Die Stadtwerke Konstanz werden seit Monatsbeginn von einer Doppelspitze geleitet: (von links) Gordon Appel und der langjährige Geschäftsführer Norbert Reuter.

Die Stadtwerke Konstanz werden seit Monatsbeginn von einer Doppelspitze geleitet: (von links) Gordon Appel und der langjährige Geschäftsführer Norbert Reuter.

Bild: © Stadtwerke Konstanz

Ab 2040 soll kein Erdgas mehr, sondern nur noch Wasserstoff durch die Fernleitungsnetze der Terranets BW fließen. Betroffen davon sind neben Konstanz unter anderem auch die benachbarten Städte Singen und Radolfzell und Villingen-Schwenningen. Dieses Enddatum sorgt für zusätzlichen Druck bei der Umsetzung der Wärmewende.

Das zeigte sich gestern auch auf der Bilanzpressekonferenz der Stadtwerke Konstanz. Rund 520 Mio. kWh hat der Kommunalversorger im vergangenen Jahr verkauft, ein Minus von rund 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022. Der Einbruch hängt vor allem mit dem Wegfall eines Großkunden aus der benachbarten Schweiz zusammen. "Wie wollen Sie bis 2040 denn die rund 500 Millionen Kilowattstunden an Erdgas ersetzen?“, wollte ein Journalist von der Geschäftsführung des Kommunalversorgers vom Bodensee wissen.

"Beobachten die Aussagen von Terranets BW sehr genau"

Rund 50 Prozent der Menge werde man durch den Neubau von Wärmenetzen kompensieren, durch die künftig erneuerbare Wärme fließen werde, erklärte Gordon Appel, der seit Juli neben Norbert Reuter das Unternehmen leitet und als Geschäftsführer für die Energie- und  Versorgungsthemen zuständig ist.

Ein Teil der künftig benötigten Wärme werde künftig auch durch Wärmepumpen erzeugt. Für rund ein Drittel der heutigen Gasversorgung könne man aber grob geschätzt aktuell für 2040 noch keine alternative Wärmelösung aufzeigen. Man hoffe aber auch, dass Terranets BW weitere Leitungsprojekte in den Blick nehme. „Wir beobachten die Aussagen des Fernleitungsnetzbetreibers sehr genau, diese Unklarheit zwingt uns aber aktuell noch nicht zum Handeln“, sagte Appel.

"Wir haben eine klare Erwartungshaltung"

„Wir haben hier eine klare Erwartungshaltung an den Vorlieferanten Terranets BW, hier eine Lösung aufzuzeigen und Ausbaupläne vorzulegen“, ergänzte Norbert Reuter.

Auch wenn man hier weiter zuversichtlich ist, das vorsichtige Sondieren nach Alternativen für den Ernstfall hat bereits begonnen. So hat es erste Gespräche gegeben, ob die Konstanzer im Rahmen eines Projekts von „RHYn Interco“ von Badenova Netze, Terranets BW und GRTgaz über eine Wasserstoffleitung  aus Frankreich mit Gas beliefert werden könnten. Es gebe Überlegungen, die geplante Netzinfrastruktur nach Osten auch zu Städten wie Singen und Radolfzell hin zu erweitern. Das könnte auch für Kostanz Optionen eröffnen. 

Die Kommunalversorger aus Singen und Radolfzell gehören wie die Badenova zum Thügaverbund. „Das ist aber alles noch wenig konkret und belastbar“, stellte Reuter klar.

"Klassische Bankenfinanzierung stößt hier an Grenzen"

Der Bau von mindestens sechs Wärmenetzen ist das Herzstück der Konstanzer Wärmewende und wird mit rund 600 Mio. Euro veranschlagt. „Die klassische Bankenfinanzierung stößt hier an Grenzen“, erklärte Norbert Reuter mit Blick auf das zusätzliche Eigenkapital, das vor allem für die Wärmewende benötigt wird.

Stattdessen will man Konstanz alternative Optionen prüfen, etwa im Bereich Projektfinanzierung oder Bürgerbeteiligung. Die Investitionsplanung für die nächsten 15 Jahre und die Finanzierungsstrategie sollen im Herbst dieses Jahres voraussichtlich verabschiedet werden.

Machbarkeitsuntersuchungen für die ersten Wärmeverbünde sind nahezu abgeschlossen, sodass Förderungen beantragt und weitere Schritte veranlasst werden können. Außerdem wird in den kommenden Jahren das Stromnetz auf Basis einer hierzu erstellten Zielnetzplanung mit erforderlichen Investitionen in Höhe von rund 150 Millionen Euro ertüchtigt.

Kapitalzuführung der Stadt gleicht Bäderverluste nahezu aus

Trotz des hohen Rückgangs des Erdgasverbrauchs haben die Stadtwerke Konstanz im vergangenen Jahr im Kerngeschäft das Ergebnis auf 1,24 Mio. Euro gesteigert (2022: 119.000) und gleichzeitig auch den Glasfaserausbau finanziert und die Verluste im defizitären ÖPNV kompensiert.  

Der Umsatz kletterte vor allem aufgrund der gestiegenen Energiepreise auf 296,6 Millionen Euro (2022: 222,9 Mio.). Nimmt man die Verluste aus dem Bäderbereich hinzu, weist die Gruppe ein Minus von 5,77 Mio. Euro aus (2022: 6,64 Mio.). Ausgeglichen wird dieses Defizit fast vollständig durch eine jährliche Kapitalzuführung der Stadt Konstanz, die aufgrund der Finanzierungsherausforderungen im Bäderbereich noch einmal erhöht worden ist.

Neue Einnahmequellen durch Parkhäuser und Telekommunikation

In der Mittelfristplanung gehen die Stadtwerke Konstanz künftig inklusive der Kapitalzuführung der Stadt Konstanz für das Betreiben der defizitären Bäder von einem ausgeglichen Ergebnis aus. Ziel sei es, die Vorteile des steuerlichen Querverbundes aus den Ertrags- und Defizitbereichen der Daseinsvorsorge weiter zu optimieren, heißt es.

Durch die neu gegründete Stadtwerke Konstanz Mobil wurde ein neue Einnahmequelle erschlossen,  gleichzeitig sinkt das Steueraufkommen der Stadt. Ferner wird auch der Bereich Telekommunikation absehbar die Gewinnzone erreichen. Norbert Reuter: „Wir setzen den Konsolidierungskurs konsequent weiter fort, um die hohen Investitionen in die Energie- und Wärmewende in den kommenden Jahren zu stemmen.“ Die Busflotte wird 2025 bereits zur Hälfte elektrifiziert sein. (hoe)

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