Nun ist es ganz offiziell: Der Fortbestand der Stadtwerke Bad Belzig ist endgültig gesichert, der Insolvenzplan ist rechtskräftig. Dies teilt die auf Restrukturierungs- und Sanierungsfragen spezialisierte Berliner Kanzlei Voigt-Salus in einer Pressemitteilung mit.
„Damit können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vor allem Kunden des kommunalen Dienstleisters aufatmen - der Betrieb bleibt erhalten, die Grundversorgung ist gesichert", erklärt der Generalbevollmächtigter Joachim Voigt-Salus.
Auch der vom Amtsgericht bestellte Sachwalter Jürgen Spliedt begrüßte die Entscheidung für den Insolvenzplan: "Es war wichtig, dass in diesem besonderen Verfahren eine Lösung gefunden wird. Schließlich stand die Grundversorgung der Kunden auf dem Spiel."
"Reibungsloser Geschäftsbetrieb ist gesichert"
Mit dem Entsorgungskonzern Remondis steigt ein branchenbekannter Investor bei den Stadtwerken ein und wird künftig einen Minderheitsanteil von 49 Prozent halten. Die Stadt Bad Belzig und Remondis stehen kurz vor dem Rückkauf der Stadtwerke und wollen hierfür rund 6 Mio. Euro an die Gläubiger zahlen (wir berichteten).
„Der reibungslose Geschäftsbetrieb ist gesichert und wir sind zuversichtlich, die Stadtwerke Bad Belzig zum Wohle aller nachhaltig neu aufstellen zu können", sagt Michael Schneider, Pressesprecher von Remondis.
Im Rahmen eines M&A-Prozesses waren mit mehreren möglichen Investoren Gespräche geführt worden. „Remondis hatte schließlich das beste Gesamtkonzept vorgelegt“, versichert Unternehmensberater Simon Leopold, Geschäftsführer der ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG.
"Es war kein leichter Weg"
Standort und Name der Stadtwerke Bad Belzig bleiben unverändert. "Wir sind froh, die Grundversorgung für die Kunden hier auch künftig sicherstellen zu können. Niemand muss frieren; die Wasserversorgung; die Abwasser-Entsorgung - alles geht weiter. Es war kein leichter Weg bis hierhin, doch wir sind ihn gemeinsam gegangen. Dafür sind wir unserem Team, unserem Investor und allen Unterstützern sehr dankbar", heißt es vom Unternehmen.
Stromsparte wurde veräußert
Ein weiterer Teil der Sanierung konnte bereits im vorläufigen Verfahren abgeschlossen werden. So wurde leistungsseitig die Stromsparte des Unternehmens geschlossen. Die Energietochter der Stadtwerke Potsdam hatte die Versorgung der jeweiligen Haushalte nahtlos übernommen.
Im Rahmen des Insolvenzplans und mithilfe des Investors können sich die Stadtwerke Bad Belzig laut Pressemitteilung nun auch zeitnah finanzwirtschaftlich sanieren.
Dabei sei das Verfahren ein Präzedenzfall, wie Rechtsanwalt Christian Krönert aus dem Generalbevollmächtigten-Team erklärt: "Aktuell ist die gesamtwirtschaftliche Lage sehr angespannt, die Energiekrise fordert seit Monaten ihren Tribut von den Unternehmen. Die Stadtwerkte Bad Belzig gerieten hier als einer der ersten kommunalen Versorger in die Insolvenz und wurden von der Dynamik der Ereignisse erfasst. Vor diesem Hintergrund war das Verfahren sicher nicht einfach, aber gemeinsam wurde schließlich eine Lösung gefunden - das könnte zur Blaupause für ähnliche Fälle werden."
Missmanagement verursachte existenzbedrohende wirtschaftliche Lage
Der regionale Energieversorger mit rund 20 Mitarbeitenden war aufgrund von Spekulationsgeschäften seines im November 2021 abberufenen, ehemaligen Geschäftsführers in eine existenzbedrohende wirtschaftliche Lage geraten. Trotz umgehend eingeleiteter Bemühungen konnte das Unternehmen die notwendige Restrukturierung nicht außergerichtlich fortsetzen.
Deshalb stellten die beiden Geschäftsführer beim zuständigen Amtsgericht Potsdam den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Der Sanierung in Eigenverwaltung wurde vom Gericht mit Beschluss vom 30. Dezember 2021 zunächst vorläufig stattgegeben. Das gerichtliche Sanierungsverfahren der Stadtwerke Bad Belzig GmbH war schließlich am 30. März 2022 eröffnet worden.
Das Unternehmen versorgt seit 1992 die Kreisstadt von Potsdam-Mittelmark mit Erdgas, Fernwärme und Trinkwasser. Darüber hinaus entsorgt das kommunale Unternehmen das Abwasser von circa 9.500 Einwohnern. Zudem sind die Stadtwerke technischer Betriebsführer von 18 Einrichtungen. (hoe)



