Unweit des Rheinenergie-Heizkraftwerks in Niehl soll 2027 die größte Großwärmepumpe Europas in Betrieb gehen.

Unweit des Rheinenergie-Heizkraftwerks in Niehl soll 2027 die größte Großwärmepumpe Europas in Betrieb gehen.

Bild: © Rheinenergie

Es sind gewaltige Summen, die der Kölner Versorger Rheinenergie in den nächsten zehn Jahren für die Energiewende in Deutschlands viertgrößter Stadt bewegen will. 800 Mio. Euro sollen ins Stromverteilnetz gehen, 450 Mio. Euro ins Fernwärmenetz und 300 bis 400 Mio. Euro in die Fernwärmeerzeugung, wie Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender des Versorgers, am Freitag bekannt gab.

Dazu kommen weitere erhebliche Beträge für erneuerbare Energien (geplant ist nun ein Ausbau von 600 statt bislang 400 MW) und Energiedienstleistungen. Das Preisschild insgesamt: 3,8 Mrd. Euro. Das sind 300 Mio. Euro mehr, als die Rheinenergie im kompletten Jahr 2022 über alle Geschäftsfelder hinweg umgesetzt hat.

Größte Großwärmepumpe Europas

Doch nicht nur die Summen muten gewaltig an, sondern auch die Vorhaben selbst. Beispiel Innenstadt: Hier sollen statt bislang 1,0 künftig 1,4 TWh Fernwärme zu Endkunden gelangen. Heißt auch: Das bisher 380 Kilometer lange Fernwärmenetz wird deutlich länger, um insgesamt weitere 200 Kilometer und nach 2035 um noch mehr.

Dazu soll 2027 eine neue Großwärmepumpe in Betrieb gehen. Die geplante Leistung hier: 150 MW, aufgeteilt in drei Module. "Wenn wir damit an den Start gehen, sind wir wahrscheinlich der Standort mit der größten Wärmepumpe in Europa", sagte Feicht. Zum Vergleich: Die derzeit größte Großwärmepumpe des Kontinents im dänischen Esbjerg hat eine Leistung von 60 MW.

Zweite Großwärmepumpe

Den passenden Standort hat die Rheinenergie bereits gefunden: den Rheinabschnitt am konzerneigenenen Kraftwerkstandort im Kölner Stadtteil Niehl. Ein Vorteil dabei: Der Anschluss zum vorgelagerten Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion ist bereits gegeben.

Eine zweite Großwärmepumpe mit einer Leistung von 50 MW plant die Rheinenergie flussaufwärts am Kraftwerkstandort Merkenich, wo derzeit ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk gebaut wird. Dazu sollen sich beispielsweise eine Solarthermieanlage (fünf MW) sowie ein Fernwärmespeicher in Köln-Merheim rechts des Rheins gesellen. Letzterer soll noch dieses Jahr ans Netz gehen.

Grüner Wasserstoff für Gaskraftwerke

Macht zusammen "ein zukunftsfähiges, resilientes und transformiertes Fernwärmeangebot", wie Feicht zusammenfasste. "Das ist eine echte Zeitenwende, vor der wir stehen."

Komplett grün soll die Fernwärme perspektivisch übrigens auch sein. Schließlich will Köln 2035 komplett klimaneutral wirtschaften. Geht es nach Feicht, könnten schon Anfang der 2030er-Jahre die gasbetriebenen Heizkraftwerke mit grünem Wasserstoff versorgt werden.

Drei Säulen der Finanzierung

Bleibt die Frage der Genehmigungsverfahren, wo sich der Rheinenergiechef die von Bundeskanzler Olaf Scholz vielzitierte Deutschlandgeschwindigkeit wünscht, die Frage der Nachfrage – "wir werden überrollt von Immobilieneigentümern und Wohnungsunternehmen, die Fernwärme haben wollen", sagte der Rheinenergie-Chef – und die Frage der Finanzierung.

Hier nannte Feicht drei Säulen: erstens das Eigenkapital, wo der Rheinenergie im Zweifel nicht nur eigene Reserven zur Verfügung stehen, sondern auch die der mehrheitlichen Gesellschafterin GEW.

Staatliche Förderungen

Zweitens das Fremdkapital, also die Aufnahme von Krediten. "Das geht nur mit Stabilität im Ergebnis", sagte der Vorstandschef. "Wir haben sehr solide Bilanzstrukturen, einen guten Cashrückfluss und Eigenkapitalquoten, die über dem Marktniveau liegen", ergänzte die Kaufmännische Vorständin Birgit Lichtenstein. Laut Geschäftsbericht lag die Eigenkapitalquote der Rheinenergie Ende 2022 bei 42 Prozent.

Und drittens staatliche Förderungen in unmittelbarer oder mittelbarer Form. Ein Instrument der Wahl ist etwa die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW). Mit Geld aus diesem Topf soll etwa die Niehler Großwärmepumpe und die ersten Wärmenetze mitfinanziert werden. Wie der Stadtwerkeverband VKU plädiert übrigens auch Feicht für eine Aufstockung der BEW-Fördermittel.

Debatte um Eigenkapitalzins

Gemeint ist aber auch der Eigenkapitalzins für Stromnetze. Diesen will die Bundesnetzagentur zumindest für Neuanlagen um zwei Prozentpunkte erhöhen, was Feicht als "wichtiges Signal, aber nicht ausreichend" bewertete. "In diesem Dreiklang ist es durchaus möglich, diese enormen Investitionen zu stemmen", sagte der Vorstandschef. (aba)

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