Bei den Stadtwerken Bad Bramstedt ist ein umfassender Transformationsprozess angelaufen.

Bei den Stadtwerken Bad Bramstedt ist ein umfassender Transformationsprozess angelaufen.

Bild: © AdobeStock/Elke Hötzel

Von Artjom Maksimenko

Die Stadtwerke Bad Bramstedt haben das Jahr 2023 voraussichtlich mit einem Minus von rund einer Million Euro abgeschlossen. Spätestens nach dem plötzlichen Abschied des Geschäftsführers Mathias Eik im März dieses Jahres, nach nur wenigen Wochen an der Spitze des Unternehmens, wurde deutlich: Die Stadtwerke Bad Bramstedt befinden sich in einer Krise. Die Meinungen über die Ursachen gehen bei der aktuellen und der bisherigen Geschäftsführung teils auseinander.

Dabei war die Performance des Versorgers aus dem Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein in den fünf Jahren zuvor stets positiv. Im Schnitt hatten die Stadtwerke zwischen 2018 und 2022 etwa 1,3 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaftet. Eine belastbare Prognose für 2024 liegt noch nicht vor.

Interimsgeschäftsführerin der Stadtwerke Bad Bramstedt, Natalie Heinrichs: "In jeder Krise steckt eine Chance, und wir sind dabei, diese jetzt für uns zu nutzen."Bild: © Stadtwerke Bad Bramstedt

Auch hausgemachte Probleme?

Der Bruch in der Bilanz kam mit der Energiewirtschaftskrise, doch nicht nur äußere Faktoren sind für die finanzielle Schieflage verantwortlich, betonte Geschäftsführerin Natalie Heinrichs im Gespräch mit der ZfK.

Heinrichs kam als Interimsgeschäftsführerin im April 2025 nach Bad Bramstedt. Zuvor arbeitete sie unter anderem beim hannoverschen Regionalversorger Enercity als Abteilungsleiterin Controlling und zuletzt als Bereichsleiterin Wasser und Umwelt. Zwischendurch war sie dreieinhalb Jahre Geschäftsführerin der Stadtwerke Sehnde in Niedersachsen.

Bis zum Jahresende steht sie nun vor der Aufgabe, die Stadtwerke aus der finanziellen Schieflage zu befreien und in ruhige Fahrwasser zu bringen. "In jeder Krise steckt eine Chance, und wir sind dabei, diese jetzt für uns zu nutzen", gibt sich Heinrichs kämpferisch.

Auch der Aufsichtsrat begleitet den begonnenen Veränderungsprozess: "Wir begrüßen eine zukunftsorientierte und tragfähige strategische Ausrichtung, die gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeitet wird", betonte Gilbert Sieckmann-Joucken, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Stadtwerke Bad Bramstedt.

"Bei der Pflege von Stammdaten zeigte sich Optimierungsbedarf. Das ist unter anderem auf die fehlenden personellen Ressourcen zurückzuführen."  –  Natalie Heinrichs

Ernüchternde Bestandsaufnahme

Im Rahmen der Bestandsaufnahme in Bad Bramstedt wurde deutlich, dass einige energiewirtschaftliche Instrumente bisher nicht vollständig ausgeschöpft wurden, so Heinrichs im Gespräch mit der ZfK. Beispielsweise sei das Energiedatenmanagement im Vertrieb nur eingeschränkt etabliert gewesen und die zugrunde liegenden Prozesse kaum automatisiert. Auch bei der Pflege von Stammdaten zeigte sich Optimierungsbedarf. "Zurückzuführen ist dies unter anderem auch auf die fehlenden personellen Ressourcen", erklärte sie.

Ein konkretes Beispiel sei die Gasbeschaffung für das Jahr 2023, die im Krisenjahr 2022 erfolgte, führt Heinrichs aus. Aufgrund veränderter Verbrauchsgewohnheiten auf Kundenseite – ein Trend, der sich bereits abzeichnete – wäre eine Anpassung der Prognosen erforderlich gewesen. Diese blieb laut Heinrichs aus, was zu Übermengen führte, die später nur zu reduzierten Preisen im Rahmen der Mehr-/Mindermengen-Abrechnung vergütet wurden. Hinzu kamen Einnahmeverluste bei den Netzentgelten sowie nicht auskömmlich kalkulierte Verkaufspreise, führt sie ihre Kritik fort.

Marc Fischer: "Das Ergebnis von 2023 entspricht in keiner Weise den Erwartungen und Prognosen."

Fischer: "Keine Fehler in der Beschaffung"

Diesen Vorwurf lässt der langjährige Geschäftsführer in Bad Bramstedt, Marc Fischer, nicht auf sich sitzen. "Unsere Kalkulationen basierten stets auf den aktuellen Beschaffungskosten unter der Prämisse eines – ceteris paribus – konstanten Deckungsbeitrags", betonte er. Insbesondere bei der Energiebeschaffung habe sich die Geschäftsführung stets innerhalb des durch den Beschaffungsleitfaden vorgegebenen Zeit-Mengen-Korridors bewegt. "Die bestellten Mengen basierten auf realistischen Prognosen", stellte er klar. Fischer leitete die Stadtwerke über elf Jahre und musste Ende 2024 gehen. Der ihm genannte Kündigungsgrund sei "eine Addition von Kleinigkeiten" gewesen. Aktuell ist er als Geschäftsführer der Stadtwerke Teterow tätig.

"Von einem überhöhten Mengeneinkauf kann keine Rede sein."  –  Marc Fischer

"Im Jahr 2023 hatten wir eine moderne Vollversorgung mit unbegrenzter Flexibilität – das Mengenrisiko lag vollständig beim Vorlieferanten", betonte er im Gespräch mit der ZfK. Auch 2022 bestand in Bad Bramstedt eine moderne Vollversorgung, allerdings mit einem Toleranzband von plus/minus 20 Prozent auf die Bestellmenge.

"Das Mengenrisiko lag damit zu großen Teilen ebenfalls beim Vorlieferanten." In der Prognose hatte der damalige Geschäftsführer nach eigenen Angaben mögliche Kundenverluste wegen geplanter Preissteigerungen einkalkuliert. Tatsächlich kam es jedoch zu einem gegenteiligen Effekt: Durch die Insolvenzen und Kündigungen einiger Billiganbieter "fielen" Hunderte Kunden in die Grund- und Ersatzversorgung der Stadtwerke. Entsprechend mussten die Stadtwerke für 2022 zusätzliche Mengen nachbeschaffen. "Von einem überhöhten Mengeneinkauf kann also keine Rede sein – weder 2022 noch 2023", stellte er klar.

Günstige Grundversorgung

Fischer verweist auf die öffentliche Statistik: 2023 hatten die Stadtwerke Bad Bramstedt aufgrund eines kürzeren Beschaffungszeitraums von nur zwölf Monaten tendenziell höhere Beschaffungspreise als Wettbewerber, die mit einem Vorlauf von 24 oder 36 Monaten einkauften. "Für die Kundinnen und Kunden war dies allerdings dank der Energiepreisbremsen 2023 weitgehend folgenlos", sagte er.

Bereits 2024 drehte sich das Bild: Während einige Wettbewerber ihre Preise erhöhen mussten, konnten die Stadtwerke Bad Bramstedt deutliche Preissenkungen realisieren. Laut dem aktuellen Energiepreisvergleich des VSHEW (Verband der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft), Stand Q3/2025, belegen die Stadtwerke Bad Bramstedt bei Stromtarifen Platz 4 von 41 gelisteten Grundversorgern (bei 5000 kWh Jahresverbrauch) und sind beim Gas (15.000 kWh pro Jahr) sogar günstigster Grundversorger.

Für den ehemaligen Geschäftsführer entspricht auch das negative Geschäftsergebnis 2023 "in keiner Weise den Erwartungen und Prognosen". Zum Zeitpunkt seines Ausscheidens Ende Dezember 2024 ging sein Führungsteam von einem Jahresüberschuss in Höhe von rund 700.000 Euro aus. Was seitdem geschehen sei, entziehe sich seiner Kenntnis, sagte er der ZfK. Seine Vermutung: bilanzpolitische Maßnahmen, mit denen das Ergebnis gezielt negativ beeinflusst wurde. Konkrete Einblicke habe er seit seinem Ausscheiden zwar nicht mehr, möglich wären aus seiner Sicht aber Einzelwertberichtigungen oder die Bildung zusätzlicher Rückstellungen.

Heinrichs: "keine Bilanzpolitik"

Dieser Sicht widerspricht wiederum Heinrichs: "Es wurden keine bilanzpolitischen Maßnahmen ergriffen, um das Ergebnis gezielt negativ zu beeinflussen. Die Wirtschaftsprüfer haben die Zahlen aus der Verbrauchsabrechnung testiert", sagte sie. Auch seien keine nennenswerten Rückstellungen gebildet worden. "Der Verlust resultiert aus den schlechten Deckungsbeiträgen."

Neue Dynamik

Trotz der herrschenden Herausforderungen und des negativen Ergebnisses 2023 stellt Heinrichs in Bad Bramstedt eine Aufbruchstimmung fest. "Wir lernen aus den Erfahrungen und schaffen nachhaltige Verbesserungen in den Strukturen, Abläufen und im Know-how der Organisation", so die neue Geschäftsführerin.

Als einen wichtigen Erfolgsfaktor nennt sie die enge Zusammenarbeit im Unternehmen. Der Einsatz der Mitarbeitenden in den vergangenen Monaten verdiene besondere Anerkennung: "Trotz hoher Belastung und großer Verunsicherung haben viele Kolleginnen und Kollegen Verantwortung übernommen und aktiv zur Stabilisierung beigetragen", sagte sie weiter. Die Geschäftsführung setze dabei auf strukturelle Weiterentwicklung und gezielte Investitionen: in die Qualifizierung der Mitarbeitenden und in die Automatisierung zentraler Geschäftsprozesse. Auch gelang es, neue qualifizierte Fachkräfte für zentrale Aufgaben zu gewinnen – darunter eine neue kaufmännische Leitung sowie Verstärkungen im Rechnungswesen, Kundenservice und Forderungsmanagement.

"Die Gesellschafter stehen klar hinter dem Unternehmen und haben zur Absicherung der Liquidität durch Gesellschafterdarlehen beigetragen."  –  Natalie Heinrichs

Rolle der Gesellschafter

Eine wichtige Rolle sollen im Transformationsprozess die Gesellschafter, die Wirtschaftsbetriebe Stadt Bad Bramstedt GmbH und die Hansewerk-Tochter Service Plus GmbH, spielen. "Die Gesellschafter stehen klar hinter dem Unternehmen und haben zur Absicherung der Liquidität durch Gesellschafterdarlehen beigetragen", betonte Heinrichs. Zugleich wurden erste Gespräche mit Banken über langfristige Finanzierungsperspektiven aufgenommen.

Zuletzt hatten die Gesellschafter den Stadtwerken ein Darlehen in Höhe von drei Millionen Euro eingeräumt. Dieses sei zum größten Teil allerdings nicht beansprucht – bis jetzt wurden lediglich 600.000 Euro abgerufen. "Unser neu aufgestellter Liquiditätsplan zeigt auf, dass wir voraussichtlich bis zum Jahresende keine weiteren Beträge aus diesem ‘Kreditrahmen’ der Gesellschafter abrufen werden", sagte Heinrichs.

Eigenkapitalquote von acht Prozent

Laut Fischer war hingegen der Rückhalt der Gesellschafter nicht immer vorhanden. "In den vergangenen Jahren wurden sämtliche Jahresüberschüsse vollständig an die beiden Gesellschafter ausgeschüttet", erwidert darauf der ehemalige Geschäftsführer. In Summe handele es sich um rund zehn Millionen Euro in den letzten sieben Jahren. Die Folge: Die Eigenkapitalquote sank zuletzt auf etwa acht Prozent.

Die kurzfristigen Gesellschafterdarlehen seien allenfalls eine Zwischenlösung, beseitigten aber das strukturelle Problem aus seiner Sicht nicht. Die Geschäftsführung, so Fischer weiter, habe dieses Thema wiederholt und mit Nachdruck adressiert – gegenüber dem Aufsichtsratsvorsitzenden, den Gesellschaftervertretern und dem gesamten Gremium. Anfang 2024 bestätigten sich seine "wiederholten Warnungen, dass Banken keine Nachfinanzierungen für Investitionen aus 2022 und 2023 mehr gewähren würden".

Diese waren zunächst aus der laufenden Liquidität bestritten worden. Grund für die Bankenabsage war laut Fischer insbesondere das Nichterreichen der erforderlichen Eigenkapitalquote von 20 bis 25 Prozent.

Heinrichs bestätigte auf Nachfrage die niedrige Eigenkapitalquote, betonte aber:"Die Geschäftsführung und die Gesellschafter sind dabei, alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, um aus den zukünftigen Gewinnen zu thesaurieren."

Die neue Interimsgeschäftsführerin Heinrichs steht in Bad Bramstedt vor großen Herausforderungen. Sie gibt sich optimistisch: "Mit klarer Analyse, mutigen Entscheidungen und einem hohen Engagement der Beteiligten" wolle sie das Unternehmen krisenfest und leistungsstark aufstellen. Ihre Aufgabe wird sein, daran gemeinsam mit der Belegschaft, den Gesellschaftern und den Partnern aus der Region zusammenzuarbeiten.

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