Von Artjom Maksimenko
Die geplante Einführung der 15-Minuten-Produkte an der Strombörse Epex Spot verzögert sich voraussichtlich bis Oktober. Ursprünglich sollte der Start bereits in der kommenden Woche erfolgen, doch "gravierende Sicherheitsbedenken" führten zu einer Verschiebung.
Die Energiespotbörse verweist auf unbefriedigende und fehlerhafte Testergebnisse sowie ernsthafte Zweifel an der Betriebssicherheit. Deshalb fordern die Verantwortlichen eine spätere Einführung des neuen Produkts im Day-Ahead-Handel – als neuer Termin steht der 1. Oktober im Raum.
"Operation am offenen Herzen"
"Als im vergangenen Jahr die Epex Spot zwei weitere Intraday-Auktionen eingeführt hat, führte dies in der Anfangszeit teilweise auch zu Auktionsausfällen aufgrund von technischen Schwierigkeiten im Gesamtsystem", erinnert Patrick Kruppa, Prokurist und Leiter Erzeugungs- und Portfoliomanagement bei der Südwestdeutsche Stromhandels GmbH (Südweststrom), im Gespräch mit der ZfK. Am 25. Juni 2024 wurde zudem sichtbar, welche Auswirkungen das Abkoppeln der Epex Spot von der SDAC hatte, insbesondere auf die Preise in Deutschland und Frankreich, erläuterte Kruppa. Es handele sich bei dieser Umstellung also um eine Operation am offenen Herzen, bei der jeder berechtigte Zweifel relevanter Akteure ernstgenommen werden muss. "Dazu gehört zweifellos die Epex Spot", so Kruppa. Kann ein reibungsloser und technisch einwandfreier Betrieb nicht garantiert werden, sei eine Verschiebung der Umstellung alternativlos. "Ansonsten wird das Vertrauen in funktionierende Märkte auf eine harte Probe gestellt und wirtschaftliche Schäden riskiert."
Bei den im Frühjahr dieses Jahres durchgeführten Verfahrenstests haben rund 20 Prozent der Testsessions mit einer unerwarteten vollständigen Entkopplung geendet, teilte die Epex Spot damals mit. Dies sei ein Marktvorfall, der in der Geschichte der Marktkopplung noch nie aufgetreten sei. "Dieser Prozentsatz ist in dieser Projektphase, in der die Systeme sehr nahe am Produktionsstandard agieren sollen, inakzeptabel. In einem erheblichen Teil der bisher durchgeführten Testfälle verzögerte sich die Veröffentlichung der Marktergebnisse erheblich", so die Epex Spot weiter.
Dabei läuft die Beschaffung der Bilanzkreise in Deutschland seit langem im 15-Minuten-Raster. Das Produkt ist relevant und auch notwendig, um die Pflichten aus den Bilanzkreisverträgen zu erfüllen. An der Epex Spot wird beispielsweise um 12 Uhr der Folgetag in Stundenauflösung gehandelt, und um 15 Uhr können erstmals die Viertelstunden gehandelt werden. Die neu einzuführende, europaweite 15-Minuten-Auktion um 12 Uhr fasst diesen Prozess zusammen und zieht ihn zeitlich vor, erläuterte Kruppa.
Diese Harmonisierung auf 15 Minuten – die in anderen Ländern eine Reduktion von 60- beziehungsweise 30-minütigen Bilanzierungsrastern bedeutet – sei sinnvoll, um die Fluktuationen innerhalb einer Stunde ausgleichen zu können. Insbesondere Erzeugung aus Wind und PV-Anlagen fluktuiert auch innerhalb einer Stunde; man denke nur an die morgendliche PV-Rampe im Sommer, so der Südweststrom-Prokurist.
Kommunikation und verlässlicher Zeitplan
Allerdings finde sich die aktuelle Systematik der zwei Auktionen teilweise auch in Verträgen mit Letztverbrauchern wieder. Dies bedeutet, dass Anpassungen erforderlich seien, um eine rechtssichere Abrechnung weiterhin zu gewährleisten, erläuterte er. "Hierfür sind eine rechtzeitige Kommunikation und verlässliche Zeitpläne unerlässlich, da neben den Verträgen gegebenenfalls auch die Abrechnungssysteme angepasst werden müssen." Ansonsten werde das Vertrauen in funktionierende Märkte auf eine harte Probe gestellt und wirtschaftliche Schäden werden riskiert.



