Der Biomethanversorger Landwärme hat Anfang der Woche einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenregie gestellt und damit für einen Paukenschlag gesorgt. Das Unternehmen mit 140 Mitarbeitern hat unter anderem eine "Optimierung der Vertragsstrukturen" angekündigt, will also mit anderen Worten, seine bestehenden Verträge überprüfen und auch womöglich auch kündigen.
VKU-Hauptgeschäftsführer, Ingbert Liebing, zeigte sich angesichts dieser Ankündigung besorgt. "Auch wenn das Amtsgericht Charlottenburg zunächst noch abschließend prüfen muss, ob es das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung eröffnet, sind wir höchst alarmiert."
VKU: "Lieferverträge einhalten"
Der Verbandschef zog Parallelen zu der Insolvenz eines weiteren Biomethanhändlers, BMP Greengas, die bei über 50 kommunalen Unternehmen einen enormen finanziellen Schaden verursacht hatte. "Nach unseren Erfahrungen aus der BMP-Greengas-Insolvenz im vergangenen Jahr heißt das für Stadtwerke als Geschäftspartner der Landwärme möglicherweise, dass laufende Verträge gekündigt und zugesagte Liefermengen nicht eingehalten werden", so Liebing weiter.
"Wir fordern die Landwärme auf, die Lieferverträge im insolvenzrechtlich zulässigen Rahmen einzuhalten und brauchen vernünftige Lösungen. Für Stadtwerke und kommunale Energieversorger ist es schwierig, die Wärmewende umzusetzen, wenn auf Unternehmen kein Verlass ist und Verträge kurzfristig und ersatzlos wegbrechen."
Große Verunsicherung auch bei Anlagenbetreibern
Während bei der Pleite von BMP Greengas der Karlsruher Konzern EnBW eingesprungen war, ist Landwärme derzeit noch auf Suche nach einem finanzstarken Partner. Die Gehälter erhalten die 140 Mitarbeiter derzeit von der Bundesagentur für Arbeit.
Angesichts dieser Entwicklungen, ist die Sorge um die Erfüllung der Verträge legitim. Viele Biomethanabnehmer stünden jetzt vor großen Engpässen und müssen sich die Mengen woanders und vermutlich teurer beschaffen, vernahm ZfK aus den Branchenkreisen.
Doch nicht nur auf der Abnehmer-, sondern auch auf der Produzentenseite treibt die Situation von Landwärme den Anlagenbetreibern Sorgenfalten auf die Stirn. Teils haben sie in neue Anlagentechnik oder sogar in ganz neue Anlagen investiert, um Biomethan für den Kraftstoffmarkt zu produzieren. Da das Unternehmen nicht mehr liquide ist, sitzen sie nun auf diesen Mengen und müssen dringend Abnehmer suchen.
Landwärme-Chef kritisiert die Politik
Den Grund für seine finanzielle Schieflage sieht Landwärme vor allem im anhaltenden Preisverfall für THG-Quote, der "durch falsch deklarierten Biodiesel und zahlreiche andere mutmaßliche Betrugsfälle bei Upstream-Emission-Reduction-Projekten" verursacht wurde, teilte das Unternehmen mit. Das Insolvenzverfahren wäre vermeidbar gewesen, hätten die Politik und die Behörden die mutmaßlichen Betrugsfälle bei Biodiesel und UER-Projekten konsequenter verfolgt und bekämpft", sagte Landwärme-Geschäftsführer Zoltan Elek. Auf die Kritik hatte das Bundesumweltministerium bereits mit Unverständnis reagiert.
Den Vorwurf, mutmaßliche Betrugsfälle bei Upstream-Emission-Reduction (UER)-Projekten nicht ausreichend verfolgt zu haben, weist das Ministerium ebenfalls zurück. Es räumte zwar ein, dass die entsprechende UER-Verordnung "fehleranfällig" gewesen sei. Darauf sowie auf mutmaßliche Betrugsfälle habe man aber "äußerst schnell, präzise und vorausschauend" reagiert. Mit der Verordnungsänderung habe das Bundesumweltministerium ein "intransparentes und betrugsanfälliges System" beendet.
Wurden Volatilitätsrisiken von Landwärme unterschätzt?
"Die Politik als den einzigen Schuldigen für die eigene Misere auszumachen, ist nicht nachvollziehbar", betonten indes Stimmen aus der Branche auf ZfK-Anfrage. Schließlich würden auch andere THG-Quotenvermarkter auf diesem Markt weiter agieren und seien trotz der aktuellen Herausforderungen solvent. Es sei möglich, dass der Geschäftsführer das Risiko der bekanntlich sehr volatilen THG-Quoten-Preise nicht ausreichend bewertet habe und deshalb beim anhaltenden THG-Quotenpreisverfall nicht mehr wirtschaftlich profitabel agieren konnte, so die Vermutung der von der ZfK befragten Branchenkenner.
Bereits in den vergangenen Jahren habe sich Landwärme bemüht, sich die Marktanteile im THG-Quotenhandel und im Biomethan-Kraftstoffmarkt zu sichern und das oft mit äußerst lukrativen Konditionen, die andere Markteilnehmer für zu überhöht hielten. (am)



