsführer der Gemeindewerke Sinzheim. Warum dieser Schritt?
Zum einen handelt es sich um ein Unternehmen, das im Marktgebiet gut verankert ist, sehr loyale Kunden hat und wirtschaftlich kerngesund ist. Das sind hervorragende Voraussetzungen, um die Energie- und Wärmewende vor Ort weiter voranzutreiben. Zum anderen kann ich meine gesamte Expertise vom Vertrieb über Netze bis hin zu Innovation einbringen. Denn am Ende muss ein kleines Stadtwerk ja auch das leisten können, was ein großer Energieversorger macht.
Damit das gelingt, haben sich die Gemeindewerke Sinzheim Badenova mit an Bord geholt. Der Regionalversorger wird 25,1 Prozent an der neuen GWS Gemeindewerke Sinzheim GmbH & Co. KG halten. Ging es nicht mehr allein?
Ich finde, dass diese Entscheidung genau zum richtigen Zeitpunkt getroffen wurde, übrigens noch vor Beginn der Energiekrise. Die Zeit der eigenständigen Gemeindewerke in ihrer ursprünglichen Form neigt sich in den meisten Fällen dem Ende entgegen. Denn ohne Partner auf Augenhöhe wird es für viele nicht mehr gehen. Gerade die Energieversorgung ist in den vergangenen Jahren immer spezieller, das regulatorische Geschäft immer komplexer geworden. Das lässt sich mit dem Personal eines kleinen Stadtwerks gar nicht mehr abbilden.
Tatsächlich waren die Gemeindewerke Sinzheim bislang nicht nur ohne strategischen Partner, sondern auch zwei Jahre ohne eigenen Betriebsleiter unterwegs.
Es stimmt, dass der der Bürgermeister vor Ort die Werkleitung vorübergehend übernommen hat. Und er hat einen tollen Job gemacht. Wie gesagt: Die Gemeindewerke Sinzheim sind sehr gut aufgestellt. Zudem ist seine operative Erfahrung künftig sicherlich von Vorteil, wenn er Aufsichtsratsvorsitzender der neugegründeten GmbH wird.
Mehrere kleine Stadtwerke mussten die Einstellung ihres Stromvertriebs bekanntgeben, weil ihnen die Risiken am Energiemarkt zu groß wurden. Wie sind die Gemeindewerke Sinzheim beim Thema Beschaffung aufgestellt?
Mein Vorgänger hat mit Badenova einen Bezugsvertrag geschlossen, der nun bereits das zweite Jahr läuft und Ende 2024 endet. Aus meiner Sicht sind die Risiken gut verteilt. Für uns gibt es keinerlei Gründe, aus dem Vertrag frühzeitig auszusteigen. Und umgekehrt steht Badenova zu ihren Zusagen.
Handelt es sich um einen Vollversorgungsvertrag?
Was den Großteil der Sinzheimer Kunden, die Haushalte, betrifft ja. Sonderkunden laufen dagegen separat.
Wie viele Stromkunden haben die Gemeindewerke Sinzheim?
Rund 5500. Wir sind mit einer Versorgungsquote von 70 Prozent im eigenen Netzgebiet auch Grundversorger vor Ort.
Und wie viele Gaskunden?
Keine. Wir sind nicht im Gasvertrieb tätig und haben dies auch nicht vor. Auch das lokale Gasnetz gehört nicht den Gemeindewerken Sinzheim, sondern BN Netze, der Badenova-Netztochter.
Die Gemeindewerke Sinzheim sollen stärker in die erneuerbare Erzeugung einsteigen. Was genau ist geplant?
Gut vorstellbar ist etwa eine Photovoltaik-Freiflächenanlage in der Region, möglicherweise auch mit Bürgerbeteiligung. Was sich am Ende realisieren lässt, wird sich noch zeigen. Einen politischen Auftrag zur Prüfung eines solchen Projekts gibt es in Sinzheim schon.
Und welche Rolle spielen die Netze?
Eine große, sowohl für die Wasserversorgung, die für uns ein Stabilitätsanker ist und bleiben soll. Und auch für den Strombereich. Stromnetzen gehört die Zukunft. Ich gehe davon aus, dass der Stromabsatz in den nächsten Jahren nach oben gehen wird, selbst wenn es mit dem Zubau von Photovoltaik-Anlagen auf Dächern einen Trend zu mehr Eigenversorgung geben wird. Der Bedarf wird durch Elektromobilität und Wärmepumpen insgesamt steigen, Darauf müssen wir uns vorbereiten und entsprechend investieren.
Der Fokus dürfte aber erst einmal auf dem Stromvertrieb liegen – und auf der Beschaffung. Ist die Zeit gekommen, selbst bei kleinen Stadtwerken wie in Sinzheim mit gerade 19 Mitarbeitern ein kleines Beschaffungsteam aufzubauen?
Wir haben das nicht geplant. Das ist auch bei unserer Größe gar nicht darstellbar. Für die Energiebeschaffung braucht ein Stadtwerk dieser Größe einen größeren Partner. Das Risikomanagement muss aber in der Verantwortung des Geschäftsführers liegen. Das war auch ein wesentliches Kriterium bei meiner Auswahl. Ich bringe jedenfalls aus meinen früheren Berufsstationen viel Expertise in den Bereichen Handel und Beschaffung mit.
Das Interview führt Andreas Baumer



