Während der Energiepreiskrise konnte die digitale Plattform Caeli Wind ihre strategischen Ziele übererfüllen. Für weiteres Wachstum hat sich das Spinn-Off der Berliner Unternehmensberatung LBD frisches Kapital gesichert und die Prognose für 2024 bezüglich der Windflächenvermittlung verdoppelt.
Im Interview mit der ZfK sprach Geschäftsführer Heiko Bartels über die Impulse für den Onshore-Windkraftzubau von der regulatorischen Seite und die Expanionspläne seines Unternehmens im Ausland.

Herr Bartels, 1200 MW hat Caeli Wind im Jahr 2023 vermittelt. Hat die Krise Ihrem Geschäftsmodell in die Hände gespielt?
Bartels: Im Zuge der Energiemarktkrise sind viele nervös geworden. Um langfristig unabhängiger von Börsenpreisen zu werden, stieg so das Interesse an eigenen Assets. Das ist eine Bedürfnislage, die wir seit Anfang 2023 und noch immer spüren. Nun hoffe ich, dass wir in diesem Jahr weiter zulegen können. Das Ziel für 2024 sind 2.000 MW. Nach gut fünf Monaten liegen wir im Soll, wobei unser Geschäft eine gewisse Saisonalität aufweist - das heißt, das Gros der Standorte kommt im zweiten Halbjahr.
Diese Situation brachte ganz neue Teilnehmer auf unsere Plattform: Industriebetriebe, die sich entschieden haben, die Energieversorgung selbst in die Hand zu nehmen, oder auch Investoren und Finanzierer, die traditionell eher in Projekte in einem späteren Stadium – also nach Genehmigung oder Bau - investiert haben.
Daneben gibt es die klassischen Nachfrager: Auf der Projektiererseite, also unserem Kundenklientel der ersten Stunden, gibt es sehr unterschiedliche Bedürfnislagen mit leeren, vollen und in Restrukturierung befindlichen Projektpipelines. Über Caeli können diese Markteilnehmer je nach Ressourcenauslastung flexibel nachjustieren.
"Die ersten drei Gewinner im ersten Transaktionslos waren allesamt kommunale Unternehmen"
Wie aktiv sind die kommunalen Unternehmen auf Ihrer Plattform?
Die kommunalen Unternehmen waren - bis auf wenige Ausnahmen - nicht die ersten Interessenten. Aber sie waren die ersten, die Erfolg hatten. Die ersten drei Gewinner im ersten Transaktionslos waren allesamt kommunale Unternehmen. Und das hat einen Grund: Wir sehen regelmäßig, dass die Grundeigentümer nicht an den Höchstbietenden vergeben, sondern an denjenigen, dem sie die höchste Realisierungswahrscheinlichkeit zutrauen. Diese Kompetenz wird gerade Unternehmen mit starker regionaler Verwurzelung zugeschrieben, die über eine gute Vernetzung verfügen und eine hohe Akzeptanz genießen. Dank dieser Stärken schlagen sich die Kommunalen sehr gut auf unserer Plattform.
Die Konstellationen, in denen dann gewonnen wird, sind unterschiedlich: mal ist es eine Stadtwerketochter mit Erfahrung in der Projektentwicklung, mal ist es eine Kooperation oder ein Joint Venture mehrerer Stadtwerke, mal unterstützt die Umsetzung ein externer Dienstleister.
Wir sprechen übrigens im Vorfeld immer mit den Kommunen über die Realisierungschancen eines Windparks. Nicht selten bringen diese dann selbst die Stadtwerke mit ins Gespräch. Die Chancen auf einen Zuschlag haben aber alle. Egal, ob Projektentwickler, großer Energiekonzern oder kleines Stadtwerk. Vieles hängt wirklich von der Präsentation des Vorhabens beim Flächeneigentümer ab.
Wie spiegelt sich die Nachfrage in konkreten Pachtpreisen wider?
Mit steigender Standortattraktivität wächst das Bieterfeld und die Pachten. Am Ende des Tages sind es drei wesentliche Faktoren: Die Windhöffigkeit, die Größe des Standorts und die Realisierungswahrscheinlichkeit. Im Jahr 2023 konnten unsere Grundeigentümer jährliche Pachten zwischen 11.000 und 45.000 Euro pro MW installierter Leistung registrieren. Das zeigt die Bandbreite.
Die verfügbare Windfläche ist in Deutschland bekanntlich rar. Um sie muss Ihre Plattform in den Wettbewerb mit großen erfahrenen Projektgesellschaften treten. Wie funktioniert das?
Das stimmt. Wir begegnen Projektentwicklern in einer Doppelrolle. Manchmal als Konkurrent um das knappe Gut Fläche und manchmal als Nachfrager, dem wir eine Fläche vermitteln. Aus Grundeigentümersicht macht es aber immer Sinn mit uns zu sprechen, denn wir objektivieren den Wert des eigenen Grund und Bodens, und das kostenlos. Diese Information von einer neutralen Instanz zu erhalten, ist viel wert, wenn ich als Eigentümer mit einem Projektierer über die Pachthöhe verhandle.
Kommunen sollen finanziell an den Gewinnen aus Wind- und PV-Freiflächenanlagen beteiligt werden"
Welche Auswirkungen haben die eingeführten kommunalen Beteiligungsmodelle auf das Wettbieten um die Windflächen?
Kommunen sollen finanziell an den Gewinnen aus Wind- und PV-Freiflächenanlagen beteiligt werden. Dies soll die Akzeptanz vor Ort erhöhen. Alles was die Akzeptanz erhöht, ist im Sinne der Sache. Ich finde es aber wichtig, hier keine Schranken im Denken zu setzen. Wir selbst haben anfangs versucht, die Beteiligungsmodelle strukturiert zu erfassen. Dies ist der einzige Bereich unserer Plattform, bei dem wir dann bewusst einen Schritt zurück von der strukturierten Datenerfassung gemacht haben. Wir haben uns entschieden, das Thema den Interessenten zu überlassen: Sie sollen ihre Konzepte bei den Präsentationen vorstellen. Die Facetten und Ideen waren hier einfach zu verschieden.
Grundsätzlich gewinnen Beteiligungsmodelle aber deutlich an Relevanz. Vor einiger Zeit haben wir unsere erste Poolingfläche mit gut 50 Eigentümern gebündelt angeboten. Der im Vorfeld erarbeitete Kriterienkatalog war neben den wirtschaftlichen Aspekten auch Fragen zum Beteiligungsmodell geprägt.
Das macht die Sache aber auch nicht leichter, insbesondere wenn private und kommunale Flächen gebündelt werden müssen. Der rechtliche Prüfungsaufwand im Vergaberecht springt dann schnell mal in die Höhe.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Vielleich nur ein Aspekt: Grundstückseigentümer wünschen sich oft eine Ankaufsoption für den Windpark – das ist ja eine sehr direkte Form der Beteiligung. Ist beim Pooling ein kommunaler Eigentümer dabei, kann genau diese Ankaufsoption aber ein K.O-Kriterium im Vergabeprozess sein, da er - nach Bau des Parks - gegebenenfalls einem Beschaffungsprozess gleichkommt.
"Mittelfristig will Caeli Wind auch im Ausland expandieren"
Wann kommt Caeli Solar?
Wir prüfen dies regelmäßig. Aktuell sehen wir das Baurecht für Solarprojekte kritisch, weil es von Gemeindebeschlüssen abhängig ist. Das zeigt uns, dass das Thema Solar derzeit noch nicht 100 Prozent "plattformfähig" ist. Technologisch lässt es sich aber abbilden. Mittelfristig will Caeli Wind auch im Ausland expandieren und dort könnte tatsächlich neben der Windplattform auch eine Solarplattform unser Angebot erweitern.
Haben Sie bereits konkrete Länder im Blick?
Wir analysieren gerade alle OECD Länder. Die rechtlichen und regulatorischen Voraussetzungen und die Größe der Märkte sind extrem unterschiedlich. Wir lernen viel aus Experteninterviews. Ich denke, es wird ein europäisches Nachbarland.
Das Interview führte Artjom Maksimenko
Das Interview mit Herrn Bartels in der gekürzter Fassung erschien in der Juni-Ausgabe der ZfK.



