Die Biomethananlage in Brandis bei Leipzig

Die Biomethananlage in Brandis bei Leipzig

Bild: © Baywa.r.e

Von Artjom Maksimenko

Nach der Gläubigerversammlung der insolventen Landwärme GmbH am 17. Dezember wachsen in der Branche Sorgen, dass die angemeldeten Forderungen der betroffenen Unternehmen unter Umständen die Marke von 1,3 Milliarden Euro erreichen könnten. Das Ausmaß würde sogar die Schadenshöhe bei der Insolvenz eines anderen Biomethanhändlers (BMP Greengas) übertreffen. Damals standen nach ZfK-Informationen Forderungen in Höhe von rund 850 Mio. Euro im Raum. Ansprüche in Höhe von 500 Mio. Euro wurden anerkannt.

Nicht nur deswegen herrscht in der Branche große Unsicherheit: bei dem sogenannten Prüfungs- und Berichtstermin der Gläubigerversammlung im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung der Landwärme in Berlin wurde den Gläubigern eine Insolvenzquote im unteren einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Gut möglich ist, dass sie tatsächlich bei einem Prozent oder sogar noch darunter liegen könnte, vernahm ZfK aus mehreren Quellen.

"Noch keine finalen Zahlen"

Laut BBH hat Landwärme, Stand 6. Dezember, angemeldete Forderungen in Höhe von 300.000 Euro schriftlich bestätigt. Die Rechtsanwaltskanzlei Becker Büttner Held (BBH) vertritt nach eigenen Angaben rund 80 Gläubiger im Prozess. Auf Anfrage der ZfK bestätigte BBH, dass die zur Insolvenztabelle angemeldeten Forderungen die Marke von 1 Milliarde Euro mittlerweile deutlich überschritten haben und zwischenzeitlich bei 1,3 Mrd. Euro liegen. Es sei aus der Beratungspraxis bekannt, dass die Höhe der angemeldeten Forderungen teilweise auf Schadensschätzungen beruhe.

"Alle Forderungen müssen noch auf ihre Berechtigung und Richtigkeit geprüft werden, bis dahin sind jegliche Aussagen über die finale Höhe der angemeldeten Forderungen spekulativ", sagte eine Unternehmenssprecherin zu der ZfK. Aus der Höhe dieser Forderungen werde sich schließlich auf die Insolvenzquote ergeben. Auch hier gelte es deshalb: "keine feste Prozentzahl".

Noch sei es offen, in welcher Höhe die angemeldeten Forderungen tatsächlich zur Tabelle festgestellt würden, teilte BBH weiter mit. Und nur diese Zahl sei am Ende für die Berechnung einer Insolvenzquote entscheidend. Allerdings könnte sich die Summe in beide Richtungen entwickeln und sogar noch höher ausfallen.

Gläubiger kritisieren Elek

Auch bestätigte BBH, "dass den Anwesenden auf der Gläubigerversammlung keine große Hoffnung auf eine ´ordentliche´ Insolvenzquote gemacht wurde". Genannt wurde ein Wert im untersten einstelligen Prozentbereich. Angesichts der drohenden Verluste wurde die Abwesenheit des Gründers und Geschäftsführers Zoltan Elek kritisch aufgenommen, hieß es aus Berlin. "Wir hätten es sehr begrüßt, wenn Herr Elek als Geschäftsführer im laufenden Eigenverwaltungsverfahren an der Gläubigerversammlung teilgenommen hätte", teilte BBH auf Anfrage mit. Die Anwesenden BBH-Experten hätten wahrgenommen, dass Herr Elek aus Sicht vieler Gläubiger zumindest eine Mitverantwortung an der Schieflage des Unternehmens und den hohen eingetretenen Schäden trage. "Eine persönliche Stellungnahme hätte hier helfen können."

Zugleich hätte die Sanierungsgeschäftsführung um Herrn Rechtsanwalt Flöther und Rechtsanwältin Wilke, dem Sachwalter Geiser und auch gegenüber den Vertretern des Gläubigerausschusses betont, "dass Herr Elek vollumfänglich kooperiert und sein Beitrag im Rahmen des noch laufenden M&A-Prozesses wertvoll war und ist".

"Derzeit laufen die Prüfungen der Forderungsansprüche weiter", sagte die Landwärme-Sprecherin. Erst danach sei es möglich, konkrete Zahlen zu kommunizieren. Der Münchener Biomethanversorger Landwärme hat im August einen Antrag auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt.

Im Interview mit der ZfK sah der Geschäftsführer Zoltan Elek zwar Fehler in der Beschaffungsstrategie ein, gab aber vor allem den schwierigen Marktbedingungen am THG-Quotenmarkt die Schuld an der finanziellen Schieflage. Der seit Anfang 2023 andauernde Preisverfall dieser THG-Quoten machte Landwärme schließlich zum Sanierungsfall.

Aus Sicht des Unternehmens wurde der Preisverfall für THG-Quoten durch falsch deklarierten Biodiesel und zahlreiche andere mutmaßliche Betrugsfälle bei "Upstream-Emission-Reduction-Projekten" (UER-Projekten) verursacht. Erst vor wenigen Tagen hat Landwärme bekanntgegeben, dass 40 von insgesamt 140 Beschäftigten das Unternehmen zum Jahresende verlassen werden.

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