Mit einen Sofortbonus und einem Neukundenbonus von 15 Prozent wirbt Grünwelt Energie seit einigen Tagen auf Verivox.

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Bild: © Adobe Stock/Eyetronic

Die aktuelle Berichtssaison in der Kommunalwirtschaft läuft noch auf vollen Touren. Neben oftmals sehr guten bis soliden Ergebnissen zeichnet sich dabei ein Trend immer deutlicher ab: Immer öfter wird ein Teil oder gar ein größerer Teil der Gewinne einbehalten. Das gilt insbesondere aktuell in den Fällen, wo die Ergebnisse die Erwartungen deutlich übertreffen.

Hintergrund sind die milliardenschweren Investitionen, vor der die gesamte Branche mit Blick auf die Energiewende vor Ort steht. Bei fast jeder Ergebnispräsentation ist das aktuell ein größeres Thema, ebenso welchen Beitrag gegebenenfalls die Gesellschafter zur Stärkung des Eigenkapitals leisten können.

Rekordzahlen in Wiesbaden

Das ist beispielsweise in Wiesbaden bei der ESWE Versorgung der Fall. Dort hat der im Sommer 2025 ausscheidende Vorstandsvorsitzende Ralf Schodlok das Ergebnis noch einmal massiv auf den Rekordwert von 70,5 Mio. (2022: 48,2 Mio.) steigern können. Und dies trotz Absatzrückgängen im Strom- und Gasvertrieb von bis zu 6,5 Prozent.

Bei dem Ergebnissprung dürften Sondereffekte (etwa die Auflösung von Risikopositionen) eine ebenso gewichtige Rolle gespielt haben wie beim Umsatzsprung auf 634 Mio. (2022: knapp 476 Mio. Euro).

Schodlok: "Werden unser Ergebnis nicht voll ausschütten können"

Auch in Wiesbaden endet die Pressemitteilung mit einem Verweis auf den bevorstehenden finanziellen Kraftakt der kommenden Jahre. "Damit wir die Wärme- und Energiewende umsetzen können, müssen wir bis 2060 Investitionen in Höhe von 2 Milliarden Euro stemmen", erklärt Schodlok. Die jährlichen Investititionen des hessischen Kommunalversorgers lagen in den letzten 20 Jahren durchschnittlich bei 22 Millionen Euro. Künftig werden sie auf bis zu 80 Millionen Euro jährlich steigen.

"Das bedeutet, dass wir unser Eigenkapital erhöhen müssen und unser Ergebnis nicht mehr voll ausschütten können", verdeutlichte Schodlok und betrieb wie die Stadtwerkeverantwortlichen vielerorts aktives Erwartungsmanagement.

Ein solches Ergbebnis wie in diesem Jahr werde sich in den kommenden Jahren aber nicht wiederholen lassen, so der Chef von ESWE Versorgung. Als wichtigste Schwerpunkte für die nächsten Jahre sieht ESWE unter anderem die Energiewende und Dekarbonisierung sowie die nachhaltige Erzeugung und versorgungssichere Netze. 

Stadtwerke Speyer stärken Gewinnrücklagen

In diesem Jahr fließen noch einmal knapp 40 Mio. Euro an die Hauptgesellschafterin der ESWE Versorgung, die WVV Wiesbaden Holding GmbH. Wie hoch die Ausschüttung an den Minderheitsgesellschafter Thüga ausfällt und ob diese genau so hoch ist wie im vergangenen Jahr, war am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen.

Die Stadtwerke Speyer stärken im laufenden Jahr die Gewinnrücklagen mit einem Großteil des in 2023 erzielten Ergebnisses. Dort hat sich der Bilanzgewinn dank höherer Umsatzerlöse und Erträge aus Windparks auf 6,3 Mio. Euro nahezu vervierfacht . Rund 4,8 Mio. Euro bleiben im kommunalen Unternehmen. Und das bei einem Umsatz von 160,4 Mio. Euro (2022: 137,8 Mio. Euro).

"Thesaurierung gehört in Speyer zum kommunalen Selbstverständnis"

In Speyer besteht schon seit 20 Jahren eine entsprechende Vereinbarung, dass die Stadtwerke auf Basis der langfristigen kommunalen Zukunftsstrategie mit entsprechendem Eigenkapital ausgestattet werden. "Für die Stadt Speyer und die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker im Stadtrat gehört die Thesaurierung von Gewinnen zum kommunalen Selbstverständnis", sagt eine Stadtwerkesprecherin auf ZfK-Anfrage. Entsprechend liegt die Eigenkapitalquote derzeit bei knapp 60 Prozent.

Die kann man mit Blick auf die beträchtlichen Investitionsherausforderungen auch gut gebrauchen. Rund 400 Mio. Euro beträgt der Investitionsbedarf der Stadtwerke Speyer allein bis 2030, knapp die Hälfte davon für Investitionen in Windparks. Die restlichen Gelder sollen in Geothermie, Strom- und Wärmenetzausbau fließen.

Nur bei einem Drittel der Unternehmen reicht die Innenfinanzierungs-Kraft aus

Die Kommunalwirtschaft steht vor milliardenschweren Investitionen in den nächsten Jahren, um die Energiewende umzusetzen. In den nächsten zehn Jahren wird der Investitionsbedarf auf über 20 Mrd. Euro geschätzt. Im Schnitt sehen sich nur 30 Prozent der kommunalen Unternehmen in der Lage, diese Investitionen über die Innenfinanzierung zu stemmen. Dies zeigt eine PwC-Umfrage unter knapp 160 Mitgliedsunternehmen des VKU.  

Um das Eigenkapital zu stärken, werden verschiedene Optionen diskutiert. Die Chancen über Thesaurierung von Gewinnen künftig zusätzliche Mittel in die Rücklagen zu stellen, bewerteten rund drei Viertel der Energieversorger als realistisch. Bei den Ver- und Entsorgern sah nur die Hälfte der Befragten zusätzliches Potenzial.

Erst am Freitag hatte die Freiburger Badenova sehr gute Zahlen bekannt gegeben. Die rund sieben Mio. Euro, die über Plan lagen, werden dort ebenfalls vom Unternehmen einbehalten. Für die künftige Finanzierung der Investitionen von über einer Milliarde sind künftig weitere Abstimmungen mit den Gesellschaftern geplant. (hoe)

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