Mehr als 4100 Menschen beschäftigten allein die Kölner Verkehrsbetriebe Ende 2023. Dazu gesellten sich mehr als 2600 Rheinenergie-Mitarbeiter.

Mehr als 4100 Menschen beschäftigten allein die Kölner Verkehrsbetriebe Ende 2023. Dazu gesellten sich mehr als 2600 Rheinenergie-Mitarbeiter.

Bild: © Oliver Berg/dpa

Von Andreas Baumer und Hanna Bolte

Wären die Stadtwerke Köln eine Kommune, wären sie größer als so manche deutsche Kleinstadt. Ende 2023 arbeiteten bei den Stadtwerken exakt 15.170 Menschen. Damit belegen die Kölner Platz eins im neuen ZfK-Ranking der größten deutschen Stadtwerke nach Beschäftigten – und zwar mit großem Abstand zu den Stadtwerken München, die auf Platz zwei landen. (Beim Herunterscrollen finden Sie eine Top-10-Liste sowie ganz unten das komplette Ranking.)

Bei den Stadtwerken Köln handelt es sich um eine Holding. Am bekanntesten ist die Energietochter Rheinenergie (2653 Beschäftigte im Jahr 2023), an der die Stadtwerke über eine Tochtergesellschaft die Anteilsmehrheit halten. Dazu gesellen sich unter anderem zwei Abfallbetriebe, eine Hafentochter, die Kölner Verkehrsbetriebe und die städtische Wohnungsgesellschaft.

Wiener Stadtwerke Nummer eins im deutschsprachigen Raum

Die Kölner profitieren im Ranking davon, dass für die beiden größten deutschen Metropolen Berlin und Hamburg kein Stadtwerk gelistet ist. Die Berliner Stadtwerke sind lediglich ein Tochterunternehmen der Berliner Wasserbetriebe (insgesamt 4751 Mitarbeiter im Jahr 2023). Mehr als dreimal so viele Mitarbeiter hat das Berliner Nahverkehrsunternehmen BVG (mehr als 16.000 im Jahr 2023). Ein klassisches Stadtwerk, das die wesentlichen Sparten der Daseinsvorsorge bündelt, fehlt dagegen in der Bundeshauptstadt.

Auch in Hamburg gibt es kein klassisches Stadtwerk. Am nächsten kommt dem die städtische Holding, die sich Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsgesellschaft nennt. Dort sind die Beteiligungen an Hamburg Wasser, den Hamburger Energiewerken und anderen kommunalen Unternehmen gebündelt. Laut Geschäftsbericht arbeiteten 2023 mehr als 25.000 Beschäftigte im Konzern. Die ZfK hat sich aber fürs Erste dagegen entschieden, die Hamburger Holding zu listen.

Würde man in den gesamten deutschsprachigen Raum blicken, würden die Stadtwerke Köln ihren Spitzenplatz verlieren. Die Wiener Stadtwerke meldeten für das Jahr 2023 insgesamt 16.793 Mitarbeitende. Das nach Beschäftigten größte deutsche Energieunternehmen ist wiederum der Energiekonzern Eon. Nach eigenen Angaben arbeiteten dort Ende 2023 fast 39.000 Menschen.

Beispiel Dortmund

Häufig gehören Stadtwerke zu den größten Arbeitgebern vor Ort. So ist es auch in Dortmund. Die örtlichen Stadtwerke DSW21 beschäftigten 2023 konzernweit mehr als 4000 Menschen. Die Zahl ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Weil noch nicht alle großen Stadtwerke in Deutschland ihre Geschäftsberichte für 2024 veröffentlicht haben, wurden für das Ranking die 2023-Werte herangezogen.

Die Dortmunder Stadtwerke sind ein anschauliches Beispiel dafür, welche Sparte wie personalintensiv sein kann. Der Großteil der Stadtwerke-Beschäftigten in Dortmund war im vergangenen Jahr in der Nahverkehrssparte angestellt. Im Schnitt waren es mehr als 2300 Mitarbeiter. In der Ruhrmetropole fahren Stadtbahnen und Busse.

Mehr als jeder vierte Beschäftigte arbeitete für die Energie- und Wassertochter DEW21. Die Flughafentochter Dortmund Airport meldete mehr als 400 und die Wohnungstochter Dogewo21 rund 150 Mitarbeiter. Die Telekommunikationstochter Dokom21 hat ihren Geschäftsbericht für 2024 noch nicht veröffentlicht. Ende 2023 waren dort 175 Menschen beschäftigt.

Nach eigenen Angaben gehören die Stadtwerke München ebenfalls zu den größten Arbeitgebern ihrer Stadt. Fast 11.000 Mitarbeiter arbeiteten 2023 für den Kommunalkonzern. Auch in München ist die Belegschaft seitdem weitergewachsen. Im vergangenen Jahr waren beim süddeutschen Kommunalkonzern sogar mehr als 11.600 Menschen beschäftigt. Fast die Hälfte von ihnen war im Ressort Mobilität tätig.

Enercity und MVV

Auch ohne den öffentlichen Nahverkehr kam Hannovers Enercity 2023 auf mehr als 3000 Beschäftigte. Für den öffentlichen Nahverkehr ist in der niedersächsischen Landeshauptstadt das Unternehmen Üstra (2023: 2434 Beschäftigte) zuständig.

Zu den mitarbeiterstärksten Unternehmen, die sich auf Stadtwerkewurzeln berufen können, gehört der Mannheimer Energieversorger MVV Energie. Alle Tochterunternehmen mit eingeschlossen waren dort 2023 rund 6400 Menschen beschäftigt. Dabei handelt es sich aber bei weitem nicht nur um Mitarbeiter in Mannheim. Zur Unternehmensgruppe zählen beispielsweise auch die Energieversorgung Offenbach und die Stadtwerke Kiel. Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man nur die Belegschaft in der MVV Energie AG mit Sitz in Mannheim in den Blick nimmt. Dort waren 2023 etwas mehr als 900 Menschen beschäftigt.

36 Stadtwerke mit mindestens 1000 Beschäftigten

Insgesamt ermittelte die ZfK 36 Stadtwerke oder mit Stadtwerken vergleichbare Unternehmen, die im Jahr 2023 mindestens 1000 Mitarbeiter meldeten. Interessanterweise erreichten vier Stadtwerke, die im selben Jahr einen Umsatz von mindestens einer Milliarde Euro gemacht hatten, diese Schwelle nicht: Bochum, Münster, Kiel und Flensburg. Während in Münster die örtlichen Stadtwerke auch für den personalintensiven öffentlichen Nahverkehr zuständig sind, wird dieser Bereich der Daseinsvorsorge in Bochum, Kiel und Flensburg von anderen Unternehmen übernommen.

Fast alle gelisteten Stadtwerke versorgen Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern. Eine Ausnahme ist die Rhönenergie Fulda. 70.000 Einwohnern in der Stadt stehen mehr als 1000 Angestellte gegenüber. Allerdings ist die Rhönenergie auch nicht nur ein Stadtwerk. Hauptgesellschafter ist neben der Stadt der Landkreis Fulda.

Andersherum verhält es sich in Koblenz. Insgesamt wohnen knapp 115.000 Menschen in der Stadt am Rhein. Die Stadtwerke allerdings hatten im Jahr 2023 im Durchschnitt lediglich 30 Mitarbeiter.

Der Grund: Die Stadtwerke sind nicht im Energiegeschäft tätig (Grundversorger ist hier der Regionalversorger EVM), sondern für den Betrieb des Rheinhafens und der Rheinanschlussbahn sowie für die Verwaltung eigener und städtischer Beteiligungen zuständig. "Daher werden wir leider in einem Ranking der Stadtwerke mit mindestens 1000 Mitarbeitern keine Chance auf eine Top-Platzierung haben", schrieb ein Pressesprecher auf ZfK-Anfrage.

Methodik und Hinweise

Auch für diesen Artikel gilt, dass ein Stadtwerkevergleich seine Tücken mit sich bringt. Liberalisierung und Rekommunalisierung haben die Lage deutlich unübersichtlicher gemacht. So haben sich Stadtwerke teilweise anderen Eigentümern geöffnet, wurden gerade bei großen Städten neue, komplexe Strukturen geschaffen, manche Geschäftsbereiche herausgelöst und reintegriert. Das hat auch immer Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl.

Wir haben ein Stadtwerk mit mindestens 1000 Beschäftigten übersehen? Sie haben Ergänzungs-, Korrektur- oder sonstige Änderungsvorschläge? Dann richten Sie Ihre E-Mails gern an unsere Redaktionsadresse oder an unseren Autor Andreas Baumer.

Noch zwei Hinweise: Als Basis dienten Belegschaftszahlen aus den Geschäftsberichten 2023. Auszubildende wurden als Teil der Stammbelegschaft gewertet. In manchen Fällen gaben die Unternehmen durchschnittliche Mitarbeiterzahlen für 2023 an, in anderen die Belegschaftsgröße zum Jahresabschluss.

Grundsätzlich sind Stadtwerke mehrheitlich oder vollständig Eigentum ihrer Kommunen. In unserem Ranking sind aber auch Unternehmen wie die Bremer SWB AG (frühere Stadtwerke Bremen, jetzt hundertprozentige Tochter von EWE), die Stadtwerke Düsseldorf (EnBW ist Mehrheitsanteilseigner) oder die Braunschweiger BS Energy (der Entsorger Veolia ist Mehrheitsanteilseigner) zu finden, bei denen das nicht gilt. Wir haben uns dafür entschieden, diese Unternehmen zu listen, weil sie eine Stadtwerkevergangenheit haben, klar einer Stadt zuzuordnen sind und Stadtwerkeaufgaben erfüllen.

Wichtig war uns, dass die Unternehmen klar einer einzigen Stadt zugeordnet werden können. Am einfachsten ist das, wenn sie den Stadtwerkenamen behalten haben. Eine kleine Ausnahme in der Liste sind die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm, kurz SWU. Sie sind das Gemeinschaftsunternehmen zweier aneinandergrenzender Städte. Laut Handelsregister werden allerdings rund drei Viertel der Anteile von der größeren Stadt Ulm gehalten.

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