Wie das "Handelsblatt" aus "Regierungskreisen" erfuhr, sehen die Politiker den Verkauf eines inländischen Unternehmens an ein Unternehmen aus dem Nicht-EU-Land kritisch.
Laut Außenwirtschaftsverordnung (AWV) Paragraf 55 könnte die Bundesregierung den Verkauf unter bestimmten Voraussetzungen untersagen, wenn "öffentliche Ordnung oder Sicherheit" gefährdet seien.
CCS als Teil des Klimaschutzplans
Beim Klimaschutz gewinnt die CCS-Technologie zunehmend an Bedeutung. Diesbezüglich hat auch die Parteispitze der Grünen einen Kurswechsel vollzogen. Im Entwurf ihres Parteiprogramms zur Europawahl hatte die Partei angekündigt, sich dem umstrittenen Thema der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid zu öffnen. Nun soll mit Wintershall Dea ein Unternehmen mit einer entsprechenden Expertise an einen britischen Konzern verkauft werden.
Wintershall ist bereits seit einigen Jahren aktiv. In dieser Zeit feierte das Unternehmen unter anderem die erste CO2-Speicherung unter der dänischen Nordsee und den Start eines gemeinsamen Projekts in Norwegen. Erst im November 2023 war der Explorationskonzern mit 10 Prozent beim britischen Projekt "Poseidon" eingestiegen.
Im Bundestag hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nun angekündigt, den Verkauf auf seine Auswirkungen auf die Sicherheitsinteressen des Landes zu überprüfen. Die Transaktion wurde auch Thema der Sitzung im Energieausschuss des Bundestages.
Die Transaktion gaben BASF, Harbour Energy und Letter One Ende Dezember 2023 bekannt. Demnach gehe das Explorations- und Produktionsgeschäft von Wintershall Dea sowie die Explorationsrechte Norwegen, Argentinien, Deutschland, Mexiko, Algerien, Libyen (ohne Wintershall AG), Ägypten und Dänemark (ohne Ravn) an Harbour. Hinzu kommen die Lizenzen von Wintershall Dea zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS). Beide Standorte von Wintershall Dea in Deutschland sollen dabei aufgelöst werden.
Auf Anfrage der ZfK teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, "unternehmerische Entscheidungen und deren Auswirkungen auf bestimmte Geschäftsfelder nicht kommentieren" zu können. Angaben über etwaige Investitionsprüfverfahren seien nicht möglich, weil schützenswerte Geschäftsgeheimnisse betroffen sind, die nur etwaig betroffene Unternehmen offenlegen können.
"Verlust eines Kompetenzträgers"
Wegen der Expertise des Unternehmens im Explorationsbereich sieht Timm Kehler, Vorstand des Branchenverbandes Zukunft Gas, in dem Verkauf den drohenden Verlust eines Kompetenzträgers. "Mit dem Verkauf von Wintershall Dea an ein ausländisches Unternehmen verliert Deutschland den letzten Akteur, der im Bereich der Gas- und Ölförderung aktiv ist." Deutschland sei damit die einzige Industrienation ohne nationales Unternehmen im Bereich Exploration und Produktion, das auf Augenhöhe mit den übrigen globalen Produzenten agieren kann. (am)



