Verbio hat den Produktionsrekord für Biodiesel und Bioethanol des Vorjahres noch einmal gesteigert. (Symbolbild)

Verbio hat den Produktionsrekord für Biodiesel und Bioethanol des Vorjahres noch einmal gesteigert. (Symbolbild)

Bild: © David Büttner/AdobeStock

Die Marktpreise für Treibhausgasminderungsquoten (THG-Quoten) für das laufende Jahr sind seit Monaten rückläufig und fallen regelmäßig unter die 100-Euro-Marke. Kürzlich kündigte das Bundesumweltministerium deshalb eine Gesetzesänderung an, um den Markt kurzfristig zu stabilisieren.

So dürfen für die Jahre 2025 und 2026 nur noch CO2-Zertifikate aus dem jeweiligen Jahr verwendet werden. Erst 2027 soll das Übertragen von Quoten wieder möglich werden. Die Änderung könnte schon bei der nächsten Sitzung des Bundeskabinetts verabschiedet werden. Dann stünde noch das parlamentarische Verfahren an.

Höhere Quotenpreise

Die Ankündigung des Ministeriums hat auch Auswirkungen auf den Markt. Sollten die geplanten Gesetzesänderungen zur Verhinderung des Übertrags von Biokraftstoff-Beimischungstickets (Quoten) verabschiedet werden, werden sie die Quotenpreise in den Jahren 2025 und 2026 stützen, so Jay Morrod, Analyst für erneuerbare Gase bei der niederländischen STX Group.

"Diese beiden Jahre wären preisempfindlich nach oben, insbesondere wenn die Biokraftstoffmärkte weltweit enger werden", so der Marktexperte. Die Folge: Die Quotenpreise würden wahrscheinlich deutlich höher ausfallen als im Jahr 2024.

Finanzieller Schaden

Kurzfristig aber hat die Ankündigung eher für weitere Turbulenzen gesorgt. Die Preise für Quoten 2024 sind nach der Ankündigung des neuen Gesetzes deutlich gefallen, da die Überschüsse erst 2027 genutzt werden können. Das bedeutet, dass die Marktteilnehmer dies bereits zu einem gewissen Grad eingepreist haben.

"Die Bundesregierung hat sich selbst in eine Ecke gedrängt, in der sie diese Gesetzesänderung nun umsetzen muss", sagt Morrod. "Denn wenn sie das nicht tut, könnte sie den Marktteilnehmern noch mehr finanziellen Schaden zufügen und die Unsicherheit erhöhen, was das Problem noch verschlimmern würde." Die Unternehmen hätten sich bereits auf dieses neue, erwartete Umfeld eingestellt.

Übertrag der Restkarten

Es gibt jedoch auch andere Faktoren für die Preisbildung, die schwer vorherzusagen sind, schränkt der Analyst ein: die Ölpreise, die starken geopolitischen Risiken ausgesetzt sind, sowie die allgemeine makroökonomische Lage. Es werde auch weiterhin Preisschwankungen geben.

Morrod geht davon aus, dass 2026 ein Jahr mit höheren Preisen sein wird, da mehr Länder die RED-III-Richtlinie umsetzen und somit die Nachfrage steigt. Im Jahr 2027 wird jedoch ein großer Teil der Nachfrage durch den Übertrag der restlichen Tickets aus dem Jahr 2024 gedeckt, was den Preis unter Druck setzen dürfte. "Ich denke, es ist unvermeidlich, dass die Preise im Jahr 2027 sinken werden."

Höhere Quotenziele

Um den Markt langfristig zu stabilisieren, so glaubt Morrod, müssten die europäischen Mitgliedstaaten die Nachfrage durch höhere THG-Quotenziele steigern. Außerdem müsste die EU stärker gegen Vertragsverletzungen vorgehen. "Anbieter haben den deutschen Markt stark ins Visier genommen, weil es sich – unter den richtigen Bedingungen – wirtschaftlich rechnet."

Nur, wenn mehr EU-Länder ein ähnliches Marktdesign wie in Deutschland einführen, kann der europäische Markt demnach mehr Volumen aufnehmen und das Abwärtsrisiko verringern. In der Folge würden auch mehr erneuerbare Kraftstoffe wie Biomethan oder E-Fuels im Verkehrssektor genutzt. "Dies würde die allgemeine Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten steigern", resümiert der Marktexperte. (jk)

Lesen Sie dazu auch:

Sparverbot soll THG-Quotenmarkt retten

Verbände fordern deutliche Anhebung der THG-Quote

Verunsicherung im THG-Handel

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper