Von Pauline Faust
Ein Arbeitspreis von 60 ct/kWh Strom ist derzeit ungewöhnlich hoch. Dennoch hat der Versorger Eon für einige bestehende Verträge solch starke Erhöhungen angekündigt. Wie viele Kundinnen und Kunden davon betroffen sind, ist unklar, viele haben sich aber an die Verbraucherzentralen gewandt. In der aktuellen Marktsituation verursacht eine solche Preiserhöhung nicht nur bei der Kundschaft Fragen. Was also steckt dahinter?
Die Verbraucherzentrale NRW schaut genauer hin: "Die Beschwerden, die uns derzeit zu Preiserhöhungen bei Strom erreichen, beziehen sich überwiegend auf die Sondertarife von Eon", sagt Christina Wallraff, Referentin Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale NRW.
Eon begründet in seinem Anschreiben die Preissteigerungen mit "verschiedenen Kostenänderungen". "Die mit Abstand am stärksten steigende Kostenposition in Eons Preiserhöhungsschreiben ist aber 'Beschaffung und Vertrieb', sowohl beim Arbeitspreis als auch beim Grundpreis", meint die Expertin.
Der ZfK liegt die Preisanpassung eines Kunden vor, bei der der Arbeitspreis von rund 30 ct/kWh auf 60 ct/kWh steigen soll. Zudem wird der Grundpreis von rund 160 auf 280 Euro angehoben.
Auch in Rheinland-Pfalz beobachtete die Verbraucherzentrale eine Häufung bei dem Anbieter aus Essen und veröffentlichte daher eine eigene Pressemitteilung. "Der Verbraucherzentrale werden derzeit von Kundinnen und Kunden sehr auffällige Preiserhöhungen zum 1.1.2025 mitgeteilt. Dabei steigt der Preis in den gemeldeten Fällen von 30 ct/kWh auf 60 ct/kWh", hieß es dort. Betroffenen riet die Verbraucherzentrale mit Hinweis auf das Sonderkündigungsrecht zum Wechsel.
Erhöhung ist gegen den Trend
Viele Versorger fahren derzeit eine andere Strategie als Eon: Sie halten oder senken Preise für Bestandsverträge. "Allgemein beobachten wir keine Preiserhöhungswelle", sagt Wallraff. "Die Sondertarife der Grundversorger werden durchschnittlich geringfügig günstiger."
Was sagt Eon also zu der Erhöhung? "Zunächst möchten wir richtigstellen: Es gibt aktuell keine pauschale Preiserhöhung in Strom-Sonderverträgen, und schon gar nicht in einer pauschalen Höhe. Entwicklungen nach oben und unten sind ganz normal – Kundinnen und Kunden erhalten beispielsweise aktuell auch Preissenkungen", erklärt ein Eon-Sprecher auf ZfK-Anfrage.
Bei dem von der ZfK genannten Beispiel handle es sich um individuelle Sonderverträge. "Ein Kunde mit solch einem Vertrag hat in der Regel mehrere Jahre, auch während der Hochphase der Energiekrise mit entsprechenden Preisspitzen, von günstigen Konditionen profitiert“, sagt der Sprecher. "Wir haben diese möglichst lange stabil belassen, können sie aber in diesem konkreten Fall nun leider nicht mehr halten. Denn viele Kostenbestandteile haben sich verändert."
Generell gelte: "Es gibt nicht 'den einen' Eon-Strompreis – und somit wäre auch keine pauschale Aussage zur Preisentwicklung zielführend. Entscheidend ist immer die individuelle Konstellation."
"Die Richtung und Höhe einer Preisanpassung bzw. ob es überhaupt dazu kommt, hängt von der Gesamtbetrachtung aller Kostenfaktoren ab", so der Sprecher. "Uns sind unsere Kundinnen und Kunden sehr wichtig. Daher bieten wir selbstverständlich attraktive Alternativangebote an."
Auch Hamburger Anbieter in Kritik
Ein weiterer Versorger, über dessen Preiserhöhung berichtet wird, ist der Ökostromanbieter Lichtblick. So schrieb Holger Schneidewindt von der Verbraucherzentrale NRW von einer Erhöhung des Arbeitspreises von 32 ct/pro kWh auf 49 ct/kWh bei seinem Vertrag. Angesichts der aktuellen Marktlage war er von dieser irritiert.
"Im Schnitt halten sich Erhöhungen und Senkungen in etwa die Waage." – Lichtblick
"Um die Preisschwankungen bei unseren Bestandskundinnen und -kunden dabei im Durchschnitt so gering wie möglich zu halten, teilen wir diese in verschiedene Portfolien auf", erklärt ein Sprecher von Lichtblick. "Dadurch können wir unsere Beschaffungsstrategie und -mengen enger an den unterschiedlichen, vertragsspezifischen Merkmalen ausrichten." Im Schnitt – also über alle Portfolien hinweg – hielten sich Erhöhungen und Senkungen bei Lichtblick in etwa die Waage.
Lichtblick erklärt detailliert seine Preisanpassung
"Hier handelt es sich um einen Kunden, bei dem erstmals die Vertragslaufzeit endet", sagt der Lichtblick-Sprecher. Sofern Kundinnen und Kunden von einer Vertragslaufzeit in eine kurze Kündigungsfrist wechselten, steige für Versorger in der Energiebeschaffung das Risiko, da die Beschaffung nicht mehr so langfristig wie zuvor geplant werden kann.
In dem geschilderten Fall sei die Strommenge außerdem bereits weit im Voraus – zu Zeiten, in denen das Preisniveau für die Energiebeschaffung noch höher war – eingekauft worden, um die Versorgungssicherheit frühzeitig zu gewährleisten. "Das spiegelt sich leider im Preis dieses Kund*innenportfolios wider." Das Beispiel zeige gut, dass eine Preisanpassung von verschiedenen, teils individuellen Faktoren abhänge.
"Mit unserer Beschaffungsstrategie möchten wir wettbewerbsgerechte Preise mit hoher Qualität und Zuverlässigkeit für all unsere Kundinnen und Kunden gewährleisten. Dass die Beschaffungspreise in einem Portfolio über dem Wettbewerb liegen – wie in diesem Fall – ist auch nicht in unserem Sinne. Den Vorwurf der Abzocke, wie er teilweise unter dem Kommentar zu lesen war, weisen wir daher entschieden zurück."
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