Angesichts der drohenden Insolvenz des Biomethan- und THG-Quotenhändlers Landwärme geht die Energiebranche von weitreichenden Auswirkungen aus. Die Marktteilnehmer stellen sich viele juristische Fragen.
Schon jetzt zeichne sich ein finanzieller Schaden in zweistelliger Millionenhöhe ab, so das Fazit eines Workshops der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew). Daran hatten nach eigenen Angaben 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus rund 100 unterschiedlichen Unternehmen teilgenommen.
Insolvenzantrag im August
Der Biomethanversorger Landwärme hatte im August beim Amtsgericht Berlin einen Insolvenzantrag gestellt. Gemeinsam mit seiner Muttergesellschaft LW Capital hat das Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Als Hauptgrund dafür nannte Landwärme den andauernden Preisverfall der THG-Quote. Dies wiederum wurde laut Landwärme durch eine regelrechte Überflutung mit gefälschten Klimazertifikaten möglich.
Anders als bei der Insolvenz des Biomethanhändlers BMP Greengas treffe die Insolvenz deshalb jedoch nicht ausschließlich den Biomethan-Markt – 45 Prozent der vertretenen Versorger - sondern eben auch Unternehmen, die ihre THG-Quote über die Landwärme handeln, teilte Asew mit.
"Die Insolvenz von Landwärme trifft die Stadtwerkewelt empfindlich - es geht beim THG-Quotenhandel um erhebliche Summen, die nicht nur die Stadtwerke, sondern aufgrund der eingereichten Fahrzeugscheine auch Privat- und Gewerbekunden, betreffen", so Asew-E-Mobilitätsexperte Hanno Ahlrichs. Wann und in welcher Höhe die Gelder fließen würden, sei derzeit völlig ungewiss.
Preisverfall beim THG-Quotenpreis
Die von Landwärme vertraglich zugesagten Vergütungen seien demzufolge deutlich höher als die aktuellen Marktpreise. Landwärme könnte somit ein Interesse daran haben, "die bereits eingereichten Quoten nicht in vollem Umfang zu erfüllen", hieß es weiter. Dies hätte weitreichende finanzielle Folgen für die Partnerunternehmen. Zusätzlich kommt teilweise Zeitdruck zum Tragen: Quoten aus KFZ-Scheinen für 2024 müssen beim Umweltbundesamt (UBA) bis zum 15. November eingereicht werden.
Im Bereich Biomethan bewertet Asew die Situation etwas anders. Hier würden langlaufende Verträge zwischen Landwärme und der Stadtwerkewelt überwiegen. "Die für Landwärme aufgrund des Preisverfalls für Biomethan der vergangenen Monate ‘nachteiligen‘ Verträge werden aktuell vom Unternehmen eher nicht erfüllt", ordnet Kara Hoffmann, Gruppenleiterin Ökoenergien bei der Asew, die Lage ein. Dies sei durchaus eine Parallele zum Fall BMP Greengas.
Erst nach der Insolvenzeröffnung im November werde es sich zeigen, wie groß der Kreis der Betroffenen und der Schaden in der Energiewelt wirklich ist, teilte Asew weiter mit.
Schadenshöhe noch nicht genau abschätzbar
Die Asew kann die gesamte Schadenshöhe deshalb nur grob abschätzen. Eine nicht repräsentative Erhebung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Austausches deutete die Höhe der Schadensdimension an: Allein die anwesenden Unternehmen repräsentierten einen hohen zweistelligen Millionenbetrag als Schadenssumme. Dies deckt sich in etwa mit den Ergebnissen der Datenerhebung unter den VKU-Mitgliedsunternehmen.
"Auch wenn die Hälfte der uns bekannten Unternehmen ein nur noch bis zum Jahresende laufendes Vertragsverhältnis mit Landwärme hat, könnte sich diese Schadenssumme erheblich steigern. Denn die Verträge der anderen Hälfte laufen deutlich länger, teilweise über das Jahr 2028 hinaus", sagte Hoffmann weiter.
Kritik übten die Teilnehmer des Asew-Workshops am Kommunikationsverhalten von Landwärme. Trotz der Zusicherung des Unternehmens, mit allen Vertragspartnern individuelle Lösungen finden zu wollen, hatte mehr als die Hälfte der Unternehmen auf eigene Initiative hin keinen Erfolg mit Kontaktversuchen. (am)
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